Opeth – Pale Communion

opeth-pale communion

David Timsit

Label: Roadrunner Records
Spielzeit: 55:38

Unabhängig davon welche Haltung man persönlich zum radikalen Stilwechsel des Vorgängers „Heritage“ hat – der Wandel von Progressive Death Metal hin zu verspieltem Retro Rock dürfte die Band unterm Strich zahlreiche Hörer gekostet haben. Das mag nicht klug sein, aber mutig und ehrlich allemal. So wird es sicherlich keinen überraschen, dass die Truppe um Mastermind Akerfeldt am eingeschlagenen Kurs weitestgehend festhält. Das stellen bereits die ersten drei Sekunden des Openers „Eternal Rains Will Come“ klar. Eine angezerrte Orgel und trockene Jazz-Drums läuten die neue Scheibe mit Ansage ein. Anschließend nimmt sich die Nummer über die Gebühr Zeit für einen ruhigen Aufbau, so dass die ersten Takte Gesang erst ab Minute 03:16 zu hören sind. In der Zeit hat manch andere Band ihren Opener schon durchgezockt. Macht euch also einen Tee, köpft einen Wein oder lasst Wasser in die Badewanne, wenn ihr die Scheibe auflegt. Das Ding braucht Aufmerksamkeit und will durchgehört werden. Die etwas aufgeräumtere Produktion sorgt dennoch für etwas mehr Zackigkeit, so dass im Gegensatz zu „Heritage“ nicht immer der 70s Vibe im Vordergrund steht. Manche Tracks entwickeln hinsichtlich Groove und Melodieführung eine gewisse Tool-Aura. Härter wird es aber auch zu keiner Zeit. Dafür ist Akerfeldts Stimme zeitweise erstaunlich rau. Bei dem überlangen, epischen „Moon Above, Sun Below“ überschlägt sich die Stimme schon mal etwas und bei „Voice Of Treason“ wird durchaus auch mal ein etwas energischerer Tonfall angeschlagen, ohne in naive Muster zurückzufallen. Jekyll und Hyde scheinen zueinander zu finden und Frieden miteinander zu schließen, statt einen Kampf der Kontraste miteinander auszufechten. Ein schöner Audruck von Reife. Das abschließende „Faith In Others“ beginnt mit traumhaften Streichern und verströmt eine folkige, verträumte Melancholie im Stile von Midlake. Eine wunderbar wolkenverhangene Ballade, die aber gleichermaßen voller Liebe und Heiterkeit ist. „Pale Communion“ ist ein wunderbar erwachsenes Album, das auf emotionaler Ebene dennoch erstaunlich leicht zugänglich ist. Handwerklich gibt es trotzdem eine Menge zu entdecken, was das Album wieder einmal für die selbst musizierende Klientel sehr spannend macht. Es ist gut, dass Mikael Akerfeldt den Stilbruch gewagt hat. Wie viel Sinn das gemacht hat, offenbart sich mit „Pale Communion“ erst so richtig. Es wäre ein Verbrechen gewesen, hätte der Mann zurückgehalten, was in ihm steckt.

9/10

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