Life Of Agony & Support (Köln, Essigfabrik – 05.12.2014)

LOA-Cologne-Essigfabrik

Es ist ein merkwürdiges On- & Off-Ding das LIFE OF AGONY seit etwa 10 Jahren fahren. Die ehemalige Hardcore Band, die zwischen Mitte und Ende der 90er Jahren mit Ausnahmesänger Keith Caputo große Erfolge feierte und sich zunehmend zu einer Alternativ Rock Band entwickelte, ist heute eher als gelegentlich aktives Freizeitprojekt zu betrachten.

Deshalb war mein Bedürfnis die Band anno 2014 ein weiteres eine ihrer Reunion-Shows abfeiern zu sehen eher gering. Dazu kommt der Umstand, dass die Kölner Essigfabrik nicht zu meinen Lieblings-Locations gehört.

LIFE OF PAYGONY

Ein Rundgang zum Einlass ließ mich jedenfalls schon mal mit heruntergeklappter Kinnlade zurück. Wie wäre es mit einem Shirt für nur 30 €? Oder ein vollgekrakeltes Drumfell für 100 €? Da geht man doch mal lieber an die Theke, nur um kurz darauf festzustellen, dass ein Whiskey-Cola nun die Höchstmarke von 7 € erreicht hat. Andere Hobbys darf man bei solchen Preisen jedenfalls nicht mehr haben.

VORGEPLÄNKEL

Glücklicherweise gehen immer mehr Veranstalter dazu über Packages auf die Straße zu schicken, die wirklich attraktiv für die Besucher sind. Nicht so an diesen Abend. Warum sich die französischen Langweiler von THE DISTANCE auf diese Tour eingekauft haben, nur um europaweit ihre Überflüssigkeit zu demonstrieren, wissen wohl nur sie selbst. Etwa die Hälfte der später Anwesenden sparten sich dieses Debakel in weiser Voraussicht und erschienen erst gar nicht rechtzeitig.

Wesentlich besser machten es anschließend DIABLO BLVD aus Belgien. Stilistisch passte die Band mit ihren Volbeat-Anleihen auf jeden Fall besser ins Konzept, als die 3-Akkord-Standmusikanten vor ihnen. Frontman Alex Agnew neigte hier und da etwas zu Übertreibungen und den ganz großen Gesten, die in diesem Rahmen nicht immer angemessen schienen, aber man demonstriert so zumindest, Bock zu haben und konnte auch musikalisch ganz solide abliefern. Die mittlerweile gut gefüllte Halle quitierte den Auftritt immerhin mit respektvollem Applaus.

SHOWTIME

Der Moment, in dem Life Of Agony die Bühne betraten, war der Moment an dem der Abend sich zum guten wandte. Wer hier eine müde Altherren-Show erwartete, war falsch gewickelt. Im Gegenteil hat man die New Yorker nie in so guter Form gesehen wie aktuell. Vor allem Frontdame Mina Caputo (alias Keith Caputo) war derart gut bei Stimme, dass man die meisten Songs endlich auch mal live so zu Ohren bekam, wie sie ursprünglich gedacht waren. Eine so fehlerfreie, offenherzige Performance habe ich persönlich noch nie von Caputo gesehen. Gleich mit dem Einstieg „River Runs Red“, „This Time“ und „Method Of Groove“ packte man das Publikum bei den Eiern und spielte die Songs so tight wie selten. Da störte es auch nicht, dass Mina Caputo mittlerweile ein recht feminines Stageacting hinlegt. Die Stimme war dafür umso mehr auf den Punkt. Diesmal wurden Fans aller Alben entsprechend bedient. Mit „Other Side Of The River“, „Bad Seed“ oder dem griffigen „Weeds“ rockte man sich quer durch die eigene Diskographie. Sogar „Love To Let You Down“ und „Day He Died“ vom Spätwerk „Broken Valley“ schafften es auf die Setlist.

Das Highlight für Fans der Solokarriere von Mina Caputo dürfte das kurze Akustik-Set gewesen sein, bestehend aus einem wundervoll dargebotenen „My Mind Is Dangerous“ und Minas Eigenkomposition „Over The Moon“.

Nach dieser letzten Verschnaufpause folgten die Klassiker „Through And Through“ und „Underground“ zum Schluss. Danach verschwand die Band von der Bühne und fand sich kurz darauf am Merch-Stand ein. Zugaben folgten nach dem etwa 90-minütigen Set keine mehr.

