Paradise Lost, Lacuna Coil & Katatonia (Köln, Essigfabrik – 04.11.2013)

Was für ein Package – die Begründer des Gothic Metal mit einem Band-Jubiläum, die Innovatoren des Dark Metal ihrerseits mit einem Album-Jubiläum und eine der Top-Bands des Genres als Bonus im Gepäck. Bei so viel Prominenz kann doch gar nichts schiefgehen, oder?

Nicht so ganz. Denn irgendein Schuster aus dem LACUNA COIL-Lager wollte offenbar nicht ganz bei seinen Leisten bleiben und so kam es, dass sich KATATONIA wider Erwartens mit dem Opener-Slot begnügen mussten. Zur Überraschung vieler Besucher  feierten die Schweden ihr großartiges „Viva Emptiness“ Album demnach mit halber Bühne, dem Drumset am rechten Bühnenrand, leisem Sound und kurzer Spielzeit. Bei einer Band, die solche Hallen für gewöhnlich selbst füllt, ein bemerkenswert deprimierender Anblick. Die Band machte das beste daraus. Der Dramaturgie zuliebe spielte man das Album rückwärts und hatte somit die größere Hitdichte am Ende. Während sich die Halle nach und nach füllte, war das Set auch schon fast am Ende. Ein Anflug von Stimmung kam allenfalls bei den letzten zwei bis drei Songs auf. Nach „Ghost Of The Sun“ war dann auch sofort Schluss und die Band musste ohne Zugabe die Bühne räumen.

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Man hätte angesichts dieser unwürdigen Abfertigung  einer solchen Ausnahme-Band (die übrigens auch die geringste Merch-Fläche am Stand hatten) LACUNA COIL echt böse sein können, aber dafür sind die Italiener dann doch zu routiniert und sympathisch. Die nie alternde Christina Scabbia war mal wieder ein Energiebündel vor dem Herrn und Klassiker wie „Heavens A Lie“ bis aktuelle Rocker der Marke „Kill The Light“ bot man ohne Makel, dafür mit zu viel Zuckerguss aus der Konserve dar. Die Band erhielt die gesamte Bühne, die komplette Lightshow und hatte das griffigste Songmaterial des Abends im Gepäck, so dass es kein Wunder war, dass deutlich mehr Bewegung in die Menge kam, als beim degradierten Opener. Leider litt der Sound an einer viel zu starken Überbetonung der Gitarren, so dass der Gesang in vielen Fällen enorm nach hinten gedrückt wurde. Warum man dieses Problem über die gesamte Spielzeit hinweg nicht in den Griff bekam, ist kaum nachvollziehbar. Scheinbar wollte man kein Stück Lautstärke für einen sauberen Sound opfern. Unterm Strich blieb ein solider Eindruck hängen, doch PARADISE LOST hatten hier eine Menge zu richten, denn der erwartete, gelungene Abend für Gothic- / Dark Metal Fans war es bislang bei weitem nicht.

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Die Briten haben mittlerweile Frieden mit all ihren verschiedenen Schaffensphasen geschlossen und so erwartete einen zum Jubiläum ein abwechslungsreiches Set mit vielen Kontrasten. Der Anfang gestaltete sich mit „Mortals Watch The Day“ erstaunlich ruppig und sorgte für sofortige Begeisterungstürme bei älteren Fans der Band. Der Sound kam wesentlich kompakter und aufgeräumter aus den Boxen, als bei den anderen beiden Bands, so dass endlich ein ungetrübtes Hörvergnügen möglich war. Stimmlich war Holmes an diesem Abend sicher und ließ bei dem selten live gespielten „Rotting Misery“ vom Debüt gar ein paar Growls vom Stapel. Erst ab der Hälfte des Sets, speziell während „Never For The Damned“ ließ seine Fähigkeit Aggression in die Stimme zu legen etwas nach und der Front-Zyniker begnügte sich fortan mit sauberem Klargesang. Die Setlist war angenehm abweichend vom Standard. So verzichtete man auf häufig geforderte Tracks wie „Forever Failure“ oder „As I Die“, brachte dafür mit „Remembrance“, „Gothic“ oder „Enchantment“ nicht weniger geniale Klassiker auf die Bühne. Nach nur zehn Songs verließ man schon zum ersten Mal die Bühne, kehrte jedoch schnell für vier weitere Tracks zurück. Nach „Over The Madness“ war dann aber wirklich Schluss und nicht wenige blickten verwundert auf die Uhr als nach etwa 75 Minuten die Lichter angingen und jeden Zugabe-Ruf im Keim erstickten. Kurz danach kam auch schon die Security mit den Bändern an und trieb die Herde nach draußen.

PL

Ein solides Konzert-Erlebnis war es letztlich doch, aber das enorme Potential dieses Packages wurde bei weitem nicht genutzt. Dafür wurden KATATONIA zu sehr abgespeist, dafür waren LACUNA COIL zu sehr Opfer ihres Soundmannes sowie der eigenen Routine und für ein Jubiläum war das PARADISE LOST Set deutlich zu kurz und energielos.  Hier wurde von vorne bis hinten Sparflamme aufgefahren. Montage sind bei Künstlern offensichtlich ebenso wenig beliebt, wie beim regulär arbeitenden Volk.

David Timsit

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Ein Gedanke zu “Paradise Lost, Lacuna Coil & Katatonia (Köln, Essigfabrik – 04.11.2013)

  1. Cool review!

    Ich fand KATATONIA die beste…. Klar, die Band hat zu wenig Zeit aber es war schon klar dass die Band nur Viva Emptiness spielte und 1 Stunde war genug für die ganze Album. Im Vergleich von Lacuna Coil und Paradise Lost waren sie ein bisschen ‚langsamer‘ aber es ist Katatonia 😀
    Nach meiner Meinung war Lacuna Coil zu ‚pop/rock‘ und Paradise Lost zu langweilig.. Es war echt unfair, dass Katatonia die opening-band war.. Es war eine coole nacht trotzdem 🙂

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