Risen 2: Dark Waters (PC)

Nachdem Piranha Bytes mit einem soliden Reboot der „Gothic“-Trademarks in dem Titel „Risen“ zurück auf der Bildfläche erschien, hat sich das Entwickler-Team diesmal vorgenommen ausgetrampelte Pfade zu verlassen und das im Vorgänger am Rande angeschnittene Piraten-Setting weiter zu vertiefen. Wie gut ihnen das gelang erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Der ersten Neuerung begegnet man schon früh im Spiel. Mit der Begleiterin Patty wird unserem neuen namenlosen Held diesmal eine treue Gefährtin an die Seite gestellt. Diese scheut sich nicht auch direkt mal kräftig mit der Schusswaffe hinzulangen, wenn ihr zu Anfang unbeholfen auf eure Gegner einstochert. Und damit kommen wir direkt zum zweiten neuen Feature: Ihr könnt von Anfang an parallel auch mit einer Pistole auf eure Widersacher losgehen, müsst nach jedem Schuss aber eine lange Wartezeit in Kauf nehmen. Dennoch richtet bereits ein gelandeter Treffer ordentlich Schaden an, so dass ihr den Rest mit dem Säbel erledigen könnt. Dies – und viele andere kleine Neuerungen wie das zurückbeamen an Land wenn man ins Wasser fällt – ist ein Tribut an den schnelleren Konsum der heutigen Tage. Risen 2 ist definitiv ein gutes Stück schneller und einfacher als der Vorgänger.

Retro-Grafik auf Hochglanz poliert

Natürlich haben Piranha Bytes als kleines Entwicklerteam nicht die Möglichkeiten einer Institution wie bspw. Bethesda, die mit „The Elder Scrolls V: Skyrim“ technisch deutlich näher am Nabel der Zeit sind, dennoch bemüht man sich das alte Gerüst effektvoll zum Leben zu erwecken. Die Roots des Spieles lassen sich dennoch nicht verbergen. Sowohl das Design in Menüs und In-Game, als auch der technische Unterbau tragen im positiven wie negativen Sinne die gute alte „Gothic“-Seele in sich. Das Setting mag also von den Ursprüngen abrücken, die grundlegende Optik und das Spielgefühl bleiben dennoch erhalten.

Leider trüben einige technische Makel wie ruckelnde Animationen und flackernde Botanik den insgesamt soliden Eindruck. Auch die In-Game Zwischensequenzen hätten deutlich von einer Inszenierung mittels Render-Videos profitiert, zumal es innerhalb dieser Sequenzen keine Interaktionsmöglichkeit gibt.

Anarchie Light

Im Gegenzug zu dem E3-Trend „Schneller – blutiger – härter“ schlägt Risen 2 eher den jugendfreundlichen Weg ein. Ein besiegter Gegner lässt sich nun nicht mehr meucheln und ausrauben, stattdessen darf man ihm per Mausklick wieder auf die Beine helfen. Sportlich fair aber langweilig. Auch die serientypisch brachiale Sprache wirkt deutlich abgemildert. Es wird immer noch gemurrt, gezetert und gebrüllt, doch da war man von Piranha Bytes schon deftigeres gewohnt. Auch nehmen euch überlegene Gegner nun nicht mehr Waffen und Items ab. Ihr verliert lediglich einige Ruhm-Punkte bei einer Niederlage. Nach wie vor könnt ihr jedoch Gegenstände stehlen. Das NPC-Verhalten variiert hierbei von glaubwürdig bis strunzdumm. Manchmal hören die Bewohner Flöhe husten und manchmal könnte man ihnen die Piratenklappe von der Nase stehlen und sie würden es nicht bemerken.

Die Qual der Wahl – oder letztlich doch egal?

Natürlich gibt es auch bei Risen 2 wieder verschiedene Fraktionen wie Inquisition, Piraten oder Eingeborene. Ihr werdet später eine Entscheidung treffen, doch insgesamt sind die Auswirkungen eher marginaler Natur. Risen 2 ist sehr viel linearer als man es von dem Entwickler-Team gewohnt ist und erinnert in diesem Punkt an das wenig beliebte „Arcania“ – dem offiziell vierten Teil der „Gothic“-Reihe und dem bislang einzigen ohne Beteiligung von Piranha Bytes. Die Story will nicht so recht Fahrt aufnehmen, es fehlt an Dramatik, Gefahr und Epik. Vielfach fühlt man sich zu sehr an der Hand genommen und hat nicht das Gefühl durch eigenes Handeln und Erkunden vorwärte zu kommen. Dies jedoch wäre die eigentliche Königsdisziplin der Reihe. Lineare Inszenierungen können andere besser. Da ist man von modernen Action-Titeln wie Max Payne 3 und Uncharted ein ganz anderes technisches und erzählerisches Kaliber gewohnt. Auch die Nebenquests können nur selten mit frischen Ideen punkten. Die altbekannten Hol- und Bringdienste sind in hoher Anzahl vorhanden und trüben bisweilen die Motivation dem Hauptstrang weiter zu folgen, da dieser zu häufig von derlei Nebensächlichkeiten gestört wird.

Voodoo Magic

Eine nette und etwas andere Idee der Magie-Implementierung ist das Voodoo-Feature. Damit bewegt man sich etwas weg von der brachialen Angriffsmagie hin zu kreativen Möglichkeiten wie den Gegner mittels des Zaubers zu verängstigen oder Gegner aufeinanderzuhetzen. Leider sind die Ideen oft nicht zu Ende gedacht und es hätte derer mehr geben können. So verliert der verängstigte Gegner bspw. sofort seine Angst, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt.

Fazit:
Piranha Bytes haben hier einen Titel abgeliefert, der weder Fisch noch Fleisch ist und somit zu viele Kompromisse in sich trägt. Moderne Elemente wie das erhöhte Tempo und die gestiegene Linearität treffen auf ein veraltetes technisches und inhaltliches Grundgerüst. Die Individualität im Setting ist mutig und einige Ideen sind so charmant wie man die symphatische Crew aus Essen nun mal kennt. Dennoch fühlt sich der Titel unterm Strich wie eine Reise in eine Zeit an, als Computer noch mit einem einzelnen Prozessor auskamen und Half Life 2 die Referenz schlechthin auf dem Markt war. Für Fans durchaus zu gebrauchen, Neueinsteiger werden eventuell nicht so warm mit dem Titel werden. Ein etwaiger Nachfolger sollte einen deutlichen Technologiesprung nach vorne machen um in Zeiten von aufkommenden Sensationen wie „Watch Dogs“ vollends zu begeistern.

7/10

David Timsit

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