Die legendärsten Kölner Metalbands – Teil 1: JACK SLATER

koelner-metalbands-jackslater

In weniger als 8 Wochen findet im Kölner Kulturbunker unser zweites Cologne Metal Festival statt, welches denn Anspruch hat die lokale Szene möglichst breitflächig zu repräsentieren. Zur Einstimmung haben wir eine Interview-Reihe für euch vorbereitet, die sich mit den Wurzeln der Kölner Szene befasst.

Die Band, mit der wir starten, hat sich 2011 aufgelöst und war überregional einer der bekanntesten Namen der Kölner Metal-Szene

Teil 1: JACK SLATER

Hi Horn, von wann bis wann wart ihr aktiv?

„Jack Slater wurde 1995 gegründet und wir haben dann 16 Jahre lang die Bühnen in Deutschland und Europa mit unserem eigenwilligen Technical Death Metal unsicher gemacht. In der Zeit haben wir ein Demo (1996 „Abhängig), eine 4-Track EP (1998 „Crescendo“) und vier komplette Alben veröffentlicht (2001 „Playcorpse“, 2004 „Metzgore“, 2008 „Blut/Macht/Frei“, 2010 „Extinction Aftermath“). Hunderte Konzerte später war es dann 2011 Zeit zu gehen und die Band wurde gebührend zu Grabe getragen.“

Was war eure größte Show?

„Das war wohl unser Gig auf dem Summer Breeze Open Air 2009. Wir haben als erste Band des Tages in dem riesigen Zelt gespielt, aber haben es geschafft, das Ding bis auf den letzten Platz zu füllen. Die Leuten standen dicht an dicht und sogar außerhalb des Zeltes, weil sie sich nicht mehr rein drängen konnten. Unglaublich – was für eine Party! Wir waren sehr stolz darauf, als kleine deutsche Pimmelband Nachmittags das Zelt so zu füllen und so viele Leute zu sehen, die Bock auf unsere Musik hatten.“

Und welche die denkwürdigste?

„Oh, da gab es so viele! Wir haben hunderte Konzerte im Laufe der Zeit gespielt, da eines raus zu picken ist schwer. Das vielleicht denkwürdigste Indoor-Konzert war 2008 in der Markthalle Hamburg. Der Laden war rappel voll und die Leute waren einfach in absoluter Feierlaune. Wir haben alle zusammen den Laden auseinandergenommen! Und später im Laufe des Abends bin ich noch besoffen bei den Japanischen Kampfhörspielen von der Bühne gehüpft und habe mir einen Schädelbasisbruch zugezogen – good old times, haha!

Aber es gab noch ewig viele andere Gigs, die man erwähnen könnte, Ende der 90er in Nürnberg zum Beispiel, ein kleiner Gammelladen hatte wohl seine Stromrechnung nicht bezahlt, also wurde mit Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabeln der Strom von einem 200m weit entfernten Restaurant geholt und während des Gigs bekamen wir alle ständig Stromstöße zugesetzt. Auch sehr cool, hehe, kann man mal machen.

Stolz waren wir auch auf unsere insgesamt drei Auftritte auf dem Fuck The Commerce Festival, damals, als das FTC noch eine wichtige Hausnummer im Underground Death Metal war. Unsere eigene Bonner Konzertreihe „R(h)ein in die Fresse“ war auch immer wie ein schöner Geburtstag.“

Wie hast du die lokale Szene zu deiner Anfangszeit empfunden?

„Ich fühle mich alt, wenn ich das sage, aber das war einfach eine andere Zeit damals. Heute spielt sich alles online ab. Facebook, YouTube, etc.. Die Bands haben teils 10000 Fans bevor sie überhaupt ihren ersten Gig gespielt haben – wahnsinn! Damals, wenn man was erreichen wollte, gab es nur eine einzige Möglichkeit: Sich den Arsch abspielen. Überall. In jedem noch so kleinen Kaff. Am Wochenende nach der Arbeit ab ins Auto, hunderte Kilometer irgendwo hinfahren, aufbauen, zocken! Nächstes Wochenende das gleiche wieder von vorne. Und es war eine gute Zeit, ehrlich gesagt. Ich erinnere mich gerne daran zurück.

