Him – Tears On Tape

tears-on-tape-album-cover

David Timsit

Label: DoubleCross
Spielzeit: 62:06

Wenn ein Albumtitel die Karriere der Finnen auf den Punkt bringt, dann wohl das dritte Werk „Deep Shadows & Brilliant Highlights“ von 2001. Waren die ersten beiden Scheiben noch eine Ansammlung von Hits auf engstem Raum, ließen die Schmachtrocker schon ab besagtem Longplayer deutlich nach und verstrickten sich in Experimenten und überstürzten Neujustierungen des Erfolgskonzepts. Wobei man mit Ville Valo natürlich ein Ass im Ärmel hat. Der Mann reißt es mit Charisma, Stimme und Look immer wieder raus, so dass auch schwächere Phasen nicht am Erfolg der Band rütteln konnten. Betrachtet man nun den Zyklus der letzten Scheiben, so fällt auf, dass nach jeder härteren Scheibe wieder eine poppigere auf dem Programm stand. Auf dem Neuling „Tears On Tape“ sollte als vermutlich wieder gerockt werden.
Der vorab veröffentlichte Videoclip zum Titeltrack verhieß allerdings erst mal nichts Gutes. Fast wirkte es als wolle sich die Band in einer Karikatur ihrer selbst veralbern, so übertrieben inszeniert man hier die Trademarks von simplen Kindermelodien, affektierter Stimme und betont laid-back eingespielter Tracks. Der Song kleistert sich wie süßlicher Honig durch die Gehörgänge und lässt den Hörer in emotionaler Überzuckerung angewidert erschaudern. Gottlob relativiert sich dieser Ersteindruck über die gesamte Album-Distanz. Auffällig ist eine gewisse Rückbesinnung auf die „Razorblade Romance“-Phase, jedoch mit verschiedenen Zutaten späterer Werke. „Into The Night“ beispielsweise kommt mit deutlich Radio-affiner Schlagseite daher, während „W.L.S.T.D.“ den Doom-Hammer auspackt und am ehesten an die „Venus Doom“-Phase erinnert. Zu den stärkeren Songs zählen das treibende „No Love“ und der klassische HIM-Track „Hearts At War“. Letzteres wäre durch seinen gefälligen Flow ein perfekter Kandidat für die zweite Videoauskopplung.
Ob „Tears On Tape“ nun Licht oder Schatten darstellt, ist sicher im Einzelfall davon abhängig, welche Seite von HIM man eher schätzt. Grundsätzlich dürften Hörer der End-Neunziger Phase mit dem Album glücklich werden, insofern sie nicht die gleiche Hitdichte wie zu besagter Ära erwarten. Positiv bleibt hängen, dass die Band diesmal nicht wieder in ein anderes Extrem umgeschwenkt hat, sondern seit langem mal wieder sowas wie die richtige stilistische Mischung gefunden hat. Wenn künftig das Songwriting wieder stärker wird, ist man auf dem richtigen Weg.

7/10

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