Filmkritik – Star Trek: Into Darkness

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Für viele Jahre lag das Star Trek Universum brach. Der Versuch sich zwischen 2001 – 2005 mit der letzten, schlicht „Enterprise“ betitelten, Serie dem Zeitgeist anzupassen schlug fehl. Viele Fans der Vorgänger-Serien empfanden das Setting und die Philosophie dahinter als unpassend und zu weit weg von der Vorlage, so dass Enterprise nach vier Staffeln vorzeitig beendet wurde.

Kaum besser erging es dem letzten Film des ursprünglichen Universums „Star Trek: Nemesis“, welcher 2002 zugleich das Ende der Picard-Ära einleitete. Zwar spielte der Film mit 67,3 Millionen Dollar gut sieben Millionen mehr ein, als er gekostet hat, wurde in den Augen der Kritiker und Fans aber allenfalls als mittelmäßig eingestuft.

Eine Veränderung musste also her, wenn man die Marke je neu beleben wollte. Unter der Regie vom kommenden Star Wars Regisseur J.J. Abrams und mit einem Drehbuch von Alex Kurtzman und Roberto Orci (beide u.a. für Mission Impossible III verantwortlich) entschied man sich zu einem Reboot in einer alternativen Zeitlinie mit den klassischen Charakteren der Original-Serie rund um Kirk und Spock. Allesamt mit einer neuen Garde an jungen Schauspielern besetzt versteht sich. Das Ergebnis war kurzweiliges Action-Kino, das den Trekkies jedoch zu weit entfernt von der Ur-Philosophie von Erfinder Gene Roddenberry war, Kritikern aber mehrheitlich wohlwollende Rezensionen abringen konnte.

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Nachdem „Star Trek“ alleine in den USA mit einem Einspielergebnis von 79,2 Millionen Dollar eine neue Bestmarke in der Reihe definierte, war eine Fortsetzung reine Formsache. Und bereits der Beginn zeigt deutlich auf wohin die Reise geht. Schon vor dem Titelbild findet sich der Zuschauer in Actionszenen ohne Atempause wieder. Alle Grundkomponenten des Films tauchen hier in der Exposition vorab auf – Krawall, Freundschaft, ein wenig Augenzwinkern und der Hauch einer Romanze.

Die Grundhandlung wäre schnell erzählt, doch soll sie an dieser Stelle nicht vorweg genommen werden, zumal sie erneut erschreckend flach ausfällt um der furiosen Inszenierung Platz zu machen, die abermals den meisten Raum für sich beansprucht, zum Glück aber auch noch beeindruckender ausfällt als im Vorgänger. Die 3D Effekte sind geradezu sensationell und dürften das Maximum des derzeit machbaren darstellen. Man muss den Autoren zugutehalten, dass sie es bei dem geringen Platz für die Entfaltung der Story zumindest geschafft haben einen Hauch von Ambivalenz im Spannungsfeld zwischen Protagnisten und Antagonisten zu platzieren. Kenner der Serien werden dennoch enttäuscht sein, wenn sie ein ähnliches inhaltliches Spektrum erwarten.

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Fazit: Den Zuschauer erwarten letztlich gut zwei Stunden modern inszenierte Daueraction. Adrenalin-Junkies werden sich dabei pudelwohl fühlen: Von umwerfenden 3D-Effekten über epische Kamerafahrten bis krasse Zerstörungsorgien und ein bombastisches Soundgewitter wird alles geboten das man vom modernen Action-Kino erwarten kann. Leider bleibt in diesem Rahmen nicht viel Platz für eine gute Story, so dass trotz Filmlänge nicht mal die erzählerische Tiefe einer TV-Folge erreicht wird. Auch die kleinen Schmunzler zwischendurch und die angeteaste Romantik-Komponente werten den Film inhaltlich nicht auf. Selbst der emotionalste Moment in diesem Spektakel erreicht den Zuschauer kaum, da es durch die Oberflächlichkeit im Storytelling am entsprechenden Aufbau einer Identifikation mit den Protagonisten mangelt. Am Ende bleibt ein Fast-Food-ähnliches Gefühl von Übersättigung und gleichzeitigem Mangel übrig. Gerade das Star Trek Universum hätte vermutlich keine derartige Action-Gewichtung benötigt um die Zuschauer ins Kino zu ziehen. Denn so ist „Into Darkness“ nicht nur dem Trekkie zu wenig, sondern auch dem anspruchsvollen Kinogänger zu flach.

6/10

David Timsit

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