Guerilla Tree – Tatendrang & Gedankensprünge

Wie aus dem Nichts tauchte in der jüngsten Vergangenheit plötzlich eine deutsche Combo in der Musik-Landschaft auf, die mit ihrer Eigenproduktion „Mental Leaps“ vom Fleck weg ein Album von internationalem Format vorlegt. Mit Technik, Charisma und Gefühl zelebriert die fünfköpfige Hamburg/NRW Connection GUERILLA TREE allerfeinsten Dark Rock in deutlich progressivem Gewand und hat das Potential mit dieser Mischung ein breites Publikum von klassischen Prog-Rockern über Gothic Metal Fans bis Post-Rock Anhänger zu begeistern. Bei so viel gebündeltem Talent wollten wir mal genauer nachhaken wer diese Leute eigentlich sind, wo sie herkommen und wo die Reise hingeht. Frontman René stand mir Rede und Antwort.

Hallo René, es ist als neue Band nicht leicht einem Rezensenten direkt überschwängliche Lobeshymnen abzuringen. Euer Debüt „Mental Leaps“ hat mich jedoch von der ersten Sekunde an gefesselt und ich habe den Eindruck, dass ihr alle nicht erst seit gestern Musik macht. Stell die Band und den Background der einzelnen Musiker doch bitte kurz mal für uns vor.

Erst einmal danke für die Blumen und fetten Dank für deine Worte! Ja, jeder von uns hat schon eine gewisse Musikerfahrung in das Projekt GUERILLA TREE mitgebracht. Da wäre unser Gitarrist Sascha, der einige Jahre, hauptsächlich in progressiven Bands wie beispielsweise JOIS, aktiv war. Aktuell zockt er auch noch bei einer reinen Heavy Metal-Band namens B.A.M.M.. Unser Bassist Robin kommt frisch von den Progrockern SKY’S SHADOW aus Leverkusen und auch unser Drummer Robert, der kleine bärtige Mann aus dem hohen Norden, hat schon einige Jahre in verschiedene Bands Erfahrung sammeln dürfen. Unser Keyboarder Chris ist ebenfalls ehemaliger Musiker von JOIS und AGE OF REBELLION. Und ich habe vor Jahren mal bei einer recht unbekannten Punk Rock-Band gespielt.

Die Produktion habt ihr selbst übernommen. Der organische, musikalische Sound weiß sehr gut zu gefallen. Die Gefahr bei Eigenproduktionen ist, neben der Selbstüberschätzung mancher Musiker hinsichtlich ihrer tontechnischen Fähigkeiten, auch das verfallen in eine Endlosschleife – habt ihr euch selbst eine Deadline gesetzt? Wann habt ihr das Album als fertig wahrgenommen?

Genau das ist der Punkt und so war es auch. Wir sind nie richtig in die Pötte gekommen und es kam immer wieder was dazu. Wenn man sich keine Deadline setzt, kann man ein zielgerichtetes Vorankommen vergessen. Schlussendlich haben wir uns für ein Datum entschieden, das wir aber wegen den Arbeiten am Musikvideo zu „Indocyanine Green“ wieder über Bord werfen mussten. Die Zeit war so schon recht knapp und mitten im Sommer zu releasen war eigentlich nicht mein Plan. In dieser Zeit fangen die Festivals an und wir haben bedingt durch den späten Release die Bewerbungsfristen leider verpasst. Wichtiger war uns ein gutes Ergebnis und damit sind wir mehr als zufrieden.

Da ihr scheinbar eine Menge Drive und Potential habt die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – habt ihr vor weiter auf der DIY-Basis aufzubauen und innovative Vertriebswege zu beschreiten, oder schwebt euch für die Zukunft der klassische Weg über Label und physikalischem Vertrieb vor?

Wir sind bis jetzt ganz gut klar gekommen. Unabhängig von der Kohle die wir schon ausgegeben haben – allein die ganzen Reviewanfragen an die Magazine, Bewerbungen für Festivals an die einzelnen Veranstalter oder erst einmal die Grundbasis zu schaffen, wie z.B. Informationsbeschaffung im Internet oder Informationspflege ist eine sehr, sehr zeitaufwendige Sache, wo ich öfter die Nase rümpfe und alles am liebsten an ein Management weitergeben würde. Aber was solls, jeder Anfang ist schwer und da müssen wir durch! Unabhängig davon fehlt uns ja auch noch das wichtige Vitamin B. Und ohne das kommst du nicht weit. Als Newcomer ziehst du meist den kürzeren und musst selbst investieren. Und bezüglich Label und Plattenverträge, da haben wir selbstverständlich ein offenes Ohr für. Welche Newcomerband nicht!?

