My Dying Bride – A Map Of All Our Failures

David Timsit

Label: Peaceville
Spielzeit: 63:45

Die Gothic/Doom-Pioniere sind wieder da und kehren diesmal zurück zu ihren Wurzeln. „A Map Of All Our Failures“ könnte hinsichtlich Klangästhetik und der Komposition das nie veröffentlichte Nachfolgealbum zu „The Angel And The Dark River“ sein. Bereits beim Opener „Kneel Till Doomsday“ fällt der offene und rohe Sound auf. Ähnlich wie ihre Landsmänner von Paradise Lost haben sich MY DYING BRIDE hiermit endgültig vom Zeitgeist und den Experimenten abgewandt. Wenn bei „A Tapestry Scorned“ plötzlich ein gallopierender Oldschool Death Metal Part inklusive inbrünstigen Growls hervorbricht, fühlt man sich an vernebelte Jugendzentren und Pogo zwischen zerbrochenen Bierflaschen zurückerinnert. Das mag bewusst naiv inszeniert sein, aber es funktioniert als Element des großen Ganzen. Schwer verdaubar ist allerdings die ausladende Leere, welche sich in allzu reduzierten Parts ausbreitet. Wer „Like A Perpetual Funeral“ übersteht ohne nervös mit dem Fuß zu wippen ist entweder wohlig retardiert oder beinharter Doom-Fan. Im Titeltrack kehrt dann auch das beliebte Band-Trademark – die Violine – für mehr als einen kurzen Part zurück. Leider kann auch diese die ausschweifenden Soundlöcher nicht ausfüllen, welche die Band selbstbewusst und eigensinnig zelebriert. Ansatzweise epische Momente werden so im Keim erstickt und ersetzt durch emotionalen Interpretationsspielraum für den Hörer. Ein Song wie „Hail Odysseus“ wirkt unfertig und nicht zu Ende gedacht. Die holprigen Breaks und die sich ins Nichts verlierenden Songelemente sind einer routinierten Band wie MY DYING BRIDE sicher nicht als handwerkliches Defizit auszulegen, wohl aber als eine zweifelhafte künstlerische Entscheidung. Lediglich der letzte Track „Abandoned As Christ“ baut phasenweise wirklich eine dichte Atmosphäre auf. Zu sehr scheint „A Map Of All Our Failures“ mit den Normen und Erwartungen der Doom-Fraktion kokettieren zu wollen. Die Reduktion der Mittel lässt das Album stilistisch jedoch eingegrenzt und mutlos erscheinen, wenngleich es im Kosmos besagter Szene sicherlich hohen Anklang finden wird.

6/10

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