Kommentar: Die grußlose Anrede

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Leser,

jetzt diesen Artikel lesen und Klappe halten!

Hoppla? Ja genau, das denke ich mir neuerdings auch, wenn ich Nachrichten von (überwiegend US-) Partnern und anderen Unternehmen bekomme.

Die grußlose Anrede breitet sich auch hierzulande immer mehr aus und ist die sprachliche Konsequenz einer entsprechenden Geisteshaltung. Der Empfänger wird auf eine Call-To-Action-Marionette heruntergebrochen, die gefälligst eine Anordnung zu befolgen hat. Zum Beispiel Geld ausgeben oder eine Rezi schreiben.

Sehr geehrte Befürworter der Massenmenschhaltung,

die Tatsache, dass ihr eurer Handlungsanweisung meinen Namen voranstellt ist keine persönliche Ansprache. Dementsprechend wenig interessiert mich euer Anliegen. Und sollten wir bereits in Kontakt zueinander stehen, dann seid ihr so auf dem besten Weg, dass sich das ganz schnell wieder ändert. Das gilt für jegliche Geschäftsbeziehung und für einen finanziell unabhängigen Blog wie diesen umso mehr.

Betont freundliche Grüße

Euer David

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Kolumne: Sind KATATONIA am Ende?

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Von allen Bands, die sich in meiner Top 10 wiederfinden sind KATATONIA die am letzten hinzugestoßene. Die einzige Band, die es nach den 90er noch geschafft hat sich in die Riege meiner All-Time-Faves einzugliedern. Doch der Motor scheint zu stottern und wie es weitergeht steht in den Sternen.

Als KATATONIA 2003 „Viva Emptiness“ veröffentlichten war mir nach dem ersten Durchgang – damals schon fortschrittlich als exklusiver Stream per Online-Radio eines Kollegen – klar, dass hier etwas ganz besonderes entstanden ist. Die Band war mir zuvor nur lose ein Begriff, aber das Ding traf genau meinen Nerv. Und zwar so sehr, dass ich kurze Zeit später die Diskographie nachholte und infolge meiner Begeisterung für die Band gar guten Geschmack davon abhängig machte, ob mein Gegenüber Katatonia-Hörer war oder nicht. Die Mischung aus Feingeistigkeit und Naturgewalt bediente eine Nische, die zu dieser Zeit noch nicht so häufig bedient wurde wie heutzutage durch Post-Rock und co..

Der Durchbruch

Mit der 2006er Scheibe „The Great Cold Distance“ war der künstlerische und kommerzielle Höhepunkt erreicht. Die Formel des Vorgängers wurde weiter verfeinert, das Songwriting war noch treffsicherer und die Produktion ein audiophiler Hochgenuss. Songs wie „July“ und „My Twin“ hatten gar Club-Format und verschafften der Band einen Sprung über den eigenen Tellerrand hinaus. KATATONIA-Fan zu sein war nicht mehr so ein exquisites Attribut unter den Wissenden wie noch zuvor, aber auch der elitärste Fan musste einsehen, dass es sich um das qualitativ hochwertigste Werk bis dahin handelte.

Burn-Out

Weitere drei Jahre sollten verstreichen, bis die Unantastbaren ihr nächstes Werk „Night Is The New Day“ in die (mittlerweile deutlich vom Zeitgeist gezeichneten) Plattenläden brachten. Und wie man unverhohlen zugab, war dieses Werk eine äußerst schwere Geburt. Kommerziell war es, je nach Region, ähnlich erfolgreich wie der Vorgänger. Bedingt durch eine Schreibblockade einer der Hauptsongwriter – Gitarrist Anders Nyström – lastete die Verantwortung überwiegend auf den Schultern von Sänger Jonas Renkse. Dies führte letzlich dazu, dass das Album sehr viel weniger Gitarren-orientiert war und deutlich verkopfter ausfiel. Die meisten Fans nahmen die Platte dennoch wohlwollend auf, doch es wurde zunehmend salonfähig KATATONIA auch mal kritisieren zu dürfen. Die fehlende Frische und das sperrige Songwriting waren zumindest diskussionswürdig. Die Band tat sich in der PR desweiteren keinen Gefallen damit ihr Studio in Interviews ein „Rattenloch“ zu nennen und auf die Mühseligkeit des Entstehungsprozesses zu verweisen.

Besetzungswechsel

Nur wenige Monate nach dem Album entschieden die Ur-Mitglieder und Brüder Fredrik (Gitarre) und Mathias Norrmann (Bass) die Band zu verlassen. Böses Blut gab es dabei keines – familiäre Gründe wurden als hauptsächliche Gründe in den Pressemitteilungen genannt. Dennoch blieb im Gesamtkontext der Nachgeschmack zurück, als verließe man ein sinkendes Schiff.

Live eine Macht

Glücklicherweise hat dies der Band nicht geschadet. Im Gegenteil hatte man mit dem neu hinzugestoßenen Per Eriksson an der zweiten Gitarre endlich mal eine extrovertierte Persönlichkeit auf der Bühne. Im Zusammenspiel mit der zunehmenden Souveränität der Band als Live-Formation führte dies dazu, dass die als Live-Flop verschriene Combo ihren Ruf zunehmend zu widerlegen wusste.

