Gothic-Metal.com pausiert

Liebe Gothic-Metal.com Leser,

ich wünsche euch ein frohes Neues!

Wie ihr sicherlich bemerkt habt ist es auf dem Blog etwas stiller geworden. Es fehlt mir derzeit an Zeit und Muse das Projekt mit der gebotenen Aufmerksamkeit weiterzuführen.

Die Gründe hierfür sind zum einen beruflicher Natur, zum anderen ist die Entwicklung der Besucherzahlen nicht wirklich berauschend. Wenn man sich auferlegt nach einem langen Arbeitstag als Redakteur privat noch zu schreiben, sollte man sich einer gewissen Relevanz seines Schaffens sicher sein.

Gothic-Metal.com wird deshalb erst mal pausieren. Die Seite bleibt wie sie ist bestehen, wird aber bis auf weiteres nicht aktualisiert.

Den DANGER ZONE Podcast betrifft die Pausierung nicht. Wobei ich hier zukünftig von einem monatlichen Zyklus absehen und alle weiteren Folgen nach Lust und Laune produzieren werde.

Grundsätzlich habe ich nach wie vor Bock auf ein eigenes Medium. Ich tendiere jedoch stark in Richtung eines persönlicher orientierten Blogs mit einem breiter ausgelegten Themenspektrum. Eine Übernahme der hier veröffentlichten Inhalte läge mir am Herzen. Ihr erfahrt es an dieser Stelle, wenn die Texte an einen anderen Ort umziehen.

Man liest sich!

Bis dahin

David

Life Of Agony & Support (Köln, Essigfabrik – 05.12.2014)

LOA-Cologne-Essigfabrik

Es ist ein merkwürdiges On- & Off-Ding das LIFE OF AGONY seit etwa 10 Jahren fahren. Die ehemalige Hardcore Band, die zwischen Mitte und Ende der 90er Jahren mit Ausnahmesänger Keith Caputo große Erfolge feierte und sich zunehmend zu einer Alternativ Rock Band entwickelte, ist heute eher als gelegentlich aktives Freizeitprojekt zu betrachten.

Deshalb war mein Bedürfnis die Band anno 2014 ein weiteres eine ihrer Reunion-Shows abfeiern zu sehen eher gering. Dazu kommt der Umstand, dass die Kölner Essigfabrik nicht zu meinen Lieblings-Locations gehört.

LIFE OF PAYGONY

Ein Rundgang zum Einlass ließ mich jedenfalls schon mal mit heruntergeklappter Kinnlade zurück. Wie wäre es mit einem Shirt für nur 30 €? Oder ein vollgekrakeltes Drumfell für 100 €? Da geht man doch mal lieber an die Theke, nur um kurz darauf festzustellen, dass ein Whiskey-Cola nun die Höchstmarke von 7 € erreicht hat. Andere Hobbys darf man bei solchen Preisen jedenfalls nicht mehr haben.

VORGEPLÄNKEL

Glücklicherweise gehen immer mehr Veranstalter dazu über Packages auf die Straße zu schicken, die wirklich attraktiv für die Besucher sind. Nicht so an diesen Abend. Warum sich die französischen Langweiler von THE DISTANCE auf diese Tour eingekauft haben, nur um europaweit ihre Überflüssigkeit zu demonstrieren, wissen wohl nur sie selbst. Etwa die Hälfte der später Anwesenden sparten sich dieses Debakel in weiser Voraussicht und erschienen erst gar nicht rechtzeitig.

Wesentlich besser machten es anschließend DIABLO BLVD aus Belgien. Stilistisch passte die Band mit ihren Volbeat-Anleihen auf jeden Fall besser ins Konzept, als die 3-Akkord-Standmusikanten vor ihnen. Frontman Alex Agnew neigte hier und da etwas zu Übertreibungen und den ganz großen Gesten, die in diesem Rahmen nicht immer angemessen schienen, aber man demonstriert so zumindest, Bock zu haben und konnte auch musikalisch ganz solide abliefern. Die mittlerweile gut gefüllte Halle quitierte den Auftritt immerhin mit respektvollem Applaus.

