Katatonia – Dethroned & Uncrowned

KataDethroned

David Timsit

Label: KScope
Spielzeit: N/A

Katatonia ist eine der raren Bands, die nicht nur im Fahrwasser anderer mitschwimmt, sondern vielmehr die Standards für Nachahmer setzt. Als homogenes Kollektiv wohlgemerkt, nicht durch die technischen Fertigkeiten Einzelner. Mit der zunehmenden Annäherung in Richtung Prog-Rock begeben sich die Schweden in ein musikalisch kompetitives Feld, denken aber nicht im Traum daran Musik deshalb als Sport zu betrachten. Die Band bevorzugt seit jeher den Weg der Eleganz und so erscheint es auf den zweiten Blick wenig abwegig, dass man auf die Idee kam das komplette letzte Album als Ambient- / Akustik-Experiment neu aufzulegen. Ganz so sicher scheint man sich der Nachfrage dennoch nicht gewesen zu sein, weshalb man das Projekt vorsichtshalber per Crowdfunding von den Fans vorfinanzieren ließ.

„Dethroned & Uncrowned“ wurde als akustisches Album angekündigt, die Arrangements bestehen allerdings überwiegend aus elektronischen Klangteppichen. Auch die ein oder andere E-Gitarre taucht in Form von Soli hin und wieder auf. Im Mittelpunkt stehen die gefühlvollen und extrem akkurat gedoppelten Vocals von Jonas Renske. Allerdings scheinen hierfür die Original-Aufnahmen verwendet worden zu sein, weshalb hier und da ein etwas zusammengeflickter, unhomogener Eindruck entsteht. Der Remix-Charakter einiger Songs lässt sich nicht von der Hand weisen. Einigen Stücken hätte es durchaus gut getan, würde man sie natürlicher und verletzlicher präsentieren. Auf der anderen Seite gibt es Tracks, die im neuen Gewand ganz hervorragend funktionieren. „The Racing Heart“ war auf „Dead End Kings“ nicht unbedingt ein herausstechender Song, wird hier aber so luftig und entspannt dargebracht, dass man schnell die Lust verliert sich je wieder die Version mit Bratgitarren zu Gemüte zu führen. „Dead Letters“ ist in seiner neuen Form ebenfalls sehr gelungen. Mit einem dezenten 70s Feeling swingt sich der Track mit süßen Harmonien und einem schön trockenen, Gitarren-betonten Refrain in die Gehörgänge. Es gibt aber auch weniger gelungene und arg konstruiert wirkende Momente auf  „Dethroned & Uncrowned“. Die Neuinterpretation von „Buildings“ ist eine solche. Akkord für Akkord stakst man sich hier durch jazzige Gefilde, ohne dass annähernd der Fluss der Vorlage entstünde.

Unterm Strich kann man das Experiment dennoch als gelungen betrachten. In vielen Momenten fühlt man sich an die ruhigeren Momente auf „Night is The New Day“ erinnert. Speziell „Departer“ und „Inheritance“ dürften der Band stilistisch als Orientierung für dieses Projekt gedient haben. Ein wenig mehr Reduktion und Verletzlichkeit wäre an einigen Stellen wünschenswert gewesen und der augenscheinliche Verzicht auf neu eingesungene Vocals hinterlässt einen etwas phlegmatischen Eindruck. Dennoch: Wer die gefühlvolle Seite von Katatonia schätzt, macht mit dem schicken „Dethroned & Uncrowned“ nichts falsch.

8,5/10

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