Running Wild – Resilient

rw_resilient_2013

David Timsit

Label: SPV
Spielzeit: 59:58

Kaum ein Metal-Musiker hat es sich über die Jahre mit seinen Fans so verschissen wie der Einzelkämpfer Rolf Kasparek. Zuletzt hatte man nur noch das Gefühl, dass der Mann in seinem Keller sitzt und per unbeholfenem Homerecording seine eigene Vergangenheit karikiert. Zur  offensichtlich reduzierten Produktionsweise fiel kaum ein ehrliches Wort in Interviews. Es folgte nach viel Kritik und Inspirationslosigkeit der Rücktritt im Jahr 2009, ein merkwürdiges Party-Rock Experiment namens „Toxic Taste“, dann der Rücktritt vom Rücktritt mit dem 2012er Album „Shadowmaker“, das unverständlicherweise wieder mit Plastik-Produktion und schwachem Songwriting daherkam. Anschließend tobte sich Rock ‚N Rolf bei einem zweiten Nebenprojekt namens Giant X aus, das ihm nach eigener Aussage Frische und Spielfreude zurückgab. Nun ist „Resilient“ da und soll alles besser machen.

Zunächst muss man anerkennen, dass sich das Album erstmals seit „The Rivalry“ wieder nach einem Band-Album anhört, auch wenn es genau genommen nach wie vor eine Eigenproduktion mit einigen Gastbeträgen darstellt. Musikalisch machen sich die vorangegangenen Ausflüge  in rockigere Gefilde zum Teil bemerkbar und kontrastieren die gleichermaßen vorhandenen Signature-Riffs und Doublebass-Tracks. Das klingt alles wirklich nicht schlecht und Nummern wie der klassische Brecher „The Drift“ oder der Stampfer „Run Riot“ sind sogar die stärksten Kompositionen seit Mitte der 90er. Problematisch ist allerdings der Umstand, dass die Umsetzung in manchen Aspekten schlampig wirkt. So taucht hier mal eine schiefe Note auf, dort ein brüchiger Gesangspart, da ein wenig geschmackvoll eingesetzter Effekt und auch die Produktion klingt etwas angezerrt und spitz. Das führt unterm Strich zu dem Eindruck, dass hier nichts passiert, das es früher nicht besser und vor allen Dingen feingeschliffener gegeben hätte.

Die Frage ob es das beste RUNNING WILD Album seit mehr als einem Jahrzehnt ist stellt sich nicht. Dafür herzlichen Glückwunsch. Aber als langjähriger Hörer der Band kann  man sich nicht so recht entspannen, weil immer wieder angestrengt klingende oder wenig geschmackvolle Elemente den Hörgenuss trüben. Von den Anlagen her knüpft das Werk an frühe Glanztaten an, hätte es nicht diesen gewissen Demo-Charakter, der es qualitativ runterzieht. Nach all den Fehltritten mag ein annehmbares Album wie eine Neugeburt auf manchen Hörer wirken, höchsten Qualitätsansprüchen genügt „Resilient“ aber nach wie vor nicht und man wird sich wohl damit abfinden müssen, dass angesichts des Alters, dem geringeren Budget und der eigenwilligen Arbeitsweise von Rolf Kasparek heutzutage einfach nicht mehr drin ist.

6,5/10

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