Sackgassen-Könige

Dem 3-Jahres-Rhythmus blieb man auf Release-Seite treu und lieferte 2012 mit „Dead End Kings“ ein ordentliches, deutlich rockigeres Album als zuletzt ab. Höchstwertungen seitens der Presse und die vollkommene Euphorie unter den Fans blieben jedoch aus. Dabei machten die Schweden gar nicht so viel falsch und lieferten die passende Reaktion auf den letzten Release ab, wenngleich man das Rad sicherlich nicht mehr neu erfand. Allerdings reagierte man seitens der Band sehr dünnhäutig auf Kritik, was sich in unnötig persönlichen Kommentaren auf Facebook durch Anders Nyström bemerkbar machte. Es schien, als sei sich die Band ihrer Selbst nicht mehr sicher und suche nach der verlorengegangenen Reputation als schicke Aushängeschilder für anspruchsvolle Edel-Rocker. Der Lack war irgendwie ab und die Verkäufe, trotz steigender Chartpositionen, rückläufig. Dies war natürlich dem sich ändernden Markt geschuldet, dennoch ist dies eine beängstigende Situation für Musiker, die ihr Einkommen aus dem eigenen Schaffen beziehen.

Orientierungslosigkeit und Release-Flut

Das Ende des Lebenszyklus einer Band wird oft von sich häufenden B-Releases eingeläutet. KATATONIA hatten im Zeitraum zwischen 2012 und 2014 derer gleich drei im Gepäck. So schob man eine merkwürdige „Akustik“-Version von „Dead End Kings“ hinterher, die per Crowdfunding finanziert wurde und im Wesentlichen aus Spuren bestand, die in den originalen Sessions bereits vorhanden waren. Wenig Aufwand, viel Marketing. Eine unschöne Geste. Die Wiederveröffentlichung von „Viva Emptiness“ mit neuem Mix und zusätzlicher Gesangsspur auf dem ursprünglichen Instrumental „Inside The City Of Glass“ roch auch nach einem schnellen Euro. Und dass man in diesem Zeitraum unbedingt noch das Live-Album „Last Fair Day Gone Night“ nachschieben musste, wirkt schon fast etwas verzweifelt.

Und wieder rumpelt es im Line-Up

Nicht mehr so freundlich und respektvoll klang der Ton der Pressemeldung an, als man sich Anfang dieses Jahres überraschend von dem ehemaligen Neuzugang an der Gitarre, Per Eriksson, trennte. Es habe „Meinungsverschiedenheiten“ gegeben, teilte man der Öffentlichkeit mit. Auf der folgenden Akustik-Tour gab man sich erstmals in der Bandkarriere mit einem Gastmusiker zufrieden. So übernahm Bruce Soord von Wisdom Of Crowds zeitweise den freien Posten ein. Doch damit nicht genug. Nur wenige Monate später strich der langjährige Drummer Daniel Liljekvist die Segel. Dieser nahm aus selbigen jedoch direkt den Wind, da er klar zu verstehen gab, die Trennung sei aus rein familiären Gründen erfolgt und habe nichts mit etwaigen Streitigkeiten zu tun. Dass KATATONIA jedoch zunehmend ein inkonsistentes Bild abgeben, bleibt unbestrittener Fakt.

Mit Rumpf-Besetzung in die Zukunft?

Sieht man sich das aktuelle Line-Up genauer an, so stellt man fest, dass es im Moment nur noch zwei feste Mitglieder gibt – die beiden Aushängeschilder Jonas Renkse und Anders Nyström. Als halbes Mitglied geht immerhin noch Bassist Niklas Sandin durch, welcher seit 2009 als Tour-Musiker eine Konstante im Gefüge ist. Einen Drummer und einen zweiten Gitarristen hat die Band derzeit nicht. Weder Livedates, noch ein weiteres Album sind angekündigt. Die letzte News auf der Homepage ist datiert auf den 12. August und bewirbt das Live-Album.

Was denkt ihr? Werden sich KATATONIA nochmal berappeln, oder steuert eine der exklusivsten und einflussreichsten Dark Metal Bands der Geschichte auf ihr allmähliches Ende zu?

David Timsit

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Die legendärsten Kölner Metalbands – Teil 7: WOLFEN

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Übermorgen, am Samstag den 27.09., findet das zweite Cologne Metal Festival statt – im Zuge dieser Reihe stellen wir im Vorfeld die legendärsten Kölner Bands vor.

Die heutige Band ist schon ordentlich rumgekommen und ist demnächst mit GRAVE DIGGER auf deren GERMAN METAL ATTACK Tour unterwegs. Zu der Gelegenheit unterhielten wir uns mit Sänger Andreas in diesem vorerst letzten Teil der Artikelserie.

 

Teil 7: WOLFEN

Hi Andreas, erzähl uns kurz wer WOLFEN ist und was ihr bislang so getrieben habt.