MASSENMENSCHHALTUNG

Wie in vielen größeren Locations mittlerweile üblich, hatte die freudetaumelnde Meute nicht viel Zeit das Geschehen auf sich wirken zu lassen, denn schon kamen die Security-Hirten mit ihren rot-weißen Absperrbändern angerückt und trieben die Fan-Schäfchen nach draußen. Muss man sich sowas als erwachsener Mensch mit Stolz und Würde wirklich bieten lassen? Es wäre interessant zu sehen was passieren würde, wenn sie dies in der Oper oder Philharmonie probierten. Es ist ihnen jedenfalls zugute zu halten, dass sie während des Konzerts zumindest gut auf meine gehbehinderte Begleitung acht gegeben haben. Unterm Strich – viel ärgerliches Drumherum. Dem gegenüber steht eine hervorragende L.O.A.-Show, die vieles davon rechtfertigte, jedoch sollten wir uns gesondert nochmal über Preise, Vorband-Auswahl und Saalräumungsaktion unterhalten. Denn das sind Ärgernisse, die immer wieder auftreten und einem auch das beste Konzert vermiesen können.

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Wacken Roadshow 2014 (Köln, MTC – 06.11.2014)

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Kaum ein Begriff hat in der Metalszene so eine Relevanz wie „Wacken“. Was liegt da näher als einen tourenden Ableger der Marke auf die Reise zu schicken? Das Konzept existiert seit etwa 10 Jahren und pausierte zwischendurch. Um es vorweg zu nehmen – große Mühe die Events zu branden hat man sich nicht gemacht.

Trotz ausbleibender Dekoration, kaum Wacken-spezifischem Merch und kleinem Club, kamen zumindest mehr Leute, als man sie üblicherweise bei einem Konzert im MTC vorfinden würde. Verärgerung gab es bereits zu Anfang, da von verschiedenen Seiten verschiedene Einlasszeiten kommuniziert wurden. So standen schon die ersten Besucher gegen 17:00 Uhr vor der Location. Einlass war jedoch um 20:00 Uhr.

CRUD

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Wie mittlerweile üblich, wurde die erste Band früh auf die Bretter gestellt. Wer erst zum offiziellen Beginn um 20:30 Uhr erschien, hatte schon fast die Hälfte des Gigs der Dormagener verpasst. Diese präsentierten sich erstmals mit neuem Line-Up inkl. zweitem Gitarristen. Bereits bei dem Black Sabbath-artigen Intro merkte man den enormen Unterschied, den die Verstärkung an der Gitarre macht. Der Sound der Dark Rocker klang viel kräftiger und breiter. Auch der neue Drummer Robert überzeugt mit einem harten und tighten Spiel, welcher der Band ein metallischeres Soundgewand verpasste. Gewohnt lässig agierten hingegen die Langzeit-Bandmitglieder Daniel (Bass) und Jens (Vocals, Gitarre). Der lang gewachsene Frontmann mit dem wallenden schwarzen Haar versteht es hervorragend Distanz zu wahren und den introvertierten Goth Rocker zu geben, dabei aber nicht unterkühlt rüberzukommen. Kleine Nebensächlichkeiten, wie sich das Bier vom Publikum öffnen zu lassen, schaffen Nähe und Symphatie, anschließend wird sich wieder hinter der Matte versteckt und Melancholie verbreitet. Das etwa 30-Minütige Set erzeugte erste Bewegung im Publikum und CRUD dürften im bereits recht vollen MTC einige neue Freunde gefunden haben.

GRAILKNIGHTS

Relativ zügig ging es weiter im Programm mit einer Band, deren Superhero-Konzept so kreativ wie befremdlich wirkt. Während das etwas peinliche, natürlich nicht ernst gemeinte, Intro ablief, stellte die Truppe einen herumgestikulierenden Kollegen in Skeletor-Kostüm auf die Bühne, nur um den selbst wie eine Mischung aus Ninja Turtles und Power Rangers die Stage zu stürmen und extrem pathetischen, Festzelt-Metal unters Volk zu bringen. Das war schon eine harte Nuss für J.B.O.-Verweigerer und Sabaton-Ignoranten wie den Verfasser dieser Zeilen. Nichtsdestotrotz funktioniert der Kirmes immerhin gut genug um an diesem Abend einige Besucher in den Bann zu ziehen.

