Gamma Ray – Empire Of The Undead

2014_empireoftheundead_cd+dvd_300
David Timsit

Label: earMUSIC
Spielzeit: 56:18

GAMMA RAY sind nicht wegzudenkende Pioniere ihres Genres, nichtsdestotrotz unterliegen deren Outputs häufig Qualitätsschwankungen, so dass man sich zwar stilistisch meist recht sicher sein kann was einen erwartet, nicht aber im Hinblick auf Songwriting, Performance und Produktion. Speziell in den letzten Jahren gab es da einige schwächere Momente in der Diskographie.

Eines merkt man „Empire Of The Undead“ allerdings schnell an: Der Wille alles zu geben ist da. Während der Vorgänger „To The Metal“ sich wie eine angezogene Handbremse anfühlte, präsentieren sich die Hamburger hier entfesselt und voller Spielfreude. Bereits mit dem Opener „Avalon“ pfeift man auf Konventionen und bringt ein 9-Minuten-Monster direkt zu Beginn. Leider zeichnet sich hier bereits eine Erkenntnis ab, die sich durch die ganze Scheibe zieht: Kai Hansen ist im Begriff langsam seine Stimme zu verlieren. Zwar holt er sich die meisten Töne mit der nötigen Portion Kampfgeist immer noch irgendwie, aber von den glockenklaren Höhen und der damit verbundenen Leichtigkeit im Gesang ist nicht viel übrig und das strengt schon beim hören an. Andererseits trägt gerade dieser Aspekt auch zu der Aggression bei, welche das Album ausstrahlt und somit zur härtesten Scheibe neben „No World Order“ (2001) macht. Das folgende „Hellbent“ drückt dementsprechend voll aufs Gas und schickt sich an das neue „Ride The Sky“ im Liveset zu werden. Das folgende „Pale Rider“ verwirrt mit nicht ganz konstanter Produktion und klingt wie aus einer anderen Session. Hansens Stimmprobleme kommen hier extrem zur Geltung, so dass sich in mehrerlei Hinsicht kein Hörgenuss einstellen will. Mit den nächsten Tracks „Born To Fly“ und „Master Of Confusion“ wird der Happy-Helloween-Metal ausgepackt und die bis dahin aggressive Stimmung angenehm aufgelockert. Der Titeltrack kehrt anschließend die NWOBHM-Metal Wurzeln heraus und bietet astreinen 80s Speed Metal. Das folgende „Time For The Deliverance“ geht anfangs sogar noch weiter zurück in die Zeit und startet als 70s Ballade im Stile früher Scorpions und wird im weiteren Verlauf um Queen-Chöre und eine Stimmung ergänzt, die stellenweise an die epischeren Momente des eigenen Werks „Land Of The Free“ (1995) erinnert. Der Stampfer „Demonseed“ läutet dann langsam das Ende ein“ und bringt mit einem schönen Midtempo Groove eine weitere Farbe ins ohnehin bunte Gemisch. „Seven“ ist für sich alleine keine herausragende Nummer, passt als typische GAMMA RAY Hymne gut ins Gesamtbild. Mit „I WIll Return“ schließt man das Album letztlich ab wie es beginnt: Ausladend und episch. Zur Mitte dreht der Song richtig auf und gibt technisch nochmal alles: Klassisch geprägte Flitzesoli, ein wahre Riff-Inferno, Tempi- und Tonartwechsel am Fließband und Doublebass-Gewitter.

Eines wird beim hören klar – GAMMA RAY wollten sich hier ein Denkmal setzen und keinesfalls einen weiteren Rohrkrepierer abliefern. Die Mission kann unterm Strich zwar als erfolgreich bezeichnet werden, leidet aber unter Schönheitsfehlern wie eine stellenweise nicht einheitliche Produktion, Hansens deutliche Stimmprobleme und die ein oder andere Hommage zu viel. Es entsteht der Eindruck einer Band, die hier an ihre Grenzen gegangen ist und diese auch nahezu erreicht hat. Dafür knappe acht Pommesgabeln.

8/10

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