„Im Prinzip haben wir schon 1989 angefangen und haben als Metal-Jungspunde bis etwa 1998 eher unprofessionell rumgelärmt. Als Speed Metal Band sozusagen, aber die heutige Band bzw. ab 2000 hat eigentlich nichts damit gemein außer dem Bandnamen. Ab 2000 kam der erste Plattenvertrag seit dem haben wir es jedoch erst auf 5 Longplayer gebracht.“

Das ist ja schon ein Weilchen. Was war eure größte Show?

„Es waren schon mehrere dabei so rein Festival-technisch vor mehreren Tausend Leuten, wie vor Kreator, Annihilator oder In Flames.“

Und welche die denkwürdigste?

„War wohl ein Gig im legendären Londoner Marquee Club bevor er geschlossen wurde.“

Gehen wir mal zurück zu den Wurzeln – wie hast du die lokale Szene zu deiner Anfangszeit empfunden?

„Zu Anfang waren die Metalfans sehr hungrig, genau wie die Bands. Die Konzerte waren immer gut besucht, vor allem Anfang der Neunziger. Heute ist es leider so, dass die Bands sich nicht den Dreck unter den Fingernägeln gönnen und der Neid schnell groß ist, wenn man einfach ein wenig mehr mit der Mucke erreicht. Die meisten Leute verstehen einfach nicht, dass da Arbeit und Qualität oder Originalität hinter steckt. Aber es ist natürlich heute auch sehr schwer, weil es alles irgendwie schon gibt und man alles schon tausendmal gehört hat.“

Andreas, Wolfen - Vocals

Andreas, Wolfen – Vocals

Die heutige Szene gibt dir also nicht mehr viel?

„Die Metalszene heute existiert ja im Prinzip nicht mehr weil sich diese Musikrichtung bzw. Lebenseinstellung voll und ganz etabliert hat. Damals war man eine Randgruppe, Außenseiter. Die Leute haben zusammen gehalten und gefeiert egal ob Death Metal oder Hair Metal Fan. Wobei die Bandszene ähnlich ist wie damals. Aus Köln kamen immer meistens Bands aus dem Hartwurstsektor und das massenhaft. Zur Qualität kann ich mich nicht äußern, da das nicht so meine Baustelle war. Ich finde es nach wie vor geil das es immer noch junge Leute gibt, die sich dem Metal verschreiben bzw. in Metalbands spielen, aber mir fällt auch auf, dass die Leute mehr Wert darauf legen perfekt auf Ihren Instrumenten zu sein oder abgedrehte Mucke zu schreiben, anstatt sich mehr mit Ihrem Songwriting zu beschäftigen und mal Ihr Herzblut einfließen zu lassen.“

Denkst du ein großer lokaler Event wie das Cologne Metal Festival kann für hiesige Bands dennoch ein Sprungbrett zu überregionaler Bekanntheit sein?

„Solche Festivals sind auf jeden Fall wichtig, damit Bands gerade Newcomer eine Plattform geboten wird um Ihren Fans bzw. Neufans, von Ihrer Musik zu überzeugen. Jedoch als Sprungbrett, denke ich nicht, selbst Bands die auf Wacken Slots bekommen haben, sind deswegen lange noch nicht direkt berühmter geworden.“

Was für einen Ratschlag würdest du jungen Musikern mit auf dem Weg geben, die es wirklich ernst meinen?

„Ich denke am wichtigsten ist es, nicht darüber nachzudenken, bzw. sollte das Ziel nicht der Ruhm sein, oder Bekanntheit zu erlangen, sondern sich der eigenen Musik widmen, fühlen, Spaß dran haben Metal zu leben. Wenn man nur musiziert um Anerkennung oder Bekanntheit zu erlangen, sollte man es am Besten direkt sein lassen, da man das eigentliche Ziel meiner Meinung damit verfehlt.“

Danke für deine Zeit. Irgendwelche Anekdoten zum Schluss? Was steht bei euch aktuell noch so an?

„Naja, nach 14 Jahren WOLFEN mit über hundert Konzerten könnte man wohl ein Buch voller Anekdoten veröffentlichen. Aktuell erscheint am 12. September das neue Album namens „Evilution“ weltweit, einen Monat später kommt das Teil dann auch als Doppel Vinyl heraus.“

David Timsit

Die legendärsten Kölner Metalbands – Teil 6: A-Rise

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Noch gut 2 Wochen trennen uns vom zweiten Cologne Metal Festival – im Zuge dieser Reihe stellen wir im Vorfeld die legendärsten Kölner Bands vor.

Die heutige Band dürfte in gewisser Hinsicht immer noch einer der heißesten Exporte der Kölner Szene sein. Als A-RISE beackerten sie bereits seit Ende der 90er die Bühnen – nun folgte der Neustart als SIC ZONE inkl. Europa-Tour mit Six Feet Under und Headliner-Show beim ersten Cologne Metal Festival.

 

Teil 6: A-RISE

Hi PY, erzähl doch kurz was zu eurem Background.

„Hy David, der Grundgedanke der Band ist 1996 unter dem Namen „Crueldeath“ gegründet worden. Das war damals eine ‚Schulband‘. Bis zu dem Moment wo die Lehrer meine Texte gefunden und das erste Konzert 1999 gesehen haben. Danach wollten die uns das alles verbieten, es sollte ein anderer Bandname her und ich musste versprechen ’nettere‘ Musik zu machen, haha. Wenn die das Zeug bloß hören würden was ich jetzt mache, würden die wohl bei der ersten Note sterben.