NIGHTMARE

Ein solch bunt gemischter Abend mit so vielen anwesenden Leuten lenkt natürlich vom Bühnenprogramm ab. So befand sich, neben den anwesenden Bands, auch lokale Prominenz – u.a. Fastball-Labelchef Andreas Bob und In Extremo Sänger Michael Rhein – unter den Gästen. Man stand mal hier, quatschte mal da und so kam es, dass wir den Auftritt von NIGHTMARE nahezu gänzlich verpassten. Die französischen Veteranen schmissen dem aufgewärmten Publikum ihren Metal klassischer Machart um die Ohren und man hatte erstmals das Gefühl, dass eine der Bands des Abends wirklich unter das (nicht vorhandene) Wacken-Banner passt.

JADED HEART

Wie man das Ganze noch eine Ecke geiler macht, präsentierte das internationale Kollektiv JADED HEART, das sich aus talentierten deutschen, deutsch-japanischen und schwedischen Musikern zusammensetzt. Für Drummer Bodo Stricker war Köln ein Heimspiel. Diese Band gehört definitiv auf große Bühnen. Hier trifft sich das Beste aus Heavy- und Power Metal. Mit großer Spielfreude, authentischer Attitüde und handwerklicher Extravaganz erzeugten die fünf Musiker erstmals an diesem Abend echte Begeisterung im Club. Dazu kam, dass sich der Sound mittlerweile auf einem fantastischen Niveau eingependelt hatte. Mit ihrem melodischen und dennoch zackigen Songmaterial, erinnerte die Band mehrmals an die Pretty Maids mit einem Schuss Iron Maiden in zweifacher Geschwindigkeit. Und das ist wahrlich keine schlechte Referenz.

LACRIMAS PROFUNDERE

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Die populärste Band des Abends war zuletzt 2013 im Rahmen des Winter Ends Festivals in Köln. Ganz so viele Leute zog man diesmal nicht und das Set war ähnlich kurz, aber die Goth Rocker präsentierten sich spielfreudig wie eh und je. Speziell Ur-Mitglied Oliver Nikolas Schmid ist ein Bühnenmensch mit Leib und Seele. Man kann gar nicht anders als lächeln und mitnicken, wenn einem so viel gute Laune von der Bühne entgegenkommt, die den eigentlich einnehmend atmosphärischen Sound kontrastiert. Die Setlist wirkte sehr gestrafft und einem „Best Of…“-Programm entsprechend. Überraschend beendete man das Set nach dem hervorragenden Klassiker „Ave End“ dann auch ohne Zugabe.

FAZIT:

Da ist sie also vorbeigerauscht, die Wacken Roadshow. Während man hervorragenden Bands wie CRUD, JADED HEART oder LACRIMAS PROFUNDERE absolut keine Vorwürfe machen kann, so wirkt das ganze Konzept doch recht arm. Gerade bei einem Veranstalter, der seinen Hauptevent mit so viel Liebe zu Detail gestaltet, hätte man das ein oder andere Gimmick erwarten können. Stattdessen stellte man fünf Bands in einem straffen Zeitkorsett auf die Bühne und dies in einer Zusammenstellung, die beliebig und merkwürdig ausgewählt schien. Zumindest gab sich das MTC alle Mühe den Zustand ihrer Toiletten dem Niveau von Dixie-Klos anzupassen. In dem Loch da unten hatte man auf jeden Fall Wacken-Feeling. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Konzept enttäuschte leider auf ganzer Linie, die Bands aber überwiegend nicht. Wenn diese merkwürdige Tour dazu führt, dass ein paar gute Bands neues Publikum für sich finden, kanns so verkehrt wiederum nicht gewesen sein.

David Timsit

Accept & Damnation Day (Köln, Live Music Hall – 22.10.2014)

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Die Kölner Live Music Hall zeigt sich seit dieser Woche metallisch wie schon lange nicht mehr. Am 21.10. gastierten EDGUY und MASTERPLAN, am 22.10. schauten ACCEPT vorbei, am Samstag den 25.10. beehren OPETH die Domstadt und als Nachschlag gibt es im benachbarten Club Underground am Dienstag den 28.10. noch die schwedischen Rock-Säue von MUSTASCH zu sehen.

