Euroblast 8: Vier Tage Kunst & Cannabis

Was ursprünglich als Lautmalerei für einen bestimmten Gitarrensound verwendet würde, ist mittlerweile zu einem ganzen Genre herangewachsen. Und auch wenn es viele der Musiker dieser Szene nicht gerne hören und sich lieber mit dem Begriff „Progressive“ schmücken, ist Djent mittlerweile doch mehr als ein unbeholfenes Wort auf der Suche nach klanglicher Perfektion.

Es ist eine kreative und internationale Sub- Kultur von Musiker für Musiker. Und das EUROBLAST Festival, seit vier Jahren von Anfang an dabei, trägt dem Rechnung. Dafür sprechen nicht nur die Workshops am Samstag Nachmittag im Underground. Auch Ibanez ließ sich mit einem eigenen Gitarrenstand blicken um die Musiker von morgen für sich zu rekrutieren. Am Stand von got-djent.com konnte man darüber hinaus eine 8-saitige Gitarre und einen Axe FX II Gitarrenamp-Modeller antesten. Gesponsort wurde die Veranstaltung von Randall, deren Amps die Bühnen zierten, aber eigentlich nie genutzt wurden. Stattdessen sah man die Musiker ihre Engl Amps in irgendeiner Ecke verstecken.

Bereits der Donnerstag hatte den ersten Hochkaräter im Programm. AGENT FRESCO, lässig mit elektrischem Kontrabass unterwegs, waren so gefragt, dass sie am nächsten Tag mit anderem Set nochmals ran durften um die verhinderten RED SEAS FIRE zu ersetzen. Während das vergleichsweise kleine Underground an den ersten beiden Tagen nahezu aus den Nähten platzte, ging es ab Samstag in der Live Music Hall etwas luftiger zu. Während CHIP SPANNER und die arschtighten DESTRAGE in einer dreiviertel gefüllten Halle ihren Sound zum besten gaben, beantwortete Saitenhexer JEFF LOOMIS (Ex-Nevermore) einem kleinen Workshop-Publikum Fragen zum Gitarrenspiel und seinem Equipment. Zwischendurch gab es Songs zu Playbacks zu hören. Sichtlich genervt vom zur Verfügung gestellten Amp, fragte er ins Publikum wer ihm das Ding einstellen könne. Das ließ sich ein eifriger Nachwuchs-Soundtüftler nicht zweimal sagen und fummelte den Sound zurecht, während der Meister den Leuten auf bescheidene und sympathische Weise erklärte, dass er seine Soli ohne Musiktheorie im Hinterkopf schreibe und sein Lieblingsequipment der Axe-FX sei, welchen er leider nicht dabei habe.

Auf der großen Bühne am später am Abend überzeugten Loomis und seine Band mit grandiosem Sound, einem neuen Song im Gepäck und einem überraschend aggressiven Shouter an der zweiten Gitarre. Dieser ließ sich während des Gigs eine CD von einem Fan mit Marihuana bezahlen. Da musste er auch nicht lange warten. Der Gras-Geruch schwebte auf dem EUROBLAST nahezu durchgehend in der Luft. Nach einem ausgiebigen Soundcheck von AFTER THE BURIAL stellte sich das Festival-Team dem Publikum vor. Anschließend brannte die, mittlerweile fast volle, Hütte. Der Headliner hatte die Meute von Anfang an im Griff und entließ eine ausgepowertes Publikum nach Hause und in die Hotels.

Der Sonntag litt dann leider etwas darunter, dass einige Leute bereits die Heimreise angetreten hatten und die Live Music Hall dementsprechend nicht mehr richtig voll wurde. So spielten auch TESSERACT um 20:00 Uhr abends vor einer halbvollen Hütte. Die Band zeigte sich musikalisch sehr fit, konnte aber nur wenig Bindung zum Publikum herstellen. Ganz anders die danach folgenden SCAR SYMMETRY. Diese waren mit ihrem Melodic Death Metal ein wenig die Exoten auf dem Festival. Trotz diesem Umstand und der Tatsache, dass das Playback zweimal nicht wollte, brachten die Schweden den Rock ‚N Roll in die Bude und erspielten sich das Publikum Song für Song. Mit einer Umarmung und einen Klaps auf den Hintern, wie Veranstalter John Giulio Sprich sie passend ankündigte, schlossen die Post-Rocker LONG DISTANCE CALLING das EUROBLAST VOL. 8 ab und sorgten mit ihren Soundeskapaden nochmal für einen maximalen Anstieg der Cannabis-Belastung in der Atemluft. Während die erste Reihe noch am klatschen war wurden die Leute bereits hastig mittels Absperrbänder von der Security aus der Halle getrieben. Extrem uncool und wider der familiären und entspannten Atmosphäre der Veranstaltung. Leider ein bekanntes Verhalten dieser Location. Die Veranstalter-Crew selbst zeigte sich überaus offen und war immer für die Gäste ansprechbar. Auch die Musiker hatten wenig Allüren, so dass das EUROBLAST seinem positiven Ruf mehr als gerecht wurde. Man hatte hier und da lediglich das Gefühl, dass hinsichtlich der Zuschauerzahlen das Ziel nicht ganz erreicht werden konnte. Aber das passt ja zum gemütlichen Familiy-Gefühl.

David Timsit

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