Geendet hat es am 30 Juni 2013. Da ich ein Mensch bin, der nur Sachen macht die ihn überzeugen. Daher habe ich die Band bis zum Schluss durchgezogen.
Es gab leider zu viele Member-Wechsel. Davon war A-Rise leider geprägt, aber ich sag immer: ‚Wir sind nicht das was wir sagen, sondern das was wir machen‘. Und wenn jemand einen auf faulen Rockstar machen will, soll er woanders nerven.“

Wie viele Releases habt ihr in der Zeit herausgebracht?

„Insgesamt waren es 3 Demo-CDs, die wir auf die Leute losgelassen haben. Das erste Demo war 2001: ‚The Dreams are Dead‘. Das war meine erste Erfahrung im Studio und ich habe damals den Zauber des Recordings für mich entdeckt. Es gibt nichts geileres als seine Ideen zu einem fertigen Track zusammen zu bringen. Die Platte kam durch die Bank gut bei den Reviews weg, dafür dass es noch nicht so cool klang wie man es mittlerweile gewohnt ist, aber die CD hatte ihren ganz eigenen Klang und war zur damaligen Zeit schon sehr intensiv.

Mit den damaligen Musikern, konnte man leider nicht gut arbeiten, mir wurden nur Stöcke zwischen die Beine geworfen, weswegen ich 2006 ein fast Kompletten Line-Up Wechsel in der Band hatte und mit den neuen Jungs hat das Arbeiten auch wieder Spaß gemacht.

Was an der zweiten Mini-CD ‚MyOldWay‘ krass war, war dass ich die ganze Zeit über bei der Produktion war und nicht geschlafen hatte und zum Schluss den Gesang drauf gedrückt habe, was zur Folge hatte dass ich am Ende so heavy geschrien hatte, das mir schlecht wurde und ich kotzen musste.

2007 haben wir uns dann auf unseren Long Player gestürzt, Titel ‚No One Said It Would Be Easy‘ und eine CD aufgenommen, die in meinen Augen, eine pure Abrechnungsplatte ist. Keiner wird verschont, jeder bekommt sein Fett weg, sogar ich selbst. Wir haben uns 3 Monate im Studio eingeschlossen und diesen Hassbatzen geformt. Auf diesem Weg möchte ich meinem Freund Thomas D. (Co-Produzent) danken für die tolle Zeit. Die CD ist nicht für jedermann, das haben uns die Reviews gezeigt, 80% der Reviews hat uns in den Himmel gelobt, Zitate: ‚Hier wird Metalgeschichte geschrieben“‘ usw… aber ca 20% sind gestorben und haben richtig leiden müssen unter dieser Platte, hehe. An diesem Punkt habe ich für mich heraus gefunden, egal was jetzt noch von uns kommt, es gibt nur pro oder contra und ich freue mich schon auf den Kampf die Leute doch zu überzeugen.“

Was war eure größte Show in der A-Rise Zeit?

„Oh Mann, keine Ahnung. Aus meiner Sicht war jede und ist jede Show die größte, aber aus kommerzieller Sicht rattere ich mal einfach die Namen runter: ACFMF 2012, Show mit Knorkator in Dormagen, Show mit Agathadaimon in Troisdorf, Römersee Festival, Rock in Schroth, Dark Embrace Festival (8-9-10) usw…

Aber eine Show muss ich noch erwähnen und zwar war das glaube ich 2002 in Wismar. Der Booker hat einen Track von uns gehört und war hellauf begeistert, hat aber den anderen vom Festival nicht Bescheid gesagt, was da auf die zukommt und dem Publikum auch nicht wirklich ( Internet war da ja noch nicht richtig fit).

Das Ende von dem Lied war, dass die anderen Bands echt SCHEISSE waren und wir haben nachher alles abgeräumt, das war eine Party die ihres gleichen gesucht hat. Was mich als Romantiker sehr gefreut hat, war das Festivalgelände: Bühne, Publikum, Strand, Ostsee.- so die Reihenfolge.“

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PY – Vocals & Gitarre – Sic Zone / A-Rise

Wie hast du die lokale Szene zu deiner Anfangszeit empfunden?

„So wie ich sie leider heute noch immer sehe: Jeder denkt er wäre der geilste. Es herrscht zu viel Neid und kein Zusammenhalt. Ich persönlich habe ja versucht mit vielen Festivals in Köln den Zusammenhalt der Bands und der gesamten Szene aufzubauen, aber leider wurde ich nur enttäuscht. Naja scheiß drauf. Ich habe jetzt echt coole Typen in Köln am Start die mit mir das Cologne Metal Festival  aufgebaut haben und das ist endlich ein Team mit dem man arbeiten kann. Wer dort nicht hingeht hat mit der Kölner Metalszene NICHTS zu tun. BASTA.“

Was für einen Ratschlag würdest du jungen Musikern mit auf dem Weg geben, die es wirklich ernst meinen?

