Die legendärsten Kölner Metalbands – Teil 4: GUERRILLA

koeln-metal-guerrilla

Unsere Artikelreihe zur Einstimmung auf das Cologne Metal Festival geht in die vierte Runde.

Die heutige Band ist eine der populärsten regionalen Combos ihrer Zeit, da sie wirklich an jeder Steckdose gespielt haben und das bei weitem nicht nur in Köln.

 

Teil 4: GUERRILLA

Heyho Pete, erzähl doch mal ein paar Takte zu eurer Bandgeschichte.

„Guerrilla wurden 1994 von Timur Slapke gegründet. Ich bin im März 1997 dazu gekommen. Mein Vorgänger hat mir selber gesteckt, dass er keine Lust mehr auf die Band hat und mich gefragt, ob ich mich als Nachfolger vorstellen will. Das kam gerade rechtzeitig weil ich schon drauf und dran war umzuziehen. Ich war schon länger auf der Suche nach einer neuen Band. Es ging gut los: wir veröffentlichten 1998 eine EP und 2001 kam ein Longplayer raus. 10-12 Gigs im Jahr haben wir damals schon gespielt und unser alljährliches Brainslaughter Festival war immer gut besucht. Das lag natürlich auch daran, dass wir immer die besten Untergrund-Bands aus dem Kölner Dunstkreis am Start hatten: Ages gone, Aardvarks, Jack Slater und Baron um nur einige zu nennen. 1999 kam Martin Below als Schlagzeuger dazu. Das hat der Band einen echten Schub verpasst. So richtig in Fahrt kamen Guerrilla allerdings erst im Sommer 2002 als Marc Schwarz als hauptamtlichen Sänger einstieg. Bis dahin hatte Timur sich mit mir den Gesang geteilt. Gleichzeitig kam Andreas Westphal am Bass in die Band der sich fortan um Gigs kümmerte und dann erhöhte sich die Schlagzahl sprunghaft. Von 2002 bis 2005 ging es richtig ab. 2006 beschlossen wir eine neue CD zu machen und stellten das ständige touren weitgehend ein. Wir fielen alle in ein Loch und die Stimmung im Proberaum war mies. Wir hatten den Fehler gemacht und nach den Gigs keine Auszeit genommen. So wurden Marc und ich als Störfaktor erkannt und rausgeschmissen. Davon hat sich die Band nicht mehr erholt. Du kannst nicht einfach den Sänger und einen Songwriter rauswerfen und erwarten, dass es einfach irgendwie weiter geht. Da hat es auch nichts genützt, dass die Band mit Kickstart Revolution 2010 ihr bislang stärkstes Album veröffentlichte. Natürlich waren meine beiden Nachfolger – erst Alex, dann Kevin – tausendmal bessere Gitarristen als ich, aber du musst nicht den besten Mann haben sondern den richtigen. Für Marc hat es in meinen Augen nie adäquaten Ersatz gegeben. Folgerichtig löste sich Guerrilla 2013 leider auf. Mit Sicherheit werden mir meine Ex-Kollegen hier und da widersprechen aber das ist ja auch nur meine Sichtweise und ab 2006 auch noch von außen und damit weit weg.“

Bedauerlich, zumal ich euch als zugereister Münchener nie live gesehen habe. Was war eure größte Show?

„Rein von der Zuschauerzahl her dürfte es das Up From The Ground 2004 gewesen sein, wo offiziell glaube ich um die 3000 Leute waren. Mehr Leute vor der Bühne hatten wir allerdings mit Sicherheit zum Beispiel beim Dong Open Air oder beim Winternachtstraum Festival in Arnsberg.“

Und welche die denkwürdigste?

„Ha, jetzt weiß ich es wieder: Das war der Gig wo wir uns hinterher die Birne vollgeschüttet haben. Na gut, blöder Witz. Das haben wir natürlich immer getan. Auf diese Frage müsste ich mit einem Buch antworten. Wir haben ja lange Zeit fast jedes Wochenende irgendwo gespielt. Von 2002 bis 2005 waren es über 150 Gigs. Wir sind kreuz und quer durch Deutschland und noch hier und da ins benachbarte Ausland gegurkt. Oft waren wir mit den Kumpels von Jack Slater unterwegs. Das hat immer gekracht, nicht nur auf der Bühne sondern natürlich auch party-mäßig. Aus meiner Sicht war der 30. September 2006 sehr besonders weil der Marc und ich an diesem Tag unseren letzten Auftritt mit Guerrilla hatten. Es war eine unglaubliche Stimmung und ich habe echt gelitten.“

Wie hast du die lokale Szene zu deiner Anfangszeit empfunden?

