(Classic) Paradise Lost – Icon

David Timsit

Label: Music For Nations
Spielzeit: 50:26

„A fallen time that’s bygone…“. Der Gothic Metal wurde mit diesem Satz vielleicht nicht erfunden, wohl aber endgültig im Bewusstsein der Metalszene verankert. Waren die Vorgänger noch eher eine Mischung aus britischem Doom/Death und Sisters Of Mercy Elementen, etablierte „Icon“ nun vom Fleck weg alle Trademarks, welche die Band und deren gegründetes Subgenre über nunmehr zwei Jahrzehnte ausmachen sollte: Melancholische Leadgitarren zu harten Riffs, eine angeraute männliche Stimme, sowie vorsichtige Keyboard und Female Vocals Beimischungen.
Produktion und Komposition stellten zum lediglich ein Jahr alten Vorgänger „Shades Of God“ einen Quantensprung dar. Das Songwriting fiel knackiger und eingängiger aus, ohne an Atmosphäre und Intensität einzubüßen. Am bemerkenswertesten stach jedoch die Entwicklung von Sänger Nick Holmes hervor. Während die Vocals auf den ersten drei Alben weitestgehend aus Death Metal Growls bestanden, führte er auf „Icon“ erstmals einen aggressiven cleanen Gesangsstil ein, welcher Parallelen zum frühen James Hetfield aufwies, jedoch weiterhin eine gewisse Nähe hin zu den alten Growls behielt. Eine besondere Mischung, die später nur wieder vereinzelt und in abgewandelter Form auf den Alben „In Requiem“ und „Faith Divides Us – Death Unites Us“ zu hören sein sollte.
„Icon“ wurde im Winter 1993 veröffentlicht. Die Jahreszeit hätte nicht passender gewählt sein können. Verzweifelte Endzeit-Hymnen wie „Colossal Rains“, „Joys Of The Emptiness“ und „Christendom“ stellten den atmosphärischen Rahmen für die Hits und Video-Auskopplungen wie „Embers Fire“ und „True Belief“ dar.
Gepaart mit dem Artwork, welches eine Maria & Jesus Assoziation beim Betrachter weckt, sowie der Vermarktung von Nick Holmes als Look-a-like des biblischen Sandalenträgers, schuf das Werk seine ganz eigene sakrale Stimmung, welche fernab von plumpen antichristlichen Symbolen eine besondere okkulte Aura ausstrahlte.
Besonders hervorzuheben sind hierbei auch die intelligenten Vocals von Holmes, welche Wort- und bildgewaltig auf den Hörer einwirken, ohne dabei Klischees zu bemühen, die vor 20 Jahren schon lame gewesen wären.

„Icon“ ist nicht mehr und nicht weniger als das Referenz-Werk des frühen Gothic Metal. Die zeitlose Produktion ist heute noch gut hörbar und im Gegensatz zu manch anderen Werken dieser Zeit ist das Album eher gut gereift als schlecht gealtert.

10/10

www.paradiselost.co.uk
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