„Ganz wichtig, sehr sehr wichtig: Macht das was EUCH gefällt. Lasst euch von euren Lieblingsbands inspirieren, aber bitte bitte kopiert sie nicht.“

Hast du aktuell Pläne, Neuigkeiten oder Anekdoten, die du unseren Lesern mitteilen willst?

„Mit A-RISE gibt es keine aktuelle Pläne, die Band ist Juni 2013 eingestampft worden. Aber jeder, der mich kennt, weiß das ich immer weiter mache. Aus der Asche von A-RISE ist die neue Band SIC ZONE entstanden und es läuft besser als je zuvor. Unsere erste CD „Bear The Consequences“ ist Ende 2013 via Dr. Music Records auf den Markt gekommen. Wir spielen Shows ohne Ende, waren im April mit Six Feet Under auf Europa-Tour und gerade sind wir in Deutschland unterwegs und finden überall neue Freunde.

Was ich den Lesern übrigens noch mitteilen will ist, dass ich kein gläubiger Mensch bin, aber woran ich glaube ist Karma. Und deshalb wünsche ich bösen Menschen auch böses. Das kann ich nur jedem empfehlen. Es befreit die Seele und bis jetzt hatte ich immer Recht.

So jetzt genug gesagt. Ich hoffe, dass wir uns auf dem Cologne Metal Festival 2014 treffen und eine tolle Party feiern werden. Euer PY.“

David Timsit

Die legendärsten Kölner Metalbands – Teil 5: SKUM

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Noch gut 4 Wochen trennen uns vom zweiten Cologne Metal Festival – im Zuge dieser Reihe stellen wir im Vorfeld die legendärsten Kölner Bands vor.

Die heutige Band hat nicht nur durch ihre Musik ihre Spuren in der Szene hinterlassen. Unser Gesprächspartner und Bassist Christian hat darüber hinaus das lokale Bret Hard Records Label gegründet und zahlreichen hiesigen Bands eine Plattform geboten.

 

Teil 5: SKUM

Hi Christian, danke für deine Zeit. Erzähl uns kurz wer SKUM ist und was ihr bislang so getrieben habt.

„SKUM wurden 1999 in gegründet. Seitdem lärmen wir ununterbrochen weiter. Von der Urbesetzung sind mittlerweile nur noch Nikola (Vocals) und Christoph (Drums) übrig. Ich bin seit 2008 dabei, Roberto seit 2009 und seit Anfang diesen Jahres ist Robert an der zweiten Gitarre an Bord. Von mir aus können es auch noch weitere 15 Jahre werden.“

Das ist ja schon ein Weilchen. Was war eure größte Show?

„Na ja, wir sind ja eher so Jugendzentrumsgammler ha ha. Ich denke unsere bis jetzt größte Show findet erst im Oktober diesen Jahres mit Asphyx in Ostdeutschland bei den Chronical Moshers statt. Da freuen wir uns alle sehr drauf!“

Und welche die denkwürdigste?

„Für mich persönlich war das unsere Releaseparty zu unserem aktuellen Album “PRAšINA”
im MTC (Köln) am 01.02.2013. Die Hütte war brechend voll und die Meute ist zu unserem 2-Stunden-Set echt ausgerastet. Nachdem wir gute drei Jahre an der Platte geschrieben und aufgenommen haben, war es doch ein sehr geiles Gefühl die Platte live loszulassen. Wir haben ja auch wirklich alles selbst gemacht. Das Artwork stammt von Roberto, die Aufnahmen hat Christoph gemacht, ebenso den Mix und das Mastering. Ich habe “PRAšINA” dann auf meinem ehemaligen Label Bret Hard Records veröffentlicht, wo wir aber immer noch unter Vertrag sind. Uns ist der DIY Gedanke schon sehr wichtig, ich mag das Gefühl selber etwas erreicht zu haben. Wir hatten auf der Releaseparty als Vorband die Kölsch-Truppe Aach und Kraach dabei, die vom Publikum echt gut aufgenommen wurde. Das mag natürlich auch daran liegen, dass in der Band auch alte Metaller wie z.B Kevin und Guido (Aardvarks) spielen. Mittlerweile ist unser Christoph ja dort auch im Line Up.“

So schließt sich der Kreis. Die Aardvarks hatten wir ja in dieser Reihe auch schon vorgestellt. Gehen wir mal zurück zu den Wurzeln – wie hast du die lokale Szene zu deiner Anfangszeit empfunden?

