Daylight Dies – A Frail Becoming

David Timsit

Label: Candlelight Records
Spielzeit: 48:45

Seit Jahren befinden sich die US-Amerikaner DAYLIGHT DIES im Windschatten von Opeth und Katatonia, folgen deren Spuren gar nach Schweden zu Klangmeister Jens Bogren und lauern auf die Gelegenheit ihr Überholmanöver zu starten. Und die Zeichen standen nie besser. Während es sich die einen durch einen radikalen Stilbruch mit dem metallischen Teil ihres Publikums verscherzen, sehen sich die anderen dezenter Kritik hinsichtlich einer gewissen Festgefahrenheit ausgesetzt. Natürlich bedarf es da eines entsprechend heißen Eisens um die so entstandene Lücke zu füllen. Und eines wird direkt klar – bei aller Verspieltheit und Liebe zur Melancholie, haben DAYLIGHT DIES immer noch Bock auf Metal. Auf Riffs, auf Growls, auf Disharmonie, Ecken und Kanten. Da weht noch der raue Wind der 90er, als Gothic- & Doom Metal als der vertonte Inbegriff von Wut und Verzweiflung galten. Nicht nur moderne und bezaubernde Handwerkskunst, sondern auch Lebensgefühl und Katharsis. Auf der Strecke bleiben hierbei natürlich die Hits. Da wird kein cheesy Refrain erzwungen, nur damit er da ist. Einprägsame Melodien sind stattdessen das Ergebnis emotionaler Dringlichkeit und der Erhabenheit des Moments. Einer talentierten und authentischen Band zuzuhören, die sich am Zenit ihrer Schaffenskraft befindet ist immer etwas besonderes. „A Frail Becoming“ ist ein Dokument eines solchen Zustandes. Nur selten droht das komplex erbaute Kartenhaus zu wanken. Wie z.B. bei „A Final Vestige“, wenn der cleane Gesang einsetzt. Es klingt nicht schief oder unangebracht, aber das geschulte Ohr hört es da ein wenig wackeln. Doch diese Momente sind rar gesät und werden meist von einem besonders heftigen Schub im Breitwandformat abgelöst.
„A Frail Becoming“ hievt die Band, zumindest künstlerisch, an die Spitze des Dark Progressive Metal Genres. Inwieweit eine breite Hörerschaft davon Notiz nimmt ist eine andere Frage. DAYLIGHT DIES sind jedenfalls ein ganz besonderes Juwel der Szene und das neue Werk ihr bislang bestes Album. Meine Empfehlung des Monats an euch.

9/10

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