SHOWTIME

Der Moment, in dem Life Of Agony die Bühne betraten, war der Moment an dem der Abend sich zum guten wandte. Wer hier eine müde Altherren-Show erwartete, war falsch gewickelt. Im Gegenteil hat man die New Yorker nie in so guter Form gesehen wie aktuell. Vor allem Frontdame Mina Caputo (alias Keith Caputo) war derart gut bei Stimme, dass man die meisten Songs endlich auch mal live so zu Ohren bekam, wie sie ursprünglich gedacht waren. Eine so fehlerfreie, offenherzige Performance habe ich persönlich noch nie von Caputo gesehen. Gleich mit dem Einstieg „River Runs Red“, „This Time“ und „Method Of Groove“ packte man das Publikum bei den Eiern und spielte die Songs so tight wie selten. Da störte es auch nicht, dass Mina Caputo mittlerweile ein recht feminines Stageacting hinlegt. Die Stimme war dafür umso mehr auf den Punkt. Diesmal wurden Fans aller Alben entsprechend bedient. Mit „Other Side Of The River“, „Bad Seed“ oder dem griffigen „Weeds“ rockte man sich quer durch die eigene Diskographie. Sogar „Love To Let You Down“ und „Day He Died“ vom Spätwerk „Broken Valley“ schafften es auf die Setlist.

Das Highlight für Fans der Solokarriere von Mina Caputo dürfte das kurze Akustik-Set gewesen sein, bestehend aus einem wundervoll dargebotenen „My Mind Is Dangerous“ und Minas Eigenkomposition „Over The Moon“.

Nach dieser letzten Verschnaufpause folgten die Klassiker „Through And Through“ und „Underground“ zum Schluss. Danach verschwand die Band von der Bühne und fand sich kurz darauf am Merch-Stand ein. Zugaben folgten nach dem etwa 90-minütigen Set keine mehr.

MASSENMENSCHHALTUNG

Wie in vielen größeren Locations mittlerweile üblich, hatte die freudetaumelnde Meute nicht viel Zeit das Geschehen auf sich wirken zu lassen, denn schon kamen die Security-Hirten mit ihren rot-weißen Absperrbändern angerückt und trieben die Fan-Schäfchen nach draußen. Muss man sich sowas als erwachsener Mensch mit Stolz und Würde wirklich bieten lassen? Es wäre interessant zu sehen was passieren würde, wenn sie dies in der Oper oder Philharmonie probierten. Es ist ihnen jedenfalls zugute zu halten, dass sie während des Konzerts zumindest gut auf meine gehbehinderte Begleitung acht gegeben haben. Unterm Strich – viel ärgerliches Drumherum. Dem gegenüber steht eine hervorragende L.O.A.-Show, die vieles davon rechtfertigte, jedoch sollten wir uns gesondert nochmal über Preise, Vorband-Auswahl und Saalräumungsaktion unterhalten. Denn das sind Ärgernisse, die immer wieder auftreten und einem auch das beste Konzert vermiesen können.

Kommentar: Die grußlose Anrede

feldwebel-cta

Leser,

jetzt diesen Artikel lesen und Klappe halten!

Hoppla? Ja genau, das denke ich mir neuerdings auch, wenn ich Nachrichten von (überwiegend US-) Partnern und anderen Unternehmen bekomme.

Die grußlose Anrede breitet sich auch hierzulande immer mehr aus und ist die sprachliche Konsequenz einer entsprechenden Geisteshaltung. Der Empfänger wird auf eine Call-To-Action-Marionette heruntergebrochen, die gefälligst eine Anordnung zu befolgen hat. Zum Beispiel Geld ausgeben oder eine Rezi schreiben.

Sehr geehrte Befürworter der Massenmenschhaltung,

die Tatsache, dass ihr eurer Handlungsanweisung meinen Namen voranstellt ist keine persönliche Ansprache. Dementsprechend wenig interessiert mich euer Anliegen. Und sollten wir bereits in Kontakt zueinander stehen, dann seid ihr so auf dem besten Weg, dass sich das ganz schnell wieder ändert. Das gilt für jegliche Geschäftsbeziehung und für einen finanziell unabhängigen Blog wie diesen umso mehr.

