Wacken 2013 – Metal-Kultur oder Kommerz?

20130801_225549-1

Das 1990 gestartete Kult-Festival hat soeben seine 23. Runde absolviert und mit unzähligen Bands und Attraktionen mehr als 70.000 Besucher aus aller Welt in die beschauliche Gemeinde gelockt. Während die einen das Festival als wahr gewordenen Metal-Traum erlebten, lief den anderen im Hinblick auf Preise, Rahmengestaltung und Organisation die Galle über.

Mit dem Motto „Von Fans für Fans“ kokettierte das Veranstalter-Team über viele Jahre hinweg, doch dass die ICS GmbH  – damals noch „Stoned Castle Rockpromotions“ –  von Anfang an mehr als ein gemütliches Dorffest  im Sinn hatten, lässt sich bereits dem frühen Werdegang des Events entnehmen. Schon die Drittausgabe hatte mit Saxon und Blind Guardian die ersten Hochkaräter zu bieten. Den entgültigen Durchbruch erreichte man ab 1996, als das Line-Up überwiegend aus etablierten Bands bestand und seither ein rasantes Wachstum verzeichnen konnte. Dies schlägt sich auch im Ticketpreis nieder. 2014 wird dieser  abermals um 20 € erhöht und liegen somit bei 160 €. Das entspricht dem Faktor x6,4 gegenüber dem Ticketpreis von 1996, welcher seinerzeit mit 25,05 € zu Buche schlug. Natürlich ist der Umfang der Veranstaltung keineswegs vergleichbar, mit dem was man früher geboten bekommen hat. Darüber hinaus sind die Preise aus DM-Zeiten weder inflationsbereinigt, noch spiegeln sie die Realität der heutigen Eventbranche wieder. Dennoch kann man hinsichtlich der Preisentwicklungen der letzten Jahre nahezu von einer Kostenexplosion sprechen. Selbst gegenüber 2006 hat sich der Ticketpreis mittlerweile verdoppelt. Auch Getränke und Essen entwickeln sich auf dem Festivalgelände zu einer immer kostspieligeren Angelegenheit. Mit einem Literpreis von 10 € (0,3 Becher à 3 €) bewegt man sich nun in Münchener Oktoberfest-Sphären, das Wasser kostet ebenso viel und das Hot Dog zu 5 € wird sich manch einer lieber gespart haben.

Doch was bekommt man nun für sein Geld geboten? Neben einem vollgepackten Line-Up mit Hochkarätern wie Rammstein, Alice Cooper, Deep Purple, Danzig uvm. vor allem jede Menge Attraktionen und Service-Angebote, deren Wert von Besucher zu Besucher sehr  unterschiedlich wahrgenommen wird:  Die Chill Out Lounge, das Electric House zur Aufladung mobiler Geräte, das Movie-Feld (inkl. Filmnacht), Freibad, Fußball, Metal-Karaoke, Metal-Markt, Seelsorger-Team, Supermarkt, Wrestling-Shows und mehr sorgen dafür, dass der Besucher auch neben Konzerten und Camping-Platz jede Menge Möglichkeiten erhält sich die knappe Woche über auf dem Gelände zu beschäftigen und unterhalten zu lassen. Angesichts der lauten Kritik im Netz entsteht der subjektive Eindruck all diese Angebote wären von den Gästen mehrheitlich nicht erwünscht, doch handelt es sich hierbei nicht meist um eingefleischte Fans, die das Festival wachsen gesehen haben und sich ihrer persönlichen Vorstellung des Events beraubt sehen? Doch Veranstalter Holger Hübner hat hier auch die ausländischen Besucher im Blick. Dem Metal Hammer erörtert er im Interview vom 21. Januar 2012, dass speziell dieser Teil der Zielgruppe das Wacken Festival als einen Teil der Urlaubsplanung betrachtet. Dementsprechend ist es natürlich nachvollziehbar, dass der Anspruch an Unterhaltung höher erscheint, als beim hiesigen Metal-Fan, der das Festival, mit geringerem finanziellen und logistischen Aufwand, an einem Wochenende der Musik wegen mitnimmt.

Darüber hinaus scheint es aus Veranstalter-Sicht sinnvoll zu sein einen Plan B in der Tasche zu haben. Denn sieht man einmal genauer hin, dann fällt auf, dass sich die heutigen erfolgreichen Bands meist der Generation 40+ angehören. Einige der Veteranen bewegen sich gar schon weit in ihren 60ern. Der Nachwuchs scheint allenfalls in verwandten Genres wie Post Rock & Metalcore zu nennenswertem Erfolg zu kommen. Sich nicht von zugkräftigen Bands abhängig zu machen und den Event als Star aufzubauen ist hinsichtlich eines langfristigen Plans wohl die einzig logische Herangehensweise.

Doch was denkt ihr? Ist Wacken immer noch ein wichtiger Teil der Metal-Kultur oder nur noch Kommerz? Teilt es uns im Kommentarbereich oder auf Facebook mit!

David Timsit

Rammstein, Wacken Festival, 01.08.2013

20130801_223737

Wer hätte das gedacht? Auf dem größten Heavy Metal Festival der Welt treten die Jungs von Rammstein auf. Das „Sold Out“ war da schon so gut wie vorprogrammiert.

Am ersten Abend des am 01.08 beginnenden Festivals, war es soweit. Die bis dato noch ungenutzte True Metal Stage, wurde um 22:15, nach dem Konzert der Hard Rocker von Deep Purple, eröffnet. Das mit rund 75000 Besuchern aus aller Welt ausverkaufte Wacken Open Air, wartete schon Stunden vorher auf den heiß ersehnten Auftritt.

Rammstein präsentierten sich pünktlich und wie nicht anders zu erwarten hoch-professionell mit einer spektakulären Pyro-Show.  Klassiker wie „Sehnsucht“, „Du hast“,“ Rammstein“, „Mein Teil “ oder „Keine Lust“ brachten die Metalheads mit einer schwer in Worte zu fassenden Animations-Show zum Staunen. Eine Explosion jagte die nächste, von über das Feld zischenden Raketen bis hin zu sprühenden Funkenregen und Flammwerfer Einlagen gab es das volle Programm. Till Lindemann, der sich denn Zuschauern  wie immer wortkarg zeigte,  lieferte eine spektakulären Show ab. Flake am Keyboard wurde auch, wie in den Shows zuvor, nicht verschont und bekam teilweise die volle Härte zu spüren. Er durfte das ganze Konzert auf einem Laufband spielend verbringen.

Rammstein hatten als besonderes „Highlight“ Volksmusiker Heino zum Lied Sonne als Gastsänger geladen, was vom Publikum teils mit Verwunderung und Verwirrtheit betrachtet wurde. Selbst dem erfahren Heino, der eine Strophe singen durfte, verschlug es beim Einsatz der Flammenwerfer die Sprache.

Till Lindemann verneigte sich nach gelungener Zugabe mit den Worten: „Es war mir eine Ehre hier spielen zu dürfen!“. Ein perfekter Auftritt von einer hoch-professionell arbeitenden Band leitete somit den Startschuss für ein phantastisches Festival ein.

 Viktor Volk

Advertisements

2 Gedanken zu “Wacken 2013 – Metal-Kultur oder Kommerz?

  1. Wieso ist auf dieser Seite der Artikel verschwunden, der darauf hinwies, dass die FB-Seite „Wacken ist kein Heavy Metal“ dieses Ansinnen als Vorwand nutzt, um rechtslastig gegen Menschen und Menschengruppen zu hetzen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s