Accept & Damnation Day (Köln, Live Music Hall – 22.10.2014)

Accept @ Live Music Hall - Koln, Germany 2014-10-23 11-39-02

Die Kölner Live Music Hall zeigt sich seit dieser Woche metallisch wie schon lange nicht mehr. Am 21.10. gastierten EDGUY und MASTERPLAN, am 22.10. schauten ACCEPT vorbei, am Samstag den 25.10. beehren OPETH die Domstadt und als Nachschlag gibt es im benachbarten Club Underground am Dienstag den 28.10. noch die schwedischen Rock-Säue von MUSTASCH zu sehen.

Und das sollte noch nicht alles sein, wie wir gestern auf dem Weg zum ACCEPT Gig feststellten. Denn der Besucherstrom war ungewöhnlich groß und vom Seitenscheitel-Kiddie bis hin zum grauhaarigen Rock-Opa breit gefächert. Als der junge Anteil der schwarz gekleideten Meute plötzlich beim Underground abzweigte wurde klar, dass es mit der Einigkeit von Jung und Alt doch nicht so weit her war. Denn dort vergnügten sich die Kids lieber mit der Post-Hardcore-Truppe ESCAPE THE FATE. Und plötzlich fühlten wir uns, als Kinder der 90er, wie die Nesthäkchen im verbleibenden Kollektiv auf dem Weg zur Live Music Hall.

Willkommen in der Sardinenbüchse

Dort angekommen wurde schnell klar, dass es eine kuschelige Angelegenheit werden würde. Noch vor Beginn der Support-Band DAMNATION DAY war die Halle bereits voller, als sonst bei so mancher Hauptband. Der Verdacht drängte sich im Verlauf des Abends zunehmend auf, dass man hier 100-200 Tickets über der Kapazität der Location verkauft hatte. Die australische Vorband startete pünktlich um 20:00 Uhr direkt mit ihrer aktuellsten Videoauskopplung „Invisible, The Dead“ und präsentierte sich eine Kante zackiger als auf Konserve. Speziell Frontman Mark überraschte mit einer unglaublich vielseitigen Stimme zwischen angenehm warmen Rock-Tönen und Sirenen-artigen Vocals im Halford-Stil. Einen solch runden und breitbandigen Sänger sieht man nicht alle Tage. Und so überrascht es nicht, dass alle Augen auf den Frontman gerichtet waren, während der Rest der Band eher ein blasses Schattendasein fristete. Song für Song erarbeitete sich die Combo vom anderen Ende der Welt das Wohlwollen des Publikums und wurde nach etwa 45 Minuten mit viel Applaus verabschiedet.

Altmeister am Werk

wolf-hoffmann-accept-koeln

Als ACCEPT mit ihrem aktuellen Album-Opener „Stampede“ die Bühne enterten war die Halle so voll, dass die hintersten Reihen am Eingang quasi um die Ecke gucken mussten, um noch etwas mitzubekommen. Wir entschieden uns für freie Wege zu Theke, Merch und WC, weshalb wir mit einem Platz hinter dem Mischpult Vorlieb nahmen. Da dort aber bekanntlich der Sound am besten ist nicht die schlechteste Wahl. Und in der Tat schafften es die Vorreiter des Teutonen-Stahls ihren aktuellen Album-Sound nahezu verlustfrei zu reproduzieren. Angesichts der mächtigen Andy Sneap Produktion eine reife Leistung und einmal mehr ein Beleg für die ausgezeichnete Akustik der Live Music Hall. Leider war der Sound aber auch einen Ticken zu leise. Zumindest in den hinteren Reihen konnte man sich relativ gut unterhalten, während die Band spielte. Da kann man nach unserem Geschmack schon noch ein Pfund drauflegen, zumal man beim Mitsingen ja nicht nur sich und seine Nachbarn hören möchte, sondern auch noch was von der Band mitbekommen will. Stichwort „Mitsingen“ – den Fokus beim neuen Album „Blind Rage“ vermehrt auf klassische Zitate und nachvollziehbare Melodieführung zu legen erweist sich live als Geniestreich. Gerade „Final Journey“ wurde abgefeiert wie ein Klassiker aus den 80er. So schien es kaum jemanden zu stören, dass die Setlist sehr stark auf das neue Werk ausgerichtet war. Ein deutlicheres Zeichen für die Lebendigkeit und aktuelle Relevanz einer Band kann es nicht geben. Gratulation hierfür.

Oldschool lebt

Aber auch die Klassiker kamen nicht zu kurz. Man hatte das Gefühl ein Best Of zweier Bands gleichzeitig zu erleben – die Pre-Tornillo-Accept und die der Post-Tornillo-Ära. Der 2009 hinzugestoßene Sänger ist für die Wiederbelebung der Band maßgeblich verantwortlich und machte auch bei „Metal Heart“, „Fast As A Shark“ und „Princess of The Dawn“ eine hervorragende Figur. Dennoch fiel mindestens 50% des Spotlights auf den häufig solierenden und dauergrinsenden Wolf Hoffmann, der das beste Beispiel dafür darstellt, was für ein Jungbrunnen Musik sein kann. Für die Quasi-Zugaben „Teutonic Terror“ und dem obligatorischen „Balls To The Wall“ ließen sich die Herren am Ende nicht lange bitten. Man zockte ohne Allüren einfach straight durch. Und gerade der abschließende Klassiker verursachte nochmal eine Gänsehaut bei uns. Es ist einfach schön zu sehen wie vital und aktuell eine Band sein kann, deren Band-Klassiker einen schon über Jahrzehnte durch verschiedene Lebensphasen begleitete. Und als die ACCEPT-Besucher am Ende wieder auf die ESCAPE THE FATE-Kids trafen, marschierten alle gleichermaßen selig zu den Bahnen und Autos. Die Zeit seines Lebens zu haben ist scheinbar doch nicht nur ein Privileg der Jugend.

David Timsit

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