The Gathering – Disclosure

David Timsit

Label: Psychonaut Records
Spielzeit: 52:09

THE GATHERING gehörten einst zu den unfreiwilligen Vorreitern dessen, was heutzutage allgemein den Stempel „Female Fronted“ erhält. Während mit dieser Bezeichnung im Laufe der Zeit ein immer enger abgesteckter Stil einherging, haben die Niederländer seit ihren besten Tagen die Freiheit zu tun und lassen was immer ihnen beliebt. So durchschritt die Band gleich mehrere Metamorphosen bis zu dem Sound, der mit dem neuen Album „Disclosure“ aus den Boxen tönt.
Es handelt sich um das zweite Werk mit Silje Wergeland am Mikrofon. Im Gegensatz zu ihrer populären Vorgängerin Anneke Van Giesbergen, hat Silje ihre Stärken in den ruhigen und intimen Momenten. Dementsprechend weit hat sich die Musik von The Gathering mittlerweile von ihren Wurzeln entfernt. Songs wie „Meltdown“ oder „Gemini I“ sind schon nahe am Easy Listening Pop, während man Rock-Elemente eher nuanciert einsetzt. Selten erhebt sich das Material dynamisch zu kontrastreichen Spitzen, wie bspw. in „Missing Seasons“. Das führt ab etwa der zweiten Albumhälfte zu ersten Ermüdungserscheinungen beim Hörer. Aufgeweckt wird man erst wieder beim vorletzen Song „Paralyzed“, welcher sich zum Ende hin zu einer sich immer weiter hochschaukelnden Post-Rock Nummer steigert. Mit „Gemini II“ verfällt die Scheibe anschließend wieder in ihren vorangegangenen Trott.
„Disclosure“ ist ein Album das sich als passive Untermalung für ruhige Momente des Lebens anbietet. Ein bewusstes Zuhören gestaltet sich mangels Abwechslung und Kontraste schwierig. Es fehlen die Höhen und Tiefen, welche ein melancholisches Werk zu einem großen macht. Silje Wergeland vermag mit ihrer luftigen Weiblichkeit einen Hauch von Romantik zu versprühen, aber emotional bleibt die Musik weitestgehend an der Oberfläche. Wer sich gerne mit atmosphärischen Klängen aus der alternativen Ecke berieseln lässt, mag in „Disclosure“ ein annehmbares Album sehen. Die Bitterkeit von Portishead, die epische Weite von Sigur Rós, oder die emotionale Schwere von Antimatter sollte man hier aber nicht erwarten.

6,5/10

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