Betont freundliche Grüße

Euer David

Bloodbath – Grand Morbid Funeral

Bloodbath-2014

David Timsit

Label: Peaceville Records
Spielzeit: 46:31

„Du bist koaner von uns“ ist ein 1997 veröffentlichter Song von Hans Söllner, der mir immer wieder ins Gedächtnis kommt, wenn ich an das Standing von Paradise Lost in der Metal-Szene vor etwa 15 Jahren denke. Die Tatsache, dass Mr. Non-Credibility – Nick Holmes – höchstpersönlich nun die Death Metal Allstars von BLOODBATH fronted, ist angesichts dessen eine erstaunliche Entwicklung und natürlich der größte Aufhänger um diese Veröffentlichung herum. Die Tatsache, dass man hier nun quasi eine Paradise Lost / Katatonia Supergroup am Start hat, ist speziell für Gothic Metal Fans eine Sensation.

Rein musikalisch ist von dieser Konstellation jedoch kaum etwas zu erkennen. Hier und da taucht mal eine finstere Doom-Melodie auf (bspw. „Church of Vastitas“ oder „Mental Abortion“), aber im Wesentlichen geht es auf „Grand Morbid Funeral“ kompromisslos nach vorne. Die Stimme von Holmes ist kaum wiederzuerkennen, auch nicht im Bezug auf die Paradise Lost Frühwerke. Der britische Veteran offenbart hier eine vollkommen neue Facette und klingt so leidenschaftlich wie selten zuvor in seiner Karriere.

Leichte Kost ist „Grand Morbid Funeral“ nicht, dafür nimmt sich die Band spürbar ernster als in der Vergangenheit. Das klingt nicht mehr nach einem locker aus dem Ärmel geschüttelten Nebenprojekt. BLOODBATH anno 2014 ist ein ernst zu nehmendes Biest, das die musikalischen Fertigkeiten seiner Mitglieder eindrucksvoll widerspiegelt. Schnell mal ein Bier zischen und dazu abschädeln ist nicht. Dieses Album verlangt nach einem Glas Wein, respektvoller Phil-Anselmo-Unterlippe und Kopfnicken in aufrechter Haltung. Entsprechend gewürdigt und einverleibt, tut’s bei weiteren Durchgängen dann aber auch ein kühles Becks dazu.

8/10

Wacken Roadshow 2014 (Köln, MTC – 06.11.2014)

 wacken-roadshow

Kaum ein Begriff hat in der Metalszene so eine Relevanz wie „Wacken“. Was liegt da näher als einen tourenden Ableger der Marke auf die Reise zu schicken? Das Konzept existiert seit etwa 10 Jahren und pausierte zwischendurch. Um es vorweg zu nehmen – große Mühe die Events zu branden hat man sich nicht gemacht.

Trotz ausbleibender Dekoration, kaum Wacken-spezifischem Merch und kleinem Club, kamen zumindest mehr Leute, als man sie üblicherweise bei einem Konzert im MTC vorfinden würde. Verärgerung gab es bereits zu Anfang, da von verschiedenen Seiten verschiedene Einlasszeiten kommuniziert wurden. So standen schon die ersten Besucher gegen 17:00 Uhr vor der Location. Einlass war jedoch um 20:00 Uhr.

CRUD

 crud-wacken

Wie mittlerweile üblich, wurde die erste Band früh auf die Bretter gestellt. Wer erst zum offiziellen Beginn um 20:30 Uhr erschien, hatte schon fast die Hälfte des Gigs der Dormagener verpasst. Diese präsentierten sich erstmals mit neuem Line-Up inkl. zweitem Gitarristen. Bereits bei dem Black Sabbath-artigen Intro merkte man den enormen Unterschied, den die Verstärkung an der Gitarre macht. Der Sound der Dark Rocker klang viel kräftiger und breiter. Auch der neue Drummer Robert überzeugt mit einem harten und tighten Spiel, welcher der Band ein metallischeres Soundgewand verpasste. Gewohnt lässig agierten hingegen die Langzeit-Bandmitglieder Daniel (Bass) und Jens (Vocals, Gitarre). Der lang gewachsene Frontmann mit dem wallenden schwarzen Haar versteht es hervorragend Distanz zu wahren und den introvertierten Goth Rocker zu geben, dabei aber nicht unterkühlt rüberzukommen. Kleine Nebensächlichkeiten, wie sich das Bier vom Publikum öffnen zu lassen, schaffen Nähe und Symphatie, anschließend wird sich wieder hinter der Matte versteckt und Melancholie verbreitet. Das etwa 30-Minütige Set erzeugte erste Bewegung im Publikum und CRUD dürften im bereits recht vollen MTC einige neue Freunde gefunden haben.