„Hmm, gute Frage. Das ist mittlerweile ja auch schon fast 20 Jahre her. Das war einfach eine andere Zeit. Ich kann da auch nur von mir sprechen, zu der Zeit war ich noch nicht bei SKUM sondern habe seit 1997 bei ORKUS Gitarre gespielt. Wir kamen halt vom Land. Da von einer Szene zu sprechen ist übertrieben. Es gab einen Haufen Verrückte, die auf Metal abgefahren sind und natürlich auch mal in Köln die ein oder andere Party mitgenommen haben. Aber als Band waren wir am Anfang doch recht isoliert. Internet hatte damals von uns noch keiner zu Hause, CD Brenner waren unbezahlbar etc. . Dafür war die Zeit aber auch wesentlich intensiver. Ich war immer in der Metal- und der Punkszene zu Hause. Was wir damals nicht hatten, machten wir selbst, so ist es bis heute geblieben. Das erste Orkus Demo haben wir damals mit Ingo und Lars von Endart (alte Hennefer Death Metal Heroen) in deren Proberaum auf 4 Spuren live eingezimmert. Pro Song zwei Versuche und dann war das im Kasten. Am Tag drauf hat Mirco dann nochmal verkatert drüber gebrüllt und fertig war das Ding. Das Tape kann ich mir auch heute noch guten Gewissens anhören und sagen „Ja, war geil!“. Das Cover des Demos hat auch damals schon unser Drummer gemalt. Um das Booklet zu kreieren hatte ich damals kein Photoshop. Da wurden Texte ausgedruckt und Fotos per Hand zurechtgeschnitten. Das ganze wurde auf einem Din A4 Blatt mit Schere und Kleber gelayoutet. Danach wurden im Copyshop die Farben invertiert damit der Hintergrund des Booklets schwarz ist. Dann schnell noch die Fotos draufgepappt und das ganze 200 mal durch den Laserkopierer gejagt. Der Besitzer hat mich gehasst, weil ich soviel schwarzen Toner verbraucht habe. Jedesmal wenn 20 Blätter durch waren, musste der erstmal den Kopierer warten, da überall der Toner klebte und es einen feinen Papierstau gab. Damals konnte man halt nicht einfach eine Datei per Mail an eine Druckerei schicken und das für 20 € drucken lasssen.

Skum Chris Bass

Chris – Bass, Skum

Gigs haben wir damals eigentlich alles selbst organisiert. Da bin ich dann Abends mit dem Wendt von Alchera mit Bus und Bahn durch Bonn und Köln gegurkt um herauszufinden wo man denn auftreten kann. Das war einfach eine schöne und naive Zeit die ich nicht missen möchte. Ohne Internet und den ganzen Firlefanz den es heute so gibt war das halt schon echt Arbeit. Dafür war es aber auch wesentlich nachhaltiger. Die Leute die ich damals kennengelernt habe, kenne ich auch heute noch. Da hat man Briefe per Hand geschrieben und Tapes durch halb Europa geschickt. Gefühlt war die Szene für mich auch etwas toleranter. Es war egal welchen Stil man gespielt hat, man hat sich unterstützt. Metal war damals auch wirklich noch Außenseitertum und fand nicht im Spiegel und auf ZDF statt. Es sei denn, es ist mal wieder ein Amoklauf oder „Satansmord“ passiert. Ich bin auf jeden Fall froh diese Zeit noch erlebt zu haben.“

Und wie nimmst du die heutige Szene im Vergleich dazu wahr?

„Viel Licht und viel Schatten würde ich sagen. Metal ist mittlerweile im Mainstream angekommen und das merkt man natürlich in allen Bereichen. Bei vielen Bands und ihrer Musik bzw. der Produktion ihrer Musik merkt man oft, dass das jetzt kommerziell erfolgreich werden soll. Solche Gedanken waren uns früher fremd und sind es mir heute noch. Ich hab oft das Gefühl, den Bands ist ihr Image wichtiger als Ihre Musik. Wenige Bands machen wirklich was eigenständiges, es wird viel abgekupfert um halt dazuzugehören. Zum Glück gibt es aber seit 2-3 Jahren wieder eine Gegenbewegung in der Szene, die wieder ursprünglicher an alles ran geht. Das gefällt mir sehr gut.“

Denkst du ein großer lokaler Event wie das Cologne Metal Festival kann für hiesige Bands dennoch ein Sprungbrett zu überregionaler Bekanntheit sein?

„Ehrlich gesagt, nein. Man gewinnt sicher ein paar Fans hinzu, aber ein Sprungbrett zur überregionalen Bekanntheit sehe ich da nicht.“

Was für einen Ratschlag würdest du jungen Musikern mit auf dem Weg geben, die es wirklich ernst meinen?

„Seid echt! Spielt nicht irgendeinen Stil weil er gerade angesagt ist, sondern weil ihr ihn liebt und genau diese Musik spielen wollt. Spielt von Herzen, das ist wichtig. Image und böse gucken kann jeder. Frei nach Heinz Strunk:’Was zählt ist abliefern!‘. Vor allem bleibt dran und macht es aus den richtigen Gründen. SKUM gibt es seit 15 Jahren, weil wir das Bedürfnis haben diese Musik zu spielen und weil es so etwas wie Familie ist. Ob wir jetzt 2 oder 200 Gigs im Jahr vor 5 oder 5000 Leuten spielen ist zweitrangig. Wenn wir auf die Bühne gehen, haben wir Bock drauf was kaputt zu machen. Das zelebrieren wir dann auch mit Inbrunst, wieviele Leute uns dabei zusehen, ist nicht so wichtig. Die Zeit für Rockstarscheisse ist vorbei.“

Danke für deine Zeit. Was steht bei euch aktuell noch so an?