Und das sollte noch nicht alles sein, wie wir gestern auf dem Weg zum ACCEPT Gig feststellten. Denn der Besucherstrom war ungewöhnlich groß und vom Seitenscheitel-Kiddie bis hin zum grauhaarigen Rock-Opa breit gefächert. Als der junge Anteil der schwarz gekleideten Meute plötzlich beim Underground abzweigte wurde klar, dass es mit der Einigkeit von Jung und Alt doch nicht so weit her war. Denn dort vergnügten sich die Kids lieber mit der Post-Hardcore-Truppe ESCAPE THE FATE. Und plötzlich fühlten wir uns, als Kinder der 90er, wie die Nesthäkchen im verbleibenden Kollektiv auf dem Weg zur Live Music Hall.

Willkommen in der Sardinenbüchse

Dort angekommen wurde schnell klar, dass es eine kuschelige Angelegenheit werden würde. Noch vor Beginn der Support-Band DAMNATION DAY war die Halle bereits voller, als sonst bei so mancher Hauptband. Der Verdacht drängte sich im Verlauf des Abends zunehmend auf, dass man hier 100-200 Tickets über der Kapazität der Location verkauft hatte. Die australische Vorband startete pünktlich um 20:00 Uhr direkt mit ihrer aktuellsten Videoauskopplung „Invisible, The Dead“ und präsentierte sich eine Kante zackiger als auf Konserve. Speziell Frontman Mark überraschte mit einer unglaublich vielseitigen Stimme zwischen angenehm warmen Rock-Tönen und Sirenen-artigen Vocals im Halford-Stil. Einen solch runden und breitbandigen Sänger sieht man nicht alle Tage. Und so überrascht es nicht, dass alle Augen auf den Frontman gerichtet waren, während der Rest der Band eher ein blasses Schattendasein fristete. Song für Song erarbeitete sich die Combo vom anderen Ende der Welt das Wohlwollen des Publikums und wurde nach etwa 45 Minuten mit viel Applaus verabschiedet.

Altmeister am Werk

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Als ACCEPT mit ihrem aktuellen Album-Opener „Stampede“ die Bühne enterten war die Halle so voll, dass die hintersten Reihen am Eingang quasi um die Ecke gucken mussten, um noch etwas mitzubekommen. Wir entschieden uns für freie Wege zu Theke, Merch und WC, weshalb wir mit einem Platz hinter dem Mischpult Vorlieb nahmen. Da dort aber bekanntlich der Sound am besten ist nicht die schlechteste Wahl. Und in der Tat schafften es die Vorreiter des Teutonen-Stahls ihren aktuellen Album-Sound nahezu verlustfrei zu reproduzieren. Angesichts der mächtigen Andy Sneap Produktion eine reife Leistung und einmal mehr ein Beleg für die ausgezeichnete Akustik der Live Music Hall. Leider war der Sound aber auch einen Ticken zu leise. Zumindest in den hinteren Reihen konnte man sich relativ gut unterhalten, während die Band spielte. Da kann man nach unserem Geschmack schon noch ein Pfund drauflegen, zumal man beim Mitsingen ja nicht nur sich und seine Nachbarn hören möchte, sondern auch noch was von der Band mitbekommen will. Stichwort „Mitsingen“ – den Fokus beim neuen Album „Blind Rage“ vermehrt auf klassische Zitate und nachvollziehbare Melodieführung zu legen erweist sich live als Geniestreich. Gerade „Final Journey“ wurde abgefeiert wie ein Klassiker aus den 80er. So schien es kaum jemanden zu stören, dass die Setlist sehr stark auf das neue Werk ausgerichtet war. Ein deutlicheres Zeichen für die Lebendigkeit und aktuelle Relevanz einer Band kann es nicht geben. Gratulation hierfür.

Oldschool lebt

Aber auch die Klassiker kamen nicht zu kurz. Man hatte das Gefühl ein Best Of zweier Bands gleichzeitig zu erleben – die Pre-Tornillo-Accept und die der Post-Tornillo-Ära. Der 2009 hinzugestoßene Sänger ist für die Wiederbelebung der Band maßgeblich verantwortlich und machte auch bei „Metal Heart“, „Fast As A Shark“ und „Princess of The Dawn“ eine hervorragende Figur. Dennoch fiel mindestens 50% des Spotlights auf den häufig solierenden und dauergrinsenden Wolf Hoffmann, der das beste Beispiel dafür darstellt, was für ein Jungbrunnen Musik sein kann. Für die Quasi-Zugaben „Teutonic Terror“ und dem obligatorischen „Balls To The Wall“ ließen sich die Herren am Ende nicht lange bitten. Man zockte ohne Allüren einfach straight durch. Und gerade der abschließende Klassiker verursachte nochmal eine Gänsehaut bei uns. Es ist einfach schön zu sehen wie vital und aktuell eine Band sein kann, deren Band-Klassiker einen schon über Jahrzehnte durch verschiedene Lebensphasen begleitete. Und als die ACCEPT-Besucher am Ende wieder auf die ESCAPE THE FATE-Kids trafen, marschierten alle gleichermaßen selig zu den Bahnen und Autos. Die Zeit seines Lebens zu haben ist scheinbar doch nicht nur ein Privileg der Jugend.

