Katatonia, Alcest & Junius (Köln, Live Music Hall – 03.12.2012)

An einem eisigen Sonntagabend wie diesem benötigt man schon verdammt gute Argumente um Musikliebhaber hinter dem heimischen Ofen hervorzulocken. Es gibt aber diese Art von Bands, die keine Extra-Einladungen verschicken müssen um ihre Fans bei Wind und Wetter zu jeder Tages- und Nacht-Zeit zu mobilisieren. Glühwein-Kater ade, verfrühter Weihnachtshopping-Stress – egal. KATATONIA gehören zu jenen Bands, die du auch nach dem fünften Gig nicht versäumen willst, wenn sie in deine Stadt kommen.

Junius

Doch auch mit den Support Bands JUNIUS und ALCEST sind viele Besucher an diesem Abend vertraut, so dass die Live Music Hall bereits bei ersteren gut gefüllt war. Die US-Amerikaner punkteten mit atmosphärischem Epic Rock und lässiger Understatement-Attitüde. Bereits hier war der Sound erstklassig abgemischt, was sich den Abend über auch nicht mehr ändern sollte. Auch wenn die Location zuletzt durch Baufälligkeit in den Medien von sich reden machte, in Sachen Akustik bekommt man hier so gut wie immer Hochgenuss serviert.

Alcest

Mit ALCEST betrat nach kurzer Umbaupause eine deutlich metallischer geprägte Band die Bühne, die es prima verstand klassischen Black Metal mit Post Rock Trademarks zu einer atmosphärisch dichten Einheit zu verschmelzen. Das Publikum quittierte dies mit deutlich mehr als Höflichkeitsapplaus. Wobei sich die Kölner an diesem Abend grundsätzlich eher als reservierte Bewunderer verstanden, denn als schweißgetränkte Rock ’n‘ Roll Crowd. So blickte das französische Quartett auf vereinzelte, wehende Matten, auf neugierig glubschende Augen hinter schwarz umrandeten Nerd-Brillen und eine Menge zufriedener Gesichter nach dem, etwas zu lang geratenen, Programm.

Katatonia

Es folgte eine längere Umbaupause und dann war es endlich soweit. „In the weak lights…“. Das erste Spotlight dieses Auftritts gehörte Jonas Renske, dessen heisere, abgerockte Stimme den ersten Track „The Parting“ einleitete. Der Album-Opener des zuletzt erschienen „Dead End Kings“ tönte so glockenklar aus der Hallen-PA, dass es sich – von Renskes charmanten Stimmproblemchen abgesehen – kaum von der Studio-Produktion unterschied. Was für ein Vocals-Sound! Jedes Wort verständlich und dennoch wunderbar dicht im Gesamtklang eingebettet. Ohne Atempause ging es weiter mit „Buildings“, ebenfalls vom aktuellen Album. Es folgten Highlights quer durch die gesamte Diskographie. Lediglich die frühen Alben vor „Discouraged Ones“ wurden ausgeklammert. Die alten Fans dürften jedoch durch die Extra-Schippe an Härte versöhnt worden sein, welche die Jungs bei Songs wie dem phänomenalen „Ghost Of The Sun“ oder dem Überraschungskandidaten „Strained“ von „Tonights Decision“ an den Tag legten. Es ist erstaunlich wie geschmackvoll KATATONIA den schmalen Grat zwischen verkünstelter Erhabenheit und lässiger Rockstar-Posen gehen und dabei zu jeder Zeit den richtigen Ton treffen. Als echter Live-Volltreffer stellte sich „Dead Letters“ heraus, der, nur noch gefolgt von den Zugaben „Forsaker“ und „Leaders“, den krönenden Abschluss einer gelungenen Show darstellte. So gerne man über „Dead End Kings“ mancherorts diskutieren mag: Die Diskussionen um die Livedarbietungen dürften mit diesem Line-Up und solch einer starken Setlist ein für alle mal Geschichte sein. Die Schweden sind längst nicht mehr die introvertierten Melancholie-Verbreiter alter Tage. KATATONIA steht heutzutage für intelligenten, vielschichtigen und charakterstarken Rock, der alle Musikliebhaber anspricht, die das „mehr“ an Qualität, Emotion und songwriterischer Eleganz zu schätzen wissen, welches diese besondere Band auszeichnet.

David Timsit

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s