Max Payne 3 (PS3)

Wenn man an Max Payne denkt, drängen sich düstere Bilder von fliegenden Projektilen in Zeitlupe zu melancholischen Cello-Klängen auf. Der wehende schwarze Mantel des Ex-Cops in dunklen Gassen hat sich so sehr manifestiert, dass die Ankündigung eines Brasilien-Settings vielen Fans der Serie im Vorfeld bitter aufstieß. Erfahrt jetzt ob sich Rockstar Games in der Sommersonne Südamerikas die Finger verbrannt, oder ein extra heißes Eisen geschmiedet haben.

Entwarnung für alle Nörgler zu Beginn: Schon eingangs erfährt man schnell, dass Max Gemüt sich nicht von ein paar Sonnenstrahlen und Cocktails erhellen lässt. Wobei er letzterem nicht abgeneigt ist – so wie jeder Form von Alkohol. Max Payne ist ein gebrochener Mann. Er hat Blackouts, melancholische Verstimmung und ist abhängig von Schmerzmitteln und Whiskey. Sein neuer Job als Leibwächter einer brasilianischen Familie versprach leicht verdientes Geld und entpuppte sich schnell als die reinste Hölle.

Verschleierte Geschichte

Die Story wird aus der Sicht von Max erzählt. In Vergangenheitsform berichtet Max von seinen Gedanken und bildet somit das wichtigste Element im konfusen Handlungsstrang. Es ist schwer dem Verlauf zu folgen, da als Stilmittel gerne Störeffekte eingesetzt werden, welche die Bewusstseinseintrübungen und die Wahrnehmung des Protagonisten verbildlichen sollen. Dazu sprechen die Gegner häufig Portugiesisch ohne Übersetzung im Untertitel. Letzterer ist dazu auch auf 40″ Bildschirmen sehr klein und schwer zu lesen. Durch die vielen offenen Fragen und die zahlreichen Wendungen verliert das Spiel im Laufe des Handlungsstrangs zunehmend an Nachvollziehbarkeit. Dies jedoch wird durch die hervorragende situative Atmosphäre der Sequenzen zum Teil kompensiert.

Nonstop-Action

Im Gameplay finden sich Kenner schneller zurecht, als im Setting. Neu ist ein modernes Deckungssystem. Ansonsten fliegt Max wie gewohnt in Bullet-Time durch Gegnerscharen und knipst ihnen artistisch und mannigfaltig die Lichter aus. Munition ist gefühlt immer knapp. Häufig gerät man in Situationen, in denen man einen Gegner auf sich zustürmen lassen muss um ihm im Nahkampf niederzustrecken und die Waffe zu entreißen. Im späteren Verlauf des Spiels werden die Gegner immer schwieriger. So haben sie häufig kugelsichere Westen an, so dass sie wesentlich mehr oder bessere Treffer benötigen um das Zeitliche zu segnen. Verschiedene Waffentypen wie Scharfschützen-Gewehre und mit Laser-Pointer ausgestattete MGs halten uns auf Trab. Nicht immer kommt man mit der Brachial-Strategie ans Ziel. Trotz dem faktischen Dauergeballer bleibt das Spieldesign abwechslungsreich. Der Verlauf der Story, die verschiedenen Settings, die zahlreichen gescripteten Events und die Atmosphäre wie Glaubwürdigkeit der Welt ziehen den Spieler durchgehend in den Bann, so dass zu keiner Sekunde Langeweile einstellt und sich ständig der Wunsch einstellt nur noch eine letzte Szene zu spielen. Der Schwierigkeitsgrad ist ausgewogen, nie unfair und die Rücksetzpunkte sind fair und zahlreich angelegt. Hier und da beisst man sich manchmal etwas fest, aber grundsätzlich bleibt nie allzu lange an einer Szene hängen. Das Spiel unterstützt einen dazu, falls man partout nicht weiterkommt, mit einer Erhöhung des Painkiller-Vorrates. Diese Pillen nutzt Max Payne um seine Gesundheit zu regenerieren. Zudem kann er bei einem potentiell tödlichen Treffer eine Pille einsetzen und hat dann noch die Chance den Todesschützen selbst in Zeitlupe niederzustrecken und sich anschließend zu regenerieren.

Abwechslungsreiche Multiplayer-Schlachten

Wer bereits Red Dead Redemption online gespielt hat, wird sich vermuitlich leicht bei Max Payne 3 zurechtfinden. In verschiedenen Einzel- und Banden-Modi wie Gang-Wars oder Deathmatch gilt es unterschiedliche Ziele und Aufgaben zu meistern. Dabei könnt ihr bei steigendem Fortschritt zunehmend Personalisierungsoptionen freischalten. Die Online-Partien laufen, wie bei Rockstar Games gewohnt, flüssig und fehlerfrei ab.

Fazit

Die Übertragung des Film Noir Setting durch den Hauptcharakter in ein südamerikanisches Kontrastprogramm kann bzgl. der vermittelten Atmosphäre als voller Erfolg betrachtet werden. Wäre der Handlungsstrang leichter nachzuvollziehen und gäbe es neben den bombastisch inszenierten gescripteten Events mehr Handlungsfreiheit, wäre das Spiel erzählerisch perfekt. Das Gameplay selbst ist ein großer Fortschritt im Vergleich zu den Vorgängern. Durch die hervorragende Physik, dem neuen Deckungssystem, den ausgewogenen Schwierigkeitsgrad und dem Serien-typischen Bullet Time Feature macht die (übrigens äußerst brutale) Action einen Heidenspaß. Sowohl offline als online. Entdeckungsfreudige Naturen checken das Spiel erst mal an, Action-Freunde greifen ungesehen zu.

9/10

David Timsit

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