Die legendärsten Kölner Metalbands – Teil 5: SKUM

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Noch gut 4 Wochen trennen uns vom zweiten Cologne Metal Festival – im Zuge dieser Reihe stellen wir im Vorfeld die legendärsten Kölner Bands vor.

Die heutige Band hat nicht nur durch ihre Musik ihre Spuren in der Szene hinterlassen. Unser Gesprächspartner und Bassist Christian hat darüber hinaus das lokale Bret Hard Records Label gegründet und zahlreichen hiesigen Bands eine Plattform geboten.

 

Teil 5: SKUM

Hi Christian, danke für deine Zeit. Erzähl uns kurz wer SKUM ist und was ihr bislang so getrieben habt.

„SKUM wurden 1999 in gegründet. Seitdem lärmen wir ununterbrochen weiter. Von der Urbesetzung sind mittlerweile nur noch Nikola (Vocals) und Christoph (Drums) übrig. Ich bin seit 2008 dabei, Roberto seit 2009 und seit Anfang diesen Jahres ist Robert an der zweiten Gitarre an Bord. Von mir aus können es auch noch weitere 15 Jahre werden.“

Das ist ja schon ein Weilchen. Was war eure größte Show?

„Na ja, wir sind ja eher so Jugendzentrumsgammler ha ha. Ich denke unsere bis jetzt größte Show findet erst im Oktober diesen Jahres mit Asphyx in Ostdeutschland bei den Chronical Moshers statt. Da freuen wir uns alle sehr drauf!“

Und welche die denkwürdigste?

„Für mich persönlich war das unsere Releaseparty zu unserem aktuellen Album “PRAšINA”
im MTC (Köln) am 01.02.2013. Die Hütte war brechend voll und die Meute ist zu unserem 2-Stunden-Set echt ausgerastet. Nachdem wir gute drei Jahre an der Platte geschrieben und aufgenommen haben, war es doch ein sehr geiles Gefühl die Platte live loszulassen. Wir haben ja auch wirklich alles selbst gemacht. Das Artwork stammt von Roberto, die Aufnahmen hat Christoph gemacht, ebenso den Mix und das Mastering. Ich habe “PRAšINA” dann auf meinem ehemaligen Label Bret Hard Records veröffentlicht, wo wir aber immer noch unter Vertrag sind. Uns ist der DIY Gedanke schon sehr wichtig, ich mag das Gefühl selber etwas erreicht zu haben. Wir hatten auf der Releaseparty als Vorband die Kölsch-Truppe Aach und Kraach dabei, die vom Publikum echt gut aufgenommen wurde. Das mag natürlich auch daran liegen, dass in der Band auch alte Metaller wie z.B Kevin und Guido (Aardvarks) spielen. Mittlerweile ist unser Christoph ja dort auch im Line Up.“

So schließt sich der Kreis. Die Aardvarks hatten wir ja in dieser Reihe auch schon vorgestellt. Gehen wir mal zurück zu den Wurzeln – wie hast du die lokale Szene zu deiner Anfangszeit empfunden?

„Hmm, gute Frage. Das ist mittlerweile ja auch schon fast 20 Jahre her. Das war einfach eine andere Zeit. Ich kann da auch nur von mir sprechen, zu der Zeit war ich noch nicht bei SKUM sondern habe seit 1997 bei ORKUS Gitarre gespielt. Wir kamen halt vom Land. Da von einer Szene zu sprechen ist übertrieben. Es gab einen Haufen Verrückte, die auf Metal abgefahren sind und natürlich auch mal in Köln die ein oder andere Party mitgenommen haben. Aber als Band waren wir am Anfang doch recht isoliert. Internet hatte damals von uns noch keiner zu Hause, CD Brenner waren unbezahlbar etc. . Dafür war die Zeit aber auch wesentlich intensiver. Ich war immer in der Metal- und der Punkszene zu Hause. Was wir damals nicht hatten, machten wir selbst, so ist es bis heute geblieben. Das erste Orkus Demo haben wir damals mit Ingo und Lars von Endart (alte Hennefer Death Metal Heroen) in deren Proberaum auf 4 Spuren live eingezimmert. Pro Song zwei Versuche und dann war das im Kasten. Am Tag drauf hat Mirco dann nochmal verkatert drüber gebrüllt und fertig war das Ding. Das Tape kann ich mir auch heute noch guten Gewissens anhören und sagen „Ja, war geil!“. Das Cover des Demos hat auch damals schon unser Drummer gemalt. Um das Booklet zu kreieren hatte ich damals kein Photoshop. Da wurden Texte ausgedruckt und Fotos per Hand zurechtgeschnitten. Das ganze wurde auf einem Din A4 Blatt mit Schere und Kleber gelayoutet. Danach wurden im Copyshop die Farben invertiert damit der Hintergrund des Booklets schwarz ist. Dann schnell noch die Fotos draufgepappt und das ganze 200 mal durch den Laserkopierer gejagt. Der Besitzer hat mich gehasst, weil ich soviel schwarzen Toner verbraucht habe. Jedesmal wenn 20 Blätter durch waren, musste der erstmal den Kopierer warten, da überall der Toner klebte und es einen feinen Papierstau gab. Damals konnte man halt nicht einfach eine Datei per Mail an eine Druckerei schicken und das für 20 € drucken lasssen.