Eine Anekdote aus der Zeit ist auch das Underground Flyer Netzwerk. Jeder hat seine Flyer für Releases, Veranstaltungen etc. an andere Bands verschickt, die wiederum haben die Flyer dann weiterverteilt, auf Konzerten ausgelegt, bei Bestellungen mit dazu gelegt und weiter verschickt. So gingen Flyer durch Deutschland und die ganze Welt. Schon verrückt, wenn man es mit heute vergleicht, wo man mit einem Mausklick das zigfache an Leuten erreichen kann. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

Aber es hatte eben auch sein Gutes. Ich behaupte ältere Bands mussten gerade am Anfang ihrer Karriere härter dafür arbeiten, sich erst einmal Gehör zu verschaffen und sind dadurch auch gewachsen. Heutzutage schaust dir teilweise irgendwelche musikalisch hochtalentierten 20-jährigen auf der Bühne an, die stehen da wie die Stubenhocker, starren auf ihr Griffbrett und haben keine Ahnung von Bühnenpräsenz, da kommt nichts rüber. So etwas lernst du halt nicht auf Facebook, sondern nur auf der Bühne. Live spielen, live spielen, live spielen – immer und überall.“

jackslater-horn-2

Horn – Vocals, Ex-Jack Slater

Wie nimmst du die heutige Szene wahr?

„Alles anders und doch irgendwie gleich. Trends kommen und gehen. Jeder will überall präsent sein, die Möglichkeiten haben sich enorm verändert, aber am Ende sind Leute mit ihren Instrumente auf der Bühne und geben ihr Bestes. Und das ist es was zählt. Was ich allerdings mit Sorge in den letzten Jahren immer mehr bemerke, sind Veranstalter mit ihren Pay-to-Play Modellen. Das gab es zwar schon immer, aber gefühlsmäßig hat das stark zugenommen. Ich kann jeder jungen und alten Band nur raten: Spielt euch den Arsch ab, wachst als Band, werdet bekannter und vielleicht dauert es dann 2 oder 3 Jahre länger, aber wenn ihr gut seid, werdet ihr irgendwann auf Festival XY spielen können, ihr habt es euch dann aber verdient, spielt einen besseren Slot und bekommt sogar noch Kohle dafür. Das ist der richtige Weg, nicht das Portemonnaie aufzumachen und sich irgendwo einzukaufen.“

Denkst du ein großer lokaler Event wie das Cologne Metal Festival, der von und für die Szene gemacht ist, kann für Bands dennoch ein Sprungbrett zu überregionaler Bekanntheit sein, auch wenn diese erst ab einer bestimmten Anzahl selbst verkaufter Tickets mitverdienen können?

„Klar kann es das. Jedes Konzert sorgt dafür. Vorausgesetzt man kann was, natürlich. Neue Leute entdecken einen, man lernt andere Bands kennen, tauscht sich mit denen aus, wenn man zusammen passt, organisiert man vielleicht für die Zukunft mal was zusammen und so weiter. Und auf dem Konzert lernt man dann wieder neue Leute kennen. Ich habe es ja in dem Interview schon öfters erwähnt, aber meiner Meinung nach ist live spielen und gute Konzerte geben der einzig richtige Weg zum Erfolg.“

Was für einen Ratschlag würdest du jungen Musikern mit auf dem Weg geben, die es wirklich ernst meinen?

„Seid euch im Klaren darüber, dass Metal trotz aller Popularität ein Nischenmarkt ist. Wenn ihr also Geld mit Musik verdienen wollt, sucht euch lieber eine andere Musikrichtung. Macht eine Coverband oder so, da gibt es noch was zu holen. Für jede Band, die es im Metal zu etwas bringt, gibt es zehntausende andere, gescheiterte Bands. Wenn ihr Metal machen wollt, dann macht es, weil ihr die Mucke liebt, weil ihr Idealisten seid, weil ihr Bock darauf habt. Dann wird aus eurer Band, mit viel harter Arbeit, Talent, Kreativität, Durchhaltevermögen und Glück vielleicht eventuell möglicherweise irgendwann mal etwas. Lasst euch nicht verarschen, unterschreibt nichts, was ihr nicht irgendwem gezeigt habt, der sich damit auskennt, macht keinen Pay-to-Play Mist, probt regelmäßig und spielt euch den Arsch ab. Immer. Überall.“

Danke dir soweit. Hast du aktuell Pläne, Neuigkeiten oder Anekdoten, die du unseren Lesern mitteilen willst?

„Hab‘ schon wieder viel zu viel gelabert, hehe. Daher nur kurz: Wer Jack Slater nicht kennt, kann das auf unserem alten YouTube Channel nachholen. Ich habe dort vor ein paar Monaten sämtliche Alben hochgeladen (http://www.youtube.com/jackslater667). Ansonsten mach ich wie zu Anfang 2000 wieder kleine dumme Cartoons (http://www.youtube.com/tooncraft), kann man auch mal reinschauen, wenn man möchte. Und nach meinem kurzen Ausflug in Fun-Grind Gefilde, habe ich seit kurzem wieder eine ernstzunehmende Band. Technischer Death Metal – „Chaos God Conception“. Wir sind gerade erst in den Anfängen, nehmen ein Demo auf und so, aber ab 2015 werden wir auf den Bühnen dieser Welt Gas geben. Schaut vorbei!“

David Timsit

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s