„Mitte der 80er hat sich das sehr aufregend angefühlt dazu zu gehören. Es war neu und ich war ein Teenager Die Szene in Köln war recht übersichtlich weil sie gerade erst entstand. Da kannte wirklich fast jeder jeden. Es gab deutlich weniger Bands und ich war stolz, dass ich die alle kennen lernen durfte. Ich war ja noch ein blutiger Anfänger der nach jedem Akkordwechsel seine Finger entknoten musste. Bei Jumpin Jesus im Proberaum mit rumzuhängen und dem Mike Gagel auf die Finger gucken können war Gold wert. Es gab ja kein Youtube, wo mir irgendein Gitarrenfreak haarklein jedes Geheimnis jedes beliebigen Riffs vorgekaut hätte. Die Läden wie Dschungel und Engelshof waren zwar gut gefüllt aber nicht überlaufen und all die großen Bands wie Metallica, Slayer, Overkill, Iron Maiden, Megadeth, Testament, Queensryche und so weiter strebten damals gerade dem Höhepunkt ihrer Karriere entgegen und es gab eine ganze Reihe neuer, hungriger Bands, die neue Einflüsse brachten und ganz neue Genres begründeten.“

pete-guerrilla-koeln

Pete – Gitarre, Ex-Guerrilla / Driven By Demons

Und wie nimmst du die heutige Szene im Vergleich dazu wahr?

„Sehr nüchtern, obwohl es immer noch Spaß macht. Die Magie ist aber weg. Es gibt keine Geheimnisse mehr: Wie macht man diesen oder jenen Sound, wie spielt man dieses Lick, was treibt der da am Schlagzeug? Man hat alles schon mal gehört und gesehen. Die großen Bands sind durch die Bank über den Zenit und man muss schon sehr aufwändig nach aufregenden Bands suchen die kreativ sind. Die Medien nehmen dir die Arbeit des filterns ja leider nicht mehr ab, sondern schreiben nichtssagende Reviews am Fließband. Es ist in jeder Hinsicht unübersichtlich geworden. Mir fehlen vor allem die Nachfolger von Metallica oder Slayer. Solche Karrieren sind heute so gut wie unmöglich. Keiner hat mehr die Zeit, das Geld und die Geduld eine Band so aufzubauen und die Fans würden einer Band wie Kreator, die eine Flag Of Hate Maxi veröffentlicht, keine drei Jahre und drei Alben geben und sagen: Lass uns mal sehen was aus denen wird. Sie werden mir fehlen, die Großen. Okay: Das ist typisches früher-war-alles-besser-Gejammer. Was dieses Thema angeht war es früher aber nun mal besser. Jeder 18-jährige, dem ich erzähle, dass ich alle diese Bands auf dem Höhepunkt ihrer Karriere gesehen habe will mir den Hals umdrehen. Das ist für mich der klare Beweis, dass uns allen in den nächsten Jahren immer mehr fehlen wird und nicht nur mir altem Sack.“

Denkst du ein großer lokaler Event wie das Cologne Metal Festival kann für hiesige Bands dennoch ein Sprungbrett zu überregionaler Bekanntheit sein?

„Ja, sicher. Du kannst mit so was in der Region einen Fuß in die Tür kriegen und eigene Zugkraft beim Publikum aufbauen, für die du sonst 2 Jahre lang die lokalen Clubs vor jeweils 20 Leuten beackern müsstest – wenn du denn einen so starken Gig hinlegst, dass sich die Kölner deinen Namen merken. Dann kommen sie vielleicht auch wenn du in den Kölner Clubs spielst. Wenn sich das bis zu den Veranstaltern der Open-Airs in der näheren Umgebung rumspricht, kommst du vielleicht auch bei denen ins Line-Up und so weiter.“

Was für einen Ratschlag würdest du jungen Musikern mit auf dem Weg geben, die es wirklich ernst meinen?

„Nehmt euch ernst aber nicht wichtig. Glaubt an euch aber seid selbstkritisch. Steckt euch keine langfristigen Ziele. Macht kleine Schritte, einen nach dem anderen. Haltet zusammen. Es ist leichter sich zu einigen als ein neues Bandmitglied zu finden. Spielt jeden Gig als gäbe es kein Morgen. Es kann nur sehr wenige Bands geben die es nach oben schaffen. Da ist wenig Platz. Wenn alles mit rechten Dingen zu geht werdet ihr es nicht schaffen. Ich habe es bis heute nicht geschafft und ich habe trotzdem immer noch Spaß an der Musik und ich bereue keine Minute die ich für diesen Wahnsinn gelebt habe und leben werde.“

Das kann ich nur bestätigen. Danke für deine Zeit. Was steht bei euch aktuell noch so an?

„Ich bin unglaublich gespannt ob uns das Kunststück gelingen wird, das Cologne Metal in Köln zu etablieren. Natürlich habe ich auch ein wenig Paranoia davor, dass wir uns mit dem Ding auf die Fresse legen. Das kann immer passieren aber ich habe keine Angst und freue mich auf die Show. Wenn das vorbei ist geht es direkt weiter mit meiner Winterausgabe des Bergisch Metal Festivals. Freut euch auf ein eisenhartes, extrem hochwertiges Line-Up. Dazwischen werde ich mit meiner Band Driven By Demons unsere neue EP fertig mischen. Die Aufnahmen sind im Kasten. Wir sehen uns am 27. September!“

David Timsit

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s