Wintersun – Time I

David Timsit

Label: Nuclear Blast
Spielzeit: 40:07

Meine Damen und Herren, willkommen zur Vorstellung der Chinese Democracy des Suomi Metal. Mit nur sechs Jahren Verspätung unterbietet es die Gunners-Scheibe zwar um ein paar Jährchen, dafür hat es den asiatischen Bezug nicht nur im Titel. Denn das vierminütige Intro „When Time Fades Away“ empfängt den erstaunten Hörer direkt mit Klängen, die man hierzulande am ehesten aus Martial Arts Movies kennt. Die Kombination mit nordischer Folklore wirkt dabei ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Da fühlt man sich doch etwas an World Music für Yoga praktizierende Hausfrauen erinnert. Zum Glück wird es mit dem ersten regulären Track namens „Sons Of Winter And Stars“ weniger esoterisch. Im Verbund mit Drumgedonner und Bratgitarren macht die ausladende, ummantelnde Score-Musik eine viel bessere Figur. Die Arrangements sind, wie erwartet, ausgezeichnet und bei aller Komplexität immer nachvollziehbar. Die Produktion ist transparent, aber natürlich hinsichtlich der Metal-Anteile ausgedünnt um Platz für die vielen unterschiedlichen Elemente zu schaffen. Darunter leidet die grundsätzlich vorhandene Heaviness. Dies jedoch macht der Bombast wieder wett. Durch die Growls, die durchaus gelungenen cleanen Lead Vocals und die zahlreichen Chöre bleibt das Material durchgehend interessant und droht nicht in besagtem Bombast zu ersticken.
Kommen wir aber nochmal zurück zu den Gemeinsamkeiten zwischen Jari Mäenpää, seines Zeichens Hauptverantwortlicher hinter WINTERSUN, und Axl Rose. Nicht nur sind die beiden, zunächst konträr anmutenden, Persönlichkeiten solche Perfektionisten, dass sie jede Plattenfirma mit ihrer Akribie und Eigenbrödlerei den letzten Nerv kosten, auch die Release-Philosophie kommt einem bekannt vor: Statt als Doppelalbum erscheinen „Time 1“ und „Time 2“ seperat. Letzteres mit einer Distanz von etwa einem Jahr. Scheinbar befürchtet man bei Nuclear Blast, dass man auf weiteres Material wieder sechs Jahre warten muss. Der unangenehme Nebeneffekt hierbei ist die kurze Spielzeit von gut 40 Minuten. Aufgrund der Länge der Tracks erhält man somit nur drei vollwertige Songs, dazu ein ausladendes Intro und ein Interlude. Das ist dann doch ein wenig mager, bei einer Scheibe die inhaltlich derart episch anmutet.
Bei aller Kritik: „Time 1“ ist ein verträumtes und technisch komplexes, inhaltlich aber naives und klischeebehaftetes Album, dessen Inspiration scheinbar dem obsessiven Genuß von epischen History- & Fantasy-Filmen entstammt. Ein wenig mehr wahrhaftige Substanz im Charakter der Musik und dem inhaltlichen Gehalt der Lyrics würde dem Werk gut tun. Handwerklich dennoch eine respektable Leistung – detailverliebt, ambitioniert und stimmig arrangiert.

7,5/10

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