GRAILKNIGHTS

Relativ zügig ging es weiter im Programm mit einer Band, deren Superhero-Konzept so kreativ wie befremdlich wirkt. Während das etwas peinliche, natürlich nicht ernst gemeinte, Intro ablief, stellte die Truppe einen herumgestikulierenden Kollegen in Skeletor-Kostüm auf die Bühne, nur um den selbst wie eine Mischung aus Ninja Turtles und Power Rangers die Stage zu stürmen und extrem pathetischen, Festzelt-Metal unters Volk zu bringen. Das war schon eine harte Nuss für J.B.O.-Verweigerer und Sabaton-Ignoranten wie den Verfasser dieser Zeilen. Nichtsdestotrotz funktioniert der Kirmes immerhin gut genug um an diesem Abend einige Besucher in den Bann zu ziehen.

NIGHTMARE

Ein solch bunt gemischter Abend mit so vielen anwesenden Leuten lenkt natürlich vom Bühnenprogramm ab. So befand sich, neben den anwesenden Bands, auch lokale Prominenz – u.a. Fastball-Labelchef Andreas Bob und In Extremo Sänger Michael Rhein – unter den Gästen. Man stand mal hier, quatschte mal da und so kam es, dass wir den Auftritt von NIGHTMARE nahezu gänzlich verpassten. Die französischen Veteranen schmissen dem aufgewärmten Publikum ihren Metal klassischer Machart um die Ohren und man hatte erstmals das Gefühl, dass eine der Bands des Abends wirklich unter das (nicht vorhandene) Wacken-Banner passt.

JADED HEART

Wie man das Ganze noch eine Ecke geiler macht, präsentierte das internationale Kollektiv JADED HEART, das sich aus talentierten deutschen, deutsch-japanischen und schwedischen Musikern zusammensetzt. Für Drummer Bodo Stricker war Köln ein Heimspiel. Diese Band gehört definitiv auf große Bühnen. Hier trifft sich das Beste aus Heavy- und Power Metal. Mit großer Spielfreude, authentischer Attitüde und handwerklicher Extravaganz erzeugten die fünf Musiker erstmals an diesem Abend echte Begeisterung im Club. Dazu kam, dass sich der Sound mittlerweile auf einem fantastischen Niveau eingependelt hatte. Mit ihrem melodischen und dennoch zackigen Songmaterial, erinnerte die Band mehrmals an die Pretty Maids mit einem Schuss Iron Maiden in zweifacher Geschwindigkeit. Und das ist wahrlich keine schlechte Referenz.

LACRIMAS PROFUNDERE

 lacrimas-2014

Die populärste Band des Abends war zuletzt 2013 im Rahmen des Winter Ends Festivals in Köln. Ganz so viele Leute zog man diesmal nicht und das Set war ähnlich kurz, aber die Goth Rocker präsentierten sich spielfreudig wie eh und je. Speziell Ur-Mitglied Oliver Nikolas Schmid ist ein Bühnenmensch mit Leib und Seele. Man kann gar nicht anders als lächeln und mitnicken, wenn einem so viel gute Laune von der Bühne entgegenkommt, die den eigentlich einnehmend atmosphärischen Sound kontrastiert. Die Setlist wirkte sehr gestrafft und einem „Best Of…“-Programm entsprechend. Überraschend beendete man das Set nach dem hervorragenden Klassiker „Ave End“ dann auch ohne Zugabe.

FAZIT:

Da ist sie also vorbeigerauscht, die Wacken Roadshow. Während man hervorragenden Bands wie CRUD, JADED HEART oder LACRIMAS PROFUNDERE absolut keine Vorwürfe machen kann, so wirkt das ganze Konzept doch recht arm. Gerade bei einem Veranstalter, der seinen Hauptevent mit so viel Liebe zu Detail gestaltet, hätte man das ein oder andere Gimmick erwarten können. Stattdessen stellte man fünf Bands in einem straffen Zeitkorsett auf die Bühne und dies in einer Zusammenstellung, die beliebig und merkwürdig ausgewählt schien. Zumindest gab sich das MTC alle Mühe den Zustand ihrer Toiletten dem Niveau von Dixie-Klos anzupassen. In dem Loch da unten hatte man auf jeden Fall Wacken-Feeling. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Konzept enttäuschte leider auf ganzer Linie, die Bands aber überwiegend nicht. Wenn diese merkwürdige Tour dazu führt, dass ein paar gute Bands neues Publikum für sich finden, kanns so verkehrt wiederum nicht gewesen sein.