„Wir arbeiten zur Zeit an einer neuen Platte. 15 Songs sind als Demo fertig. 10-11 werden es auf die Platte schaffen. Circa sieben haben wir davon schon als Band eingeprobt. Ich denke den Rest bekommen wir bis Ende des Jahres fertig. Danach wollen wir dann aufnehmen und das neue Monster natürlich so schnell wie möglich auf die Menschheit loslassen. Seid gespannt! Vielen Dank für das Interview!“

David Timsit

Die legendärsten Kölner Metalbands – Teil 4: GUERRILLA

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Unsere Artikelreihe zur Einstimmung auf das Cologne Metal Festival geht in die vierte Runde.

Die heutige Band ist eine der populärsten regionalen Combos ihrer Zeit, da sie wirklich an jeder Steckdose gespielt haben und das bei weitem nicht nur in Köln.

 

Teil 4: GUERRILLA

Heyho Pete, erzähl doch mal ein paar Takte zu eurer Bandgeschichte.

„Guerrilla wurden 1994 von Timur Slapke gegründet. Ich bin im März 1997 dazu gekommen. Mein Vorgänger hat mir selber gesteckt, dass er keine Lust mehr auf die Band hat und mich gefragt, ob ich mich als Nachfolger vorstellen will. Das kam gerade rechtzeitig weil ich schon drauf und dran war umzuziehen. Ich war schon länger auf der Suche nach einer neuen Band. Es ging gut los: wir veröffentlichten 1998 eine EP und 2001 kam ein Longplayer raus. 10-12 Gigs im Jahr haben wir damals schon gespielt und unser alljährliches Brainslaughter Festival war immer gut besucht. Das lag natürlich auch daran, dass wir immer die besten Untergrund-Bands aus dem Kölner Dunstkreis am Start hatten: Ages gone, Aardvarks, Jack Slater und Baron um nur einige zu nennen. 1999 kam Martin Below als Schlagzeuger dazu. Das hat der Band einen echten Schub verpasst. So richtig in Fahrt kamen Guerrilla allerdings erst im Sommer 2002 als Marc Schwarz als hauptamtlichen Sänger einstieg. Bis dahin hatte Timur sich mit mir den Gesang geteilt. Gleichzeitig kam Andreas Westphal am Bass in die Band der sich fortan um Gigs kümmerte und dann erhöhte sich die Schlagzahl sprunghaft. Von 2002 bis 2005 ging es richtig ab. 2006 beschlossen wir eine neue CD zu machen und stellten das ständige touren weitgehend ein. Wir fielen alle in ein Loch und die Stimmung im Proberaum war mies. Wir hatten den Fehler gemacht und nach den Gigs keine Auszeit genommen. So wurden Marc und ich als Störfaktor erkannt und rausgeschmissen. Davon hat sich die Band nicht mehr erholt. Du kannst nicht einfach den Sänger und einen Songwriter rauswerfen und erwarten, dass es einfach irgendwie weiter geht. Da hat es auch nichts genützt, dass die Band mit Kickstart Revolution 2010 ihr bislang stärkstes Album veröffentlichte. Natürlich waren meine beiden Nachfolger – erst Alex, dann Kevin – tausendmal bessere Gitarristen als ich, aber du musst nicht den besten Mann haben sondern den richtigen. Für Marc hat es in meinen Augen nie adäquaten Ersatz gegeben. Folgerichtig löste sich Guerrilla 2013 leider auf. Mit Sicherheit werden mir meine Ex-Kollegen hier und da widersprechen aber das ist ja auch nur meine Sichtweise und ab 2006 auch noch von außen und damit weit weg.“

Bedauerlich, zumal ich euch als zugereister Münchener nie live gesehen habe. Was war eure größte Show?

„Rein von der Zuschauerzahl her dürfte es das Up From The Ground 2004 gewesen sein, wo offiziell glaube ich um die 3000 Leute waren. Mehr Leute vor der Bühne hatten wir allerdings mit Sicherheit zum Beispiel beim Dong Open Air oder beim Winternachtstraum Festival in Arnsberg.“

Und welche die denkwürdigste?

„Ha, jetzt weiß ich es wieder: Das war der Gig wo wir uns hinterher die Birne vollgeschüttet haben. Na gut, blöder Witz. Das haben wir natürlich immer getan. Auf diese Frage müsste ich mit einem Buch antworten. Wir haben ja lange Zeit fast jedes Wochenende irgendwo gespielt. Von 2002 bis 2005 waren es über 150 Gigs. Wir sind kreuz und quer durch Deutschland und noch hier und da ins benachbarte Ausland gegurkt. Oft waren wir mit den Kumpels von Jack Slater unterwegs. Das hat immer gekracht, nicht nur auf der Bühne sondern natürlich auch party-mäßig. Aus meiner Sicht war der 30. September 2006 sehr besonders weil der Marc und ich an diesem Tag unseren letzten Auftritt mit Guerrilla hatten. Es war eine unglaubliche Stimmung und ich habe echt gelitten.“

Wie hast du die lokale Szene zu deiner Anfangszeit empfunden?

