Wacken Roadshow 2014 (Köln, MTC – 06.11.2014)

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Kaum ein Begriff hat in der Metalszene so eine Relevanz wie „Wacken“. Was liegt da näher als einen tourenden Ableger der Marke auf die Reise zu schicken? Das Konzept existiert seit etwa 10 Jahren und pausierte zwischendurch. Um es vorweg zu nehmen – große Mühe die Events zu branden hat man sich nicht gemacht.

Trotz ausbleibender Dekoration, kaum Wacken-spezifischem Merch und kleinem Club, kamen zumindest mehr Leute, als man sie üblicherweise bei einem Konzert im MTC vorfinden würde. Verärgerung gab es bereits zu Anfang, da von verschiedenen Seiten verschiedene Einlasszeiten kommuniziert wurden. So standen schon die ersten Besucher gegen 17:00 Uhr vor der Location. Einlass war jedoch um 20:00 Uhr.

CRUD

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Wie mittlerweile üblich, wurde die erste Band früh auf die Bretter gestellt. Wer erst zum offiziellen Beginn um 20:30 Uhr erschien, hatte schon fast die Hälfte des Gigs der Dormagener verpasst. Diese präsentierten sich erstmals mit neuem Line-Up inkl. zweitem Gitarristen. Bereits bei dem Black Sabbath-artigen Intro merkte man den enormen Unterschied, den die Verstärkung an der Gitarre macht. Der Sound der Dark Rocker klang viel kräftiger und breiter. Auch der neue Drummer Robert überzeugt mit einem harten und tighten Spiel, welcher der Band ein metallischeres Soundgewand verpasste. Gewohnt lässig agierten hingegen die Langzeit-Bandmitglieder Daniel (Bass) und Jens (Vocals, Gitarre). Der lang gewachsene Frontmann mit dem wallenden schwarzen Haar versteht es hervorragend Distanz zu wahren und den introvertierten Goth Rocker zu geben, dabei aber nicht unterkühlt rüberzukommen. Kleine Nebensächlichkeiten, wie sich das Bier vom Publikum öffnen zu lassen, schaffen Nähe und Symphatie, anschließend wird sich wieder hinter der Matte versteckt und Melancholie verbreitet. Das etwa 30-Minütige Set erzeugte erste Bewegung im Publikum und CRUD dürften im bereits recht vollen MTC einige neue Freunde gefunden haben.

GRAILKNIGHTS

Relativ zügig ging es weiter im Programm mit einer Band, deren Superhero-Konzept so kreativ wie befremdlich wirkt. Während das etwas peinliche, natürlich nicht ernst gemeinte, Intro ablief, stellte die Truppe einen herumgestikulierenden Kollegen in Skeletor-Kostüm auf die Bühne, nur um den selbst wie eine Mischung aus Ninja Turtles und Power Rangers die Stage zu stürmen und extrem pathetischen, Festzelt-Metal unters Volk zu bringen. Das war schon eine harte Nuss für J.B.O.-Verweigerer und Sabaton-Ignoranten wie den Verfasser dieser Zeilen. Nichtsdestotrotz funktioniert der Kirmes immerhin gut genug um an diesem Abend einige Besucher in den Bann zu ziehen.

NIGHTMARE

Ein solch bunt gemischter Abend mit so vielen anwesenden Leuten lenkt natürlich vom Bühnenprogramm ab. So befand sich, neben den anwesenden Bands, auch lokale Prominenz – u.a. Fastball-Labelchef Andreas Bob und In Extremo Sänger Michael Rhein – unter den Gästen. Man stand mal hier, quatschte mal da und so kam es, dass wir den Auftritt von NIGHTMARE nahezu gänzlich verpassten. Die französischen Veteranen schmissen dem aufgewärmten Publikum ihren Metal klassischer Machart um die Ohren und man hatte erstmals das Gefühl, dass eine der Bands des Abends wirklich unter das (nicht vorhandene) Wacken-Banner passt.

JADED HEART

Wie man das Ganze noch eine Ecke geiler macht, präsentierte das internationale Kollektiv JADED HEART, das sich aus talentierten deutschen, deutsch-japanischen und schwedischen Musikern zusammensetzt. Für Drummer Bodo Stricker war Köln ein Heimspiel. Diese Band gehört definitiv auf große Bühnen. Hier trifft sich das Beste aus Heavy- und Power Metal. Mit großer Spielfreude, authentischer Attitüde und handwerklicher Extravaganz erzeugten die fünf Musiker erstmals an diesem Abend echte Begeisterung im Club. Dazu kam, dass sich der Sound mittlerweile auf einem fantastischen Niveau eingependelt hatte. Mit ihrem melodischen und dennoch zackigen Songmaterial, erinnerte die Band mehrmals an die Pretty Maids mit einem Schuss Iron Maiden in zweifacher Geschwindigkeit. Und das ist wahrlich keine schlechte Referenz.

LACRIMAS PROFUNDERE

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Die populärste Band des Abends war zuletzt 2013 im Rahmen des Winter Ends Festivals in Köln. Ganz so viele Leute zog man diesmal nicht und das Set war ähnlich kurz, aber die Goth Rocker präsentierten sich spielfreudig wie eh und je. Speziell Ur-Mitglied Oliver Nikolas Schmid ist ein Bühnenmensch mit Leib und Seele. Man kann gar nicht anders als lächeln und mitnicken, wenn einem so viel gute Laune von der Bühne entgegenkommt, die den eigentlich einnehmend atmosphärischen Sound kontrastiert. Die Setlist wirkte sehr gestrafft und einem „Best Of…“-Programm entsprechend. Überraschend beendete man das Set nach dem hervorragenden Klassiker „Ave End“ dann auch ohne Zugabe.

FAZIT:

Da ist sie also vorbeigerauscht, die Wacken Roadshow. Während man hervorragenden Bands wie CRUD, JADED HEART oder LACRIMAS PROFUNDERE absolut keine Vorwürfe machen kann, so wirkt das ganze Konzept doch recht arm. Gerade bei einem Veranstalter, der seinen Hauptevent mit so viel Liebe zu Detail gestaltet, hätte man das ein oder andere Gimmick erwarten können. Stattdessen stellte man fünf Bands in einem straffen Zeitkorsett auf die Bühne und dies in einer Zusammenstellung, die beliebig und merkwürdig ausgewählt schien. Zumindest gab sich das MTC alle Mühe den Zustand ihrer Toiletten dem Niveau von Dixie-Klos anzupassen. In dem Loch da unten hatte man auf jeden Fall Wacken-Feeling. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Konzept enttäuschte leider auf ganzer Linie, die Bands aber überwiegend nicht. Wenn diese merkwürdige Tour dazu führt, dass ein paar gute Bands neues Publikum für sich finden, kanns so verkehrt wiederum nicht gewesen sein.

David Timsit

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