Welchen Stellenwert haben Lyrics in eurer Musik? Reine Phonetik oder gleichwertige Ausdrucksform neben der Komposition? Welche Themen greift ihr auf?

Wie der Albumname „Mental Leaps“, also Gedankensprünge, schon sagt, haben wir uns nicht auf ein Thema, bzw. ein Konzept konzentriert. Wir wollten unserer Kreativität und unseren Gedanken freien Lauf lassen und waren von Anfang an gegen ein Konzeptalbum. Unsere Songs handeln von Themen aus der Phantasie bis hin zu eigenen Erfahrungen die man im Leben macht. Wir greifen aber auch religionskritische Themen auf, womit ich mich zum Beispiel identifiziere. Meine Vorgehensweise Texte zu schreiben und diese dann in die Komposition mit einzubinden, folgt schon mehr der Phonetik. Und dabei muss man drei Dinge auf einen Nenner bringen: Die Sprache, die Reime und auch inhaltlich muss es passen. Es ist gar nicht so einfach, dann auch anspruchsvolle Texte zu verfassen. Jetzt aber mal was allgemeines zum Thema Lyrik und Texte: Texte spielen für mich nur eine untergeordnete Rolle. Es gibt Bands die ihre Songs mit einer klaren Message an die Hörer versehen. Anders gibt es aber auch in erster Linie aufs instrumentale fixierte Bands, die ihre Musik und ihre Message in Melodien ausdrücken wollen und da wird es, wie ich finde, interessanter.
Es ist ja fast wie mit einem Buch. Es gibt Bücher wo der Autor nicht jede Kleinigkeit niederschreibt, da kann der Leser seine Phantasie voll entfalten und sich selbst ein Bild von der aktuellen Situation machen und genau das ist doch das Schöne an einem Buch! Selber Bilder im Kopf zu zeichnen, sich eine eigene Athomsphäre zu schaffen, wenn man Melodien lauscht, ist eine der schönsten Dinge, die Musik mit sich bringen kann.

Seid ihr eine jammende Band, oder schreibt ihr die Songs für euch alleine und tauscht anschließend Ideen aus?

Guerilla Tree bestand ganz am Anfang nur aus mir und Sascha. Ich habe größtenteils die Songs komponiert, bzw. die Vorlage gestellt, diese anschließend mit Sascha verfeinert mit Gitarren-Solis und Extrariffs. Danach fanden auch die recht extravaganten Keyboard-Parts von Chris den Weg in die Songs, die unsere Musik wirklich enorm bereichert haben. Wir kommen mit dieser Methode sehr gut zurecht. Das wird auch weiterhin so praktiziert.

Ihr habt kürzlich euer Live-Debüt auf den Bismarcker Rocktagen absolviert. Wie ist es gelaufen? Was ist sonst noch live bei euch geplant?

Es war riesig endlich wieder auf der Bühne zu stehen. Das Publikum war super und das Wetter spielte mit. Zum Glück gab es ein paar Leute die das auf Video festgehalten haben und wer mich kennt weiß, dass ich anschließend akribisch nachschaue und drei mal hinhöre. Doch, es war sehr gut und wenn dann noch positive Reaktionen kommen, können wir mehr als zufrieden sein.
Wir werden für unsere Freunde hier im Umkreis ein kleinen Gig spielen, dann stehen da noch ein paar Möglichkeiten offen, wo wir noch auf Antwort warten, und ein Konzert hier in der Umgebung planen wir komplett selbst. Nächstes Jahr kommen die Festivals und wenn die uns wollen, werden wir zur Höchstform auflaufen. Als Newcomer hat man es schon nicht einfach, aber wir bleiben am Ball, wir versuchen alles, denn wir sind mehr als heiß auf die Bühne!

Ich bedanke mich fürs Interview, wünsche euch viel Erfolg mit „Mental Leaps“ und freue mich darauf mehr von euch zu hören.

Vielen Dank auch an dich, David! Das zweite Album ist in der Mache und ein paar Konzepte haben wir im Hinterkopf. Das wird ein richtig schönes rundes Ding!

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