Black Sabbath – 13

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David Timsit

Label: Universal
Spielzeit: 60:43

Eine leichte Geburt war „13“ sicherlich nicht. Die schwere Krankheit von Tony Iommi, das geschäftliche Tauziehen im Vorfeld und ein in alte Alkohol-Gewohnheiten verfallener Ozzy Osbourne standen im deutlichen Kontrast zum musikalischen Ansatz ein unverkopftes, klassisches BLACK SABBATH Album kreieren zu wollen. Noch dazu hatte man mit Rick Rubin einen Produzenten ins Boot geholt, der zuletzt auch mal ein weniger gutes Händchen hinsichtlich soundästhetischer Entscheidungen bewies. Das populärste Beispiel hierfür dürfte die klanglich komplett ruinierte Metallica-Scheibe „Death Magnetic“ sein.
Doch irgendwie ist es den britischen Alt-Rockern geglückt aus diesem Umstand das Beste zu machen. Reduziert auf die klassischen Zutaten Iommi-Riffing, Butler-Basslines und Ozzy-Vocals entstand ein Bundle von Songs, das sich mühelos in die Diskographie der Originalbesetzung einreiht. Dabei profitiert „13“ natürlich von der enormen Erfahrung und Routine der Musiker, deren ur-eigener, einst experimenteller Stil mittlerweile tausendfach kopiert und weiterentwickelt wurde. Allerdings ignorieren Black Sabbath ihre eigene Weiterentwicklung nahezu komplett und geben sich naiv und unbedarft wie anno dazumal, was ihnen der erfahrene Hörer schwer abnehmen kann. Technisch begnügt sich die Band auf simplen Songs wie „Loner“ oder dem bluesigen Doom-Rocker „God Is Dead?“ mit einem Mindestmaß an Filigranität, was der Retro-Illusion zugutekommt, dem tatsächlichen Anspruch der Musiker anno 2013 aber kaum gerecht werden dürfte. Das mit Federhall, Percussions und Akustik-Gitarre ausgestatte „Zeitgeist“ markiert in der Mitte der Tracklist den Höhepunkt der Retro-Bemühungen und stellt das aktuelle Pendant zu „Planet Caravan“ dar. Das folgende „Age Of Reason“ ist einer der interessantesten Stücke auf „13“ und öffnet sich dank Hinzunahme atmosphärischer Keyboard-Sounds merklich gegenüber den puristischen vorangegangenen Songs. Hinzu kommen ein paar progressive Wendungen und ein leidenschaftliches, improvisiert wirkendes Solo gegen Ende. „Live Forever“ ist hingegen vor allem aufgrund des lyrischen Aspekts interessant. Wenn Männer in diesem Alter und mit jener Vorgeschichte über den Tod singen, überhört man den Text nicht einfach als Beiwerk. Das Schöne an dem Song ist seine Ambivalenz, die sich in der Textzeile „I don’t want to live forever, but I don’t wonna die“ perfekt zusammenfassen lässt.
Den Anspruch der Band ein klassisches Black Sabbath Album zu erschaffen kann man getrost als geglückt betrachten. Der Sound passt perfekt, die Songs haben Charakter und die Musiker harmonieren hörbar miteinander. Wäre da nicht der Eindruck, dass eventuell mehr drin gewesen wäre, hätte man sich konzeptionell weniger eng an die Frühphase gebunden. Der Bonustrack „Methademic“ schließt etwas mehr an Ozzys Alleingänge in den 80er an und zeigt auf, dass es „13“ gut bekommen wäre, wenn man auf ein allzu starres Korsett verzichtet hätte. So bleibt ein gutes Album übrig, das den Großteil der Hörer zufriedenstellen dürfte, aber einigen Fans der kompletten Band-Historie eventuell zu festgefahren und konstruiert erscheint.

7,5/10

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