David Timsit

Kolumne: Sind KATATONIA am Ende?

katatonia-press-promo

Von allen Bands, die sich in meiner Top 10 wiederfinden sind KATATONIA die am letzten hinzugestoßene. Die einzige Band, die es nach den 90er noch geschafft hat sich in die Riege meiner All-Time-Faves einzugliedern. Doch der Motor scheint zu stottern und wie es weitergeht steht in den Sternen.

Als KATATONIA 2003 „Viva Emptiness“ veröffentlichten war mir nach dem ersten Durchgang – damals schon fortschrittlich als exklusiver Stream per Online-Radio eines Kollegen – klar, dass hier etwas ganz besonderes entstanden ist. Die Band war mir zuvor nur lose ein Begriff, aber das Ding traf genau meinen Nerv. Und zwar so sehr, dass ich kurze Zeit später die Diskographie nachholte und infolge meiner Begeisterung für die Band gar guten Geschmack davon abhängig machte, ob mein Gegenüber Katatonia-Hörer war oder nicht. Die Mischung aus Feingeistigkeit und Naturgewalt bediente eine Nische, die zu dieser Zeit noch nicht so häufig bedient wurde wie heutzutage durch Post-Rock und co..

Der Durchbruch

Mit der 2006er Scheibe „The Great Cold Distance“ war der künstlerische und kommerzielle Höhepunkt erreicht. Die Formel des Vorgängers wurde weiter verfeinert, das Songwriting war noch treffsicherer und die Produktion ein audiophiler Hochgenuss. Songs wie „July“ und „My Twin“ hatten gar Club-Format und verschafften der Band einen Sprung über den eigenen Tellerrand hinaus. KATATONIA-Fan zu sein war nicht mehr so ein exquisites Attribut unter den Wissenden wie noch zuvor, aber auch der elitärste Fan musste einsehen, dass es sich um das qualitativ hochwertigste Werk bis dahin handelte.

Burn-Out

Weitere drei Jahre sollten verstreichen, bis die Unantastbaren ihr nächstes Werk „Night Is The New Day“ in die (mittlerweile deutlich vom Zeitgeist gezeichneten) Plattenläden brachten. Und wie man unverhohlen zugab, war dieses Werk eine äußerst schwere Geburt. Kommerziell war es, je nach Region, ähnlich erfolgreich wie der Vorgänger. Bedingt durch eine Schreibblockade einer der Hauptsongwriter – Gitarrist Anders Nyström – lastete die Verantwortung überwiegend auf den Schultern von Sänger Jonas Renkse. Dies führte letzlich dazu, dass das Album sehr viel weniger Gitarren-orientiert war und deutlich verkopfter ausfiel. Die meisten Fans nahmen die Platte dennoch wohlwollend auf, doch es wurde zunehmend salonfähig KATATONIA auch mal kritisieren zu dürfen. Die fehlende Frische und das sperrige Songwriting waren zumindest diskussionswürdig. Die Band tat sich in der PR desweiteren keinen Gefallen damit ihr Studio in Interviews ein „Rattenloch“ zu nennen und auf die Mühseligkeit des Entstehungsprozesses zu verweisen.

Besetzungswechsel

Nur wenige Monate nach dem Album entschieden die Ur-Mitglieder und Brüder Fredrik (Gitarre) und Mathias Norrmann (Bass) die Band zu verlassen. Böses Blut gab es dabei keines – familiäre Gründe wurden als hauptsächliche Gründe in den Pressemitteilungen genannt. Dennoch blieb im Gesamtkontext der Nachgeschmack zurück, als verließe man ein sinkendes Schiff.

Live eine Macht

Glücklicherweise hat dies der Band nicht geschadet. Im Gegenteil hatte man mit dem neu hinzugestoßenen Per Eriksson an der zweiten Gitarre endlich mal eine extrovertierte Persönlichkeit auf der Bühne. Im Zusammenspiel mit der zunehmenden Souveränität der Band als Live-Formation führte dies dazu, dass die als Live-Flop verschriene Combo ihren Ruf zunehmend zu widerlegen wusste.

