Antimatter – Fear Of A Unique Identity

Antimatter-Fear

David Timsit

Label: Prophecy Productions
Spielzeit: 49:12

ANTIMATTER ist ein Projekt, das sich die Schwermut nicht nur musikalisch auf die Fahne geschrieben hat. Der wenig lineare Karriere-Verlauf, die häufig wechselnde Besetzung und die stilistische Ambivalenz zeichneten immer schon ein zerfahrenes Bild nach außen ab. Was als Rock-affines Äquivalent zu Portishead begann, ist über die Jahre immer mehr zu einem Projekt mit deutlicher Songwriter-Attitüde avanciert. Speziell live brachte diese Metamorphose einige interessante Experimente hervor, jedoch schienen ANTIMATTER zunehmend eindimensionaler zu werden. Die reduzierten Mittel ließen wenig Spielraum für eine Variation der Stimmung zu und Mick Moss wirkte als alleiniger verbliebener Kopf des Projekts überfordert. Zuletzt erschienen lediglich ein Best Of und ein Live Album, was nicht gerade ein Indikator für eine lebendige Band ist.
Fünf Jahre nach dem letzten Studio-Album „Leaving Eden“ hat mit „Fear Of A Unique Identity“ nun doch endlich ein weiterer vollwertiger Release das Licht der Welt erblickt. Noch immer trägt Moss die alleinige künstlerische Last auf seinen Schultern, wird gesanglich aber von keiner geringeren als Vic Anselmo unterstützt. Desweiteren setzt sich das Studio Line-Up aus Colin Fromont (Drums) und David Hall (Violine) zusammen.
Fans der ersten beiden Alben werden sich freuen vermehrt elektronische Elemente in den Songs vorzufinden. Dies jedoch wohl dosiert, ohne den organischen Grundcharakter der Musik aufzulösen. Die angenehm warme Produktion von Al Groves tut ihr übriges und wirkt nur bei Einsatz der verzerrten Gitarren zu spitz. Dennoch hat man den Eindruck, dass das Songwriting mit dem Einfluss von Duncan Patterson einen Tick stärker war. Moss ist ein Meister hinsichtlich packender, tragischer Melodien, wie Songs der Marke „Here Come The Men“ eindrucksvoll unter Beweis stellen, jedoch bricht das Album, speziell in der ersten Hälfte, kaum mit dieser grundsätzlich wolkenverhangenen Stimmung. Ohne derlei Kontraste wirkt die vorhandene Dramatik weniger packend, als sie bei entsprechenden Arrangements wirken könnte. Lediglich „Unformed & Black“ bringt mit seinem Uptempo-Groove und Leadgitarren im Paradise Lost-Stil ein wenig Farbe ins Spiel und ist gleichzeitig einer der stärksten Songs der Scheibe. Auch das folgende „Wide Awake In The Concrete Asylum“ ist ein Song, der sich zum Ende hin wunderbar öffnet.
Unterm Strich ist ANTIMATTER mit „Fear Of A Unique Identity“ ein erstaunlich frisches Lebenszeichen geglückt. Die lange Wartezeit hat sich durchaus gelohnt, wirken die Songs doch vielschichtiger und ausgereifter, als bei den beiden zu gleichförmig wirkenden Vorgängeralben. So schließt das Werk zwar musikalisch an diese an, ist qualitativ dem bislang stärksten Album „Lights Out“ aber näher.

8/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s