Snovonne – Zwischen den Welten zuhause

Wenn man sich heutzutage in der Musiklandschaft umsieht, mag man bisweilen den Eindruck bekommen, dass der ehemals so gefährliche Rock ‚N Roll mittlerweile ein nüchternes Selbstvermarktungsgeschäft ohne große Überraschungen oder Skandale geworden ist. Nicht so SNOVONNE. Diese Frau ist zweifellos gefährlich. Um Besonderheit muss sie nicht bemüht sein – Snovonne ist Musikerin mit Leib und Seele und ihr Charisma haftet an ihr wie eine zweite Haut. Und vor allem ist sie eine sich selbst verwirklichende Künstlerin. Ein Alleinstellungsmerkmal in einem Genre, welches Frauen meist nur als blass-buntes Vorzeige-Accessoire inszeniert. Mit einer Attitüde zwischen Dresden Dolls und Marylin Manson ausgestattet präsentiert sie dem Hörer mit „The Nightmare Bride“ ihre persönliche Vision von düsterem Rock. Für gothic-metal.com ließ die Dame den Schleier ihrer unnahbaren Aura fallen und plauderte mit mir über die Hintergründe ihres Schaffens.

Hi Sno, in deiner Biographie gibst du an zwischen vier Ländern zu pendeln: England, Deutschland, USA und Slowakei – bist du eine heimatlose Nomadin oder mittlerweile einfach überall zuhause?

Ein wenig von beidem denke ich. Manchmal fühle ich mich etwas heimatlos, auf der anderen Seite habe ich mir das nun mal so ausgesucht. Ich reise gerne und bin froh, dass mich keine besonderen Zwänge an einen bestimmten Ort binden. Im Moment lebe ich in den USA und fühle mich dort auch daheim. Die Slowakei ist das Land in dem ich aufgewachsen bin und es ist insofern meine Heimat, als dass dort meine Familie und Freunde leben. Meine Musik- Karriere dort auszuleben käme für mich nicht in Frage, auch wenn ich es liebe in dem Land aufzutreten.

Deine Musik ist eine bizarre wie eingängige Mischung aus Singer- / Songwriter Strukturen und modernem Rock mit Metal und Industrial Elementen. Wo siehst du deine Einflüsse, angefangen von den ganz frühen bis zu den heutigen?

Ich habe schon immer alles gehört, was mir in die Hände fiel. Ich liebe gute, ehrliche Musik. Ich bin mit Classic Rock, Pop, sowie R&B aufgewachsen. Im Alter von 11-12 kam ich mit Metal in Berührung. Ich war immer ein großer Marylin Manson Fan, zumindest bis auf die letzten beiden Alben. Sorry Mr. Manson (lacht). Ich liebe Bands wie Nine Inch Nails, Slipknot, Kingdom Of Sorrow, Sick Of It All und Gojira. Seit neuestem bin ich auch ein großer Fan von Raunchy. Meine weiblichen Lieblings-Sänger sind Künstlerinnen wie Mary J. Blige, Aretha Franklin oder Joss Stone. Ich fühle mich nicht allzu sehr inspiriert von diesen straighten und cleanen Vocals, wie sie bei Sängerinnen im Metal-Bereich üblich sind. Ich mag es mehr groovy. Kompositorisch fühle ich mich jedoch im härteren Bereich zuhause. Ich versuche aber immer Elemente aus verschiedenen Genres beizumischen. Hauptsächlich von Soul und Jazz.

Wer oder was ist Snovonne eigentlich? Eine Kunstfigur? Ein authentisches Abbild deiner Person?

Es ist ein Künstlername, den ich mir bereits als Kind ausdachte. Zunächst nannte ich mich „Snowhite“, aber das war mir dann zu klischeehaft. Ich blieb also bei „Sno“ – wie mich die meisten bis heute nennen – und ergänzte es mit „vonne“. Ich bin keine andere Person, wenn ich Musik mache. Ich schreibe Songs seit meiner Jugend. Es ist meine Art und Weise Dinge zu verarbeiten und Zeit zu verbringen. Irgendwann begannen verschiedene Leute zu mögen was ich tue, ich begann Shows zu spielen und nun stehe ich hier. Eine ziemlich authentische Geschichte also.

Trotz der verspielten Elemente und der verschiedenen Stimmung auf „The Nightmare Bride“ wirkt das Album auf eine stimulierende Art und Weise verstörend und düster auf mich. Das liegt vor allem an den einnehmenden Texten und dem Kontrast, den sie teilweise zur Musik darstellen. Wie schreibst du Musik? Komponierst du um Texte herum, oder sind die Melodien zuerst da?

Kommt darauf an. Normalerweise denke ich an bestimmte Worte, die mich automatisch zu einer gewissen Rhythmik und Melodieführung bringen. Das ist dann mein Ausgangspunkt. Es kommt jedoch auch vor, dass mal zuerst eine Melodie oder ein kompletter Text vorhanden sind.

Auf „It Will“ hast du mit Björn „Speed“ Strid (Soilwork) einen prominenten Gast auf der Scheibe, dessen Stimme sich interessant in deinen Stil einfügt. Wie kam es zu diesem Feature?

Ich war auf der Suche nach einem männlichen Gastsänger, der für diesen Song mein anderes Ich darstellt. Es sollte jemand sein, der sowohl aggressiv als auch sanft singen kann. Björn war einer der ersten, der mir in diesem Zusammenhang in den Sinn kam. Mein Co-Produzent, Eric Koondel, stellte Björn meine Arbeit vor, er mochte es und willigte ein den Part zu übernehmen. Ich bin sehr glücklich darüber, da ich wirklich denke, dass er den Song perfekt ergänzt.

Vielen Dank für das Interview, Sno. Bitte ergänze zum Abschluss folgende Zitate:

„Wer nicht in die Welt passt ist nahe daran sich selbst zu finden“ (Herrmann Hesse, Demian)

Ja, das ist wahr. Wer angepasst ist, macht es sich meist zu bequem in seiner Welt und tendiert dazu mit dem Finger auf andere zu zeigen.

„Moralische Entrüstung besteht in den meisten Fällen zu 2 Prozent aus Moral, 48 Prozent aus Hemmung und 50 Prozent Neid.“ (Friedrich Nitzsche)

Ja, oftmals. Ich denke letztlich kommt es darauf an, dass man sich mit sich selbst auseinandersetzt und auf sich klarkommt. Und Neid hat sowieso noch nie jemandem geholfen.

„Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen.“ (Sigmund Freud)

Manchmal denke ich beides ist das gleiche und von daher gleich wichtig.

David Timsit

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