Sackgassen-Könige

Dem 3-Jahres-Rhythmus blieb man auf Release-Seite treu und lieferte 2012 mit „Dead End Kings“ ein ordentliches, deutlich rockigeres Album als zuletzt ab. Höchstwertungen seitens der Presse und die vollkommene Euphorie unter den Fans blieben jedoch aus. Dabei machten die Schweden gar nicht so viel falsch und lieferten die passende Reaktion auf den letzten Release ab, wenngleich man das Rad sicherlich nicht mehr neu erfand. Allerdings reagierte man seitens der Band sehr dünnhäutig auf Kritik, was sich in unnötig persönlichen Kommentaren auf Facebook durch Anders Nyström bemerkbar machte. Es schien, als sei sich die Band ihrer Selbst nicht mehr sicher und suche nach der verlorengegangenen Reputation als schicke Aushängeschilder für anspruchsvolle Edel-Rocker. Der Lack war irgendwie ab und die Verkäufe, trotz steigender Chartpositionen, rückläufig. Dies war natürlich dem sich ändernden Markt geschuldet, dennoch ist dies eine beängstigende Situation für Musiker, die ihr Einkommen aus dem eigenen Schaffen beziehen.

Orientierungslosigkeit und Release-Flut

Das Ende des Lebenszyklus einer Band wird oft von sich häufenden B-Releases eingeläutet. KATATONIA hatten im Zeitraum zwischen 2012 und 2014 derer gleich drei im Gepäck. So schob man eine merkwürdige „Akustik“-Version von „Dead End Kings“ hinterher, die per Crowdfunding finanziert wurde und im Wesentlichen aus Spuren bestand, die in den originalen Sessions bereits vorhanden waren. Wenig Aufwand, viel Marketing. Eine unschöne Geste. Die Wiederveröffentlichung von „Viva Emptiness“ mit neuem Mix und zusätzlicher Gesangsspur auf dem ursprünglichen Instrumental „Inside The City Of Glass“ roch auch nach einem schnellen Euro. Und dass man in diesem Zeitraum unbedingt noch das Live-Album „Last Fair Day Gone Night“ nachschieben musste, wirkt schon fast etwas verzweifelt.

Und wieder rumpelt es im Line-Up

Nicht mehr so freundlich und respektvoll klang der Ton der Pressemeldung an, als man sich Anfang dieses Jahres überraschend von dem ehemaligen Neuzugang an der Gitarre, Per Eriksson, trennte. Es habe „Meinungsverschiedenheiten“ gegeben, teilte man der Öffentlichkeit mit. Auf der folgenden Akustik-Tour gab man sich erstmals in der Bandkarriere mit einem Gastmusiker zufrieden. So übernahm Bruce Soord von Wisdom Of Crowds zeitweise den freien Posten ein. Doch damit nicht genug. Nur wenige Monate später strich der langjährige Drummer Daniel Liljekvist die Segel. Dieser nahm aus selbigen jedoch direkt den Wind, da er klar zu verstehen gab, die Trennung sei aus rein familiären Gründen erfolgt und habe nichts mit etwaigen Streitigkeiten zu tun. Dass KATATONIA jedoch zunehmend ein inkonsistentes Bild abgeben, bleibt unbestrittener Fakt.

Mit Rumpf-Besetzung in die Zukunft?

Sieht man sich das aktuelle Line-Up genauer an, so stellt man fest, dass es im Moment nur noch zwei feste Mitglieder gibt – die beiden Aushängeschilder Jonas Renkse und Anders Nyström. Als halbes Mitglied geht immerhin noch Bassist Niklas Sandin durch, welcher seit 2009 als Tour-Musiker eine Konstante im Gefüge ist. Einen Drummer und einen zweiten Gitarristen hat die Band derzeit nicht. Weder Livedates, noch ein weiteres Album sind angekündigt. Die letzte News auf der Homepage ist datiert auf den 12. August und bewirbt das Live-Album.

Was denkt ihr? Werden sich KATATONIA nochmal berappeln, oder steuert eine der exklusivsten und einflussreichsten Dark Metal Bands der Geschichte auf ihr allmähliches Ende zu?

David Timsit