„Mitte der 80er hat sich das sehr aufregend angefühlt dazu zu gehören. Es war neu und ich war ein Teenager Die Szene in Köln war recht übersichtlich weil sie gerade erst entstand. Da kannte wirklich fast jeder jeden. Es gab deutlich weniger Bands und ich war stolz, dass ich die alle kennen lernen durfte. Ich war ja noch ein blutiger Anfänger der nach jedem Akkordwechsel seine Finger entknoten musste. Bei Jumpin Jesus im Proberaum mit rumzuhängen und dem Mike Gagel auf die Finger gucken können war Gold wert. Es gab ja kein Youtube, wo mir irgendein Gitarrenfreak haarklein jedes Geheimnis jedes beliebigen Riffs vorgekaut hätte. Die Läden wie Dschungel und Engelshof waren zwar gut gefüllt aber nicht überlaufen und all die großen Bands wie Metallica, Slayer, Overkill, Iron Maiden, Megadeth, Testament, Queensryche und so weiter strebten damals gerade dem Höhepunkt ihrer Karriere entgegen und es gab eine ganze Reihe neuer, hungriger Bands, die neue Einflüsse brachten und ganz neue Genres begründeten.“

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Pete – Gitarre, Ex-Guerrilla / Driven By Demons

Und wie nimmst du die heutige Szene im Vergleich dazu wahr?

„Sehr nüchtern, obwohl es immer noch Spaß macht. Die Magie ist aber weg. Es gibt keine Geheimnisse mehr: Wie macht man diesen oder jenen Sound, wie spielt man dieses Lick, was treibt der da am Schlagzeug? Man hat alles schon mal gehört und gesehen. Die großen Bands sind durch die Bank über den Zenit und man muss schon sehr aufwändig nach aufregenden Bands suchen die kreativ sind. Die Medien nehmen dir die Arbeit des filterns ja leider nicht mehr ab, sondern schreiben nichtssagende Reviews am Fließband. Es ist in jeder Hinsicht unübersichtlich geworden. Mir fehlen vor allem die Nachfolger von Metallica oder Slayer. Solche Karrieren sind heute so gut wie unmöglich. Keiner hat mehr die Zeit, das Geld und die Geduld eine Band so aufzubauen und die Fans würden einer Band wie Kreator, die eine Flag Of Hate Maxi veröffentlicht, keine drei Jahre und drei Alben geben und sagen: Lass uns mal sehen was aus denen wird. Sie werden mir fehlen, die Großen. Okay: Das ist typisches früher-war-alles-besser-Gejammer. Was dieses Thema angeht war es früher aber nun mal besser. Jeder 18-jährige, dem ich erzähle, dass ich alle diese Bands auf dem Höhepunkt ihrer Karriere gesehen habe will mir den Hals umdrehen. Das ist für mich der klare Beweis, dass uns allen in den nächsten Jahren immer mehr fehlen wird und nicht nur mir altem Sack.“

Denkst du ein großer lokaler Event wie das Cologne Metal Festival kann für hiesige Bands dennoch ein Sprungbrett zu überregionaler Bekanntheit sein?

„Ja, sicher. Du kannst mit so was in der Region einen Fuß in die Tür kriegen und eigene Zugkraft beim Publikum aufbauen, für die du sonst 2 Jahre lang die lokalen Clubs vor jeweils 20 Leuten beackern müsstest – wenn du denn einen so starken Gig hinlegst, dass sich die Kölner deinen Namen merken. Dann kommen sie vielleicht auch wenn du in den Kölner Clubs spielst. Wenn sich das bis zu den Veranstaltern der Open-Airs in der näheren Umgebung rumspricht, kommst du vielleicht auch bei denen ins Line-Up und so weiter.“

Was für einen Ratschlag würdest du jungen Musikern mit auf dem Weg geben, die es wirklich ernst meinen?

„Nehmt euch ernst aber nicht wichtig. Glaubt an euch aber seid selbstkritisch. Steckt euch keine langfristigen Ziele. Macht kleine Schritte, einen nach dem anderen. Haltet zusammen. Es ist leichter sich zu einigen als ein neues Bandmitglied zu finden. Spielt jeden Gig als gäbe es kein Morgen. Es kann nur sehr wenige Bands geben die es nach oben schaffen. Da ist wenig Platz. Wenn alles mit rechten Dingen zu geht werdet ihr es nicht schaffen. Ich habe es bis heute nicht geschafft und ich habe trotzdem immer noch Spaß an der Musik und ich bereue keine Minute die ich für diesen Wahnsinn gelebt habe und leben werde.“

Das kann ich nur bestätigen. Danke für deine Zeit. Was steht bei euch aktuell noch so an?

„Ich bin unglaublich gespannt ob uns das Kunststück gelingen wird, das Cologne Metal in Köln zu etablieren. Natürlich habe ich auch ein wenig Paranoia davor, dass wir uns mit dem Ding auf die Fresse legen. Das kann immer passieren aber ich habe keine Angst und freue mich auf die Show. Wenn das vorbei ist geht es direkt weiter mit meiner Winterausgabe des Bergisch Metal Festivals. Freut euch auf ein eisenhartes, extrem hochwertiges Line-Up. Dazwischen werde ich mit meiner Band Driven By Demons unsere neue EP fertig mischen. Die Aufnahmen sind im Kasten. Wir sehen uns am 27. September!“

David Timsit