Carcass – Surgical Steel

Carcass-Steel

David Timsit

Label: Nuclear Blast
Spielzeit: 47:01

Wer nach 17 Jahren ohne Veröffentlichung mit so einem chirurgischen Albumtitel im Death Metal Sektor der heutigen Zeit auffährt, sollte besser ordentlich detailverliebte Riffs mit messerscharfer Produktion aus dem Hut zaubern, um dem Bild gerecht zu werden, welches dadurch beim Hörer erzeugt wird.

Um es vorweg zu nehmen: CARCASS liefern nicht nur ab, sie setzen auch noch einen drauf. Die Band knüpft mit „Surgical Steel“ hauptsächlich an ihrem erfolgreichsten Album an: „Heartworks“.  Das Album zeichnete sich damals durch den perfekten Querschnitt aus Brutalität, Spieltechnik und Gefälligkeit aus. Das Riffing war seiner Zeit weit voraus, das hervorragende Gespür für Melodie und Groove ungewöhnlich für eine Death Metal Band. Damals gab es entweder auf die Zwölf oder den typischen Gothic- / Doom Metal der Marke Paradise Lost oder My Dying Bride. Der Melodic Death Metal, der später von Bands wie At The Gates oder In Flames geprägt wurde hatte eher britische und skandinavische Wurzeln, während Carcass deutliche US-Thrash Einflüsse in ihrer Form des melodischen Death Metals verarbeiteten.

Diese Mischung treiben die vier Chirurgen nun mit ihrer geballten Erfahrung auf die Spitze. Mit zwei Original-Mitgliedern (Jeff Walker, Bill Steer) und zwei Frischlingen (Ben Ash, Daniel Wilding) stürzen sich die Veteranen nochmal in den stark besiedelten Musik-Dschungel  dieser Zeit um den jungen Hüpfern zu zeigen wo der schwermetallische Hammer hängt. Während das Intro „1985“ Erinnerungen an alte Metallica-Intros erweckt, zeigt das folgende, recht kurze „Thrashers Abattoir“ unmissverständlich auf, dass Carcass es mühelos geschafft haben ihren Stil an den nötigen Stellen zu modernisieren. Doch der richtige Spaß beginnt erst mit den folgenden Titeln. „A Congealed Clot Of Blood“ packt die absolute Keule hinsichtlich präzisem Riffing, tightem Drumming, swingenden Leadgitarren und monströsen Midtempo-Grooves aus. Was dann folgt sticht alte Kollegen wie Hypocrisy oder Bolt Thrower ebenso mühelos aus, als auch aktuelle Death-Monster wie Kataklysm oder Illdisposed. Mit Tracks wie „The Granulating Dark Satanic Mills“ stellen Carcass nicht nur das Schaffen stilistisch verwandter Bands in den Schatten, sondern auch die eigene Diskographie.

Wenn „Surgical Steel“ diese Band nicht wieder von Null auf Hundert in Top-Positionen in den Line-Ups der Herbst-Touren und kommenden Sommer-Festivals spült, dann läuft hier was verkehrt.  Die Produktion ist fantastisch, die richtige Balance aus anspruchsvoller Spieltechnik und bauchlastigem Groove der reinste Hörgenuss – eines der absoluten Highlights dieses Jahres. Unbedingt reinhören!

9/10

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