Euphoreon – Wenn Einzelgänger gemeinsame Sachen machen

Vor dem Internet gab es mal sogenannte Brieffreundschaften. Auf Distanz gepflegte Kontakte zwischen Seelenverwandten, welche räumlich getrennt, aber im Geiste verbrüdert waren. Die technischen Errungenschaften bringen dieses Prinzip im Fall von EUPHPOREON auf eine neue Ebene. Da treffen sich ein Deutscher und ein Neuseeländer auf virtuellem Boden und einigen sich akustisch auf Skandinavien. Heraus kommt feinster Epic Metal der nordischen Art. Wie es genau zu dieser fruchtbaren Zusammenarbeit kam erläutert uns der deutsche Part des Duos – Eugen Dodenhoeft.

Eugen, dich und deinen Kollegen Matt Sumerville trennt die halbe Erdkugel voneinander. Wie kommen ein Deutscher und ein Neuseeländer auf die Idee gemeinsam ein Album aufzunehmen und wie habt ihr es angestellt?

Hi David, erst mal danke für die Möglichkeit, dieses Interview mit dir führen zu dürfen. Dass es überhaupt zu der Zusammenarbeit zwischen Matt und mir kam, war eine Verkettung von einigen glücklichen Zufällen. Ende November 2009 habe ich eine EP meines Soloprojektes Far Beyond heraus gebracht. Das Album machte – Internet sei Dank – die Runde und so bekam es Matt irgendwie in die Finger. Er bestellte gleich zwei Exemplare bei mir und es ergab sich ein reger Mailverkehr, bei dem es auch um die Qualität der Produktion an sich ging. Dabei kam auch heraus, dass Matt selbst Musik macht, aber tontechnisch noch nicht sonderlich weit war. Ich hörte in sein Material rein, war total begeistert und das legte den Grundstein für eine Zusammenarbeit. Anfangs war nur geplant, dass ich die Produktion für die Scheibe übernehme, aber da die Songs noch nicht zu 100% fertig komponiert waren, konnte ich mich hier und da selbst noch kreativ einbringen. Das ganze lief rein übers Internet ab, über das wir regelmäßig unsere Ideen austauschten. Der ganze Prozess hat dann in etwa ein Jahr gedauert. Ich war anfangs tontechnisch leicht mit dem komplexen, schnellen und vielschichtigen Material überfordert und musste doch einiges ausprobieren, bis ich ein Level erreicht habe, mit dem ich zufrieden war.
Übrigens: Matt und ich haben uns bis heute noch nie gesehen, was sich diesen Herbst aber endlich ändern wird. Er kommt für ein paar Tage nach Deutschland, um sich einige Wintersun Konzerte anzusehen.

Du hast mit Far Beyond ein musikalisch nicht unähnliches Projekt am Start. Wie setzt man da die Prioritäten. Gibt es klare Trademarks an denen du festmachst welche Songidee du welchem Projekt zuordnest?

Der Kontakt mit Matt entstand damals genau zur richtigen Zeit. Ich habe nach der Far Beyond EP einen Tapetenwechsel gebraucht und da war Euphoreon genau das richtige. Ich habe in dem Jahr kreativ nur für Euphoreon gearbeitet und Far Beyond ruhen lassen. Alle Ideen, die zu Euphoreon gepasst haben, habe ich dort auch eingebaut. Dazu muss ich aber sagen, dass der größte Teil von Matt stammt und ich kompositorisch hauptsächlich an Intros/Outros und den ruhigen Parts beteiligt war.

Als Muttersprachler ist Matt bei Euphoreon für die Lyrics zuständig. Hast du daraus für dich als Texter neue Erfahrungen gezogen?

Leider nicht. Texte habe ich bisher etwas stiefmütterlich behandelt; deren Bedeutung für die Musik ist mir erst in letzter Zeit so richtig bewusst geworden. Vielleicht nutze ich die Gelegenheit und befasse mich auch lyrisch nochmals mit Euphoreon.

Die Audioqualität ist für eine Eigenproduktion erstaunlich. Die Scheibe wurde komplett von dir produziert. Wieso sieht man deinen Namen bei diesem Talent nicht häufiger in den Credits hiesiger Releases?


Das darfst du nicht mich fragen *lach* Ich bin immer für Produktionen zu haben, mit denen ich auch musikalisch was anfangen kann. Gerne auch unter instrumentaler Mithilfe wie es auch aktuell bei der englischen Band Ecthirion der Fall ist. Vielleicht mache ich einfach zu wenig Eigenwerbung, aber das war noch nie meine Stärke. Falls es interessierte Bands da draußen gibt, können sie mich jedenfalls gerne anschreiben. Voraussetzung ist nur, dass mir die Musik taugt.

Ich weiß von dir, dass du ungerne live spielst. Bei Euphoreon dürfte das ohnehin schwierig zu realisieren sein, aber woher kommt diese grundsätzliche Unlust Gigs zu spielen?

Ich bin insgesamt ein ziemlicher Einzelgänger. Das war schon in meiner Kindheit so und hat sich bis jetzt nicht geändert. Ich fühle mich alleine meist wohler als unter Menschen und habe auch generell kein Bedürfnis die Bühne zu betreten. Sicher: hin und wieder frage ich mich, ob es den kreativen Schaffensprozess nicht auf ein neues Level heben würde, wenn ich die Emotionen der Fans direkt spüren könnte, aber leider erzeugt dieser Gedanke nicht genug Motivation, um mich intensiver mit dem Thema „live“ zu beschäftigen. Ganz ausschließen möchte ich es nicht, aber aktuell sieht es nicht danach aus, dass ich in nächster Zeit mal die Bühne betreten werde.

Du scheinst das Internet intelligent zu nutzen und ein Projekt wie eures wäre ohne sicherlich schwer vorstellbar. Haben dich die Entwicklungen der digitalen Kultur unterm Strich eher beflügelt oder gebremst?

Definitiv beflügelt. Vieles von dem, was ich momentan mache oder gemacht habe, wäre ohne das Internet nicht möglich gewesen. Bei meiner Arbeit für Far Beyond habe ich mich intensiv übers Internet mit Freunden ausgetauscht und auch meine tontechnischen Fähigkeiten wären nicht so ausgeprägt, wie sie jetzt sind, wenn es das Internet nicht gäbe. Ganz zu schweigen davon, dass ich Matt niemals kennen gelernt hätte.

Ist das Projekt eine einmalige Geschichte oder plant ihr weiterzumachen?

Das wird definitiv nicht das letzte Album von Euphoreon gewesen sein. Ich persönlich arbeite allerdings aktuell an der nächsten Far Beyond Scheibe. Danach ist auch von meiner Seite aus wieder Zeit für Euphoreon.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast dich als erster Interview-Partner für gothic-metal.com zur Verfügung zu stellen und viel Erfolg weiterhin mit deinen beiden musikalischen Projekten.

Sehr gerne, und viel Erfolg auch dir mit Gothic-Metal.com!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s