Skum Chris Bass

Chris – Bass, Skum

Gigs haben wir damals eigentlich alles selbst organisiert. Da bin ich dann Abends mit dem Wendt von Alchera mit Bus und Bahn durch Bonn und Köln gegurkt um herauszufinden wo man denn auftreten kann. Das war einfach eine schöne und naive Zeit die ich nicht missen möchte. Ohne Internet und den ganzen Firlefanz den es heute so gibt war das halt schon echt Arbeit. Dafür war es aber auch wesentlich nachhaltiger. Die Leute die ich damals kennengelernt habe, kenne ich auch heute noch. Da hat man Briefe per Hand geschrieben und Tapes durch halb Europa geschickt. Gefühlt war die Szene für mich auch etwas toleranter. Es war egal welchen Stil man gespielt hat, man hat sich unterstützt. Metal war damals auch wirklich noch Außenseitertum und fand nicht im Spiegel und auf ZDF statt. Es sei denn, es ist mal wieder ein Amoklauf oder „Satansmord“ passiert. Ich bin auf jeden Fall froh diese Zeit noch erlebt zu haben.“

Und wie nimmst du die heutige Szene im Vergleich dazu wahr?

„Viel Licht und viel Schatten würde ich sagen. Metal ist mittlerweile im Mainstream angekommen und das merkt man natürlich in allen Bereichen. Bei vielen Bands und ihrer Musik bzw. der Produktion ihrer Musik merkt man oft, dass das jetzt kommerziell erfolgreich werden soll. Solche Gedanken waren uns früher fremd und sind es mir heute noch. Ich hab oft das Gefühl, den Bands ist ihr Image wichtiger als Ihre Musik. Wenige Bands machen wirklich was eigenständiges, es wird viel abgekupfert um halt dazuzugehören. Zum Glück gibt es aber seit 2-3 Jahren wieder eine Gegenbewegung in der Szene, die wieder ursprünglicher an alles ran geht. Das gefällt mir sehr gut.“

Denkst du ein großer lokaler Event wie das Cologne Metal Festival kann für hiesige Bands dennoch ein Sprungbrett zu überregionaler Bekanntheit sein?

„Ehrlich gesagt, nein. Man gewinnt sicher ein paar Fans hinzu, aber ein Sprungbrett zur überregionalen Bekanntheit sehe ich da nicht.“

Was für einen Ratschlag würdest du jungen Musikern mit auf dem Weg geben, die es wirklich ernst meinen?

„Seid echt! Spielt nicht irgendeinen Stil weil er gerade angesagt ist, sondern weil ihr ihn liebt und genau diese Musik spielen wollt. Spielt von Herzen, das ist wichtig. Image und böse gucken kann jeder. Frei nach Heinz Strunk:’Was zählt ist abliefern!‘. Vor allem bleibt dran und macht es aus den richtigen Gründen. SKUM gibt es seit 15 Jahren, weil wir das Bedürfnis haben diese Musik zu spielen und weil es so etwas wie Familie ist. Ob wir jetzt 2 oder 200 Gigs im Jahr vor 5 oder 5000 Leuten spielen ist zweitrangig. Wenn wir auf die Bühne gehen, haben wir Bock drauf was kaputt zu machen. Das zelebrieren wir dann auch mit Inbrunst, wieviele Leute uns dabei zusehen, ist nicht so wichtig. Die Zeit für Rockstarscheisse ist vorbei.“

Danke für deine Zeit. Was steht bei euch aktuell noch so an?

„Wir arbeiten zur Zeit an einer neuen Platte. 15 Songs sind als Demo fertig. 10-11 werden es auf die Platte schaffen. Circa sieben haben wir davon schon als Band eingeprobt. Ich denke den Rest bekommen wir bis Ende des Jahres fertig. Danach wollen wir dann aufnehmen und das neue Monster natürlich so schnell wie möglich auf die Menschheit loslassen. Seid gespannt! Vielen Dank für das Interview!“

David Timsit

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