David Timsit

Paradise Lost, Lacuna Coil & Katatonia (Köln, Essigfabrik – 04.11.2013)

Was für ein Package – die Begründer des Gothic Metal mit einem Band-Jubiläum, die Innovatoren des Dark Metal ihrerseits mit einem Album-Jubiläum und eine der Top-Bands des Genres als Bonus im Gepäck. Bei so viel Prominenz kann doch gar nichts schiefgehen, oder?

Nicht so ganz. Denn irgendein Schuster aus dem LACUNA COIL-Lager wollte offenbar nicht ganz bei seinen Leisten bleiben und so kam es, dass sich KATATONIA wider Erwartens mit dem Opener-Slot begnügen mussten. Zur Überraschung vieler Besucher  feierten die Schweden ihr großartiges „Viva Emptiness“ Album demnach mit halber Bühne, dem Drumset am rechten Bühnenrand, leisem Sound und kurzer Spielzeit. Bei einer Band, die solche Hallen für gewöhnlich selbst füllt, ein bemerkenswert deprimierender Anblick. Die Band machte das beste daraus. Der Dramaturgie zuliebe spielte man das Album rückwärts und hatte somit die größere Hitdichte am Ende. Während sich die Halle nach und nach füllte, war das Set auch schon fast am Ende. Ein Anflug von Stimmung kam allenfalls bei den letzten zwei bis drei Songs auf. Nach „Ghost Of The Sun“ war dann auch sofort Schluss und die Band musste ohne Zugabe die Bühne räumen.

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Man hätte angesichts dieser unwürdigen Abfertigung  einer solchen Ausnahme-Band (die übrigens auch die geringste Merch-Fläche am Stand hatten) LACUNA COIL echt böse sein können, aber dafür sind die Italiener dann doch zu routiniert und sympathisch. Die nie alternde Christina Scabbia war mal wieder ein Energiebündel vor dem Herrn und Klassiker wie „Heavens A Lie“ bis aktuelle Rocker der Marke „Kill The Light“ bot man ohne Makel, dafür mit zu viel Zuckerguss aus der Konserve dar. Die Band erhielt die gesamte Bühne, die komplette Lightshow und hatte das griffigste Songmaterial des Abends im Gepäck, so dass es kein Wunder war, dass deutlich mehr Bewegung in die Menge kam, als beim degradierten Opener. Leider litt der Sound an einer viel zu starken Überbetonung der Gitarren, so dass der Gesang in vielen Fällen enorm nach hinten gedrückt wurde. Warum man dieses Problem über die gesamte Spielzeit hinweg nicht in den Griff bekam, ist kaum nachvollziehbar. Scheinbar wollte man kein Stück Lautstärke für einen sauberen Sound opfern. Unterm Strich blieb ein solider Eindruck hängen, doch PARADISE LOST hatten hier eine Menge zu richten, denn der erwartete, gelungene Abend für Gothic- / Dark Metal Fans war es bislang bei weitem nicht.

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Die Briten haben mittlerweile Frieden mit all ihren verschiedenen Schaffensphasen geschlossen und so erwartete einen zum Jubiläum ein abwechslungsreiches Set mit vielen Kontrasten. Der Anfang gestaltete sich mit „Mortals Watch The Day“ erstaunlich ruppig und sorgte für sofortige Begeisterungstürme bei älteren Fans der Band. Der Sound kam wesentlich kompakter und aufgeräumter aus den Boxen, als bei den anderen beiden Bands, so dass endlich ein ungetrübtes Hörvergnügen möglich war. Stimmlich war Holmes an diesem Abend sicher und ließ bei dem selten live gespielten „Rotting Misery“ vom Debüt gar ein paar Growls vom Stapel. Erst ab der Hälfte des Sets, speziell während „Never For The Damned“ ließ seine Fähigkeit Aggression in die Stimme zu legen etwas nach und der Front-Zyniker begnügte sich fortan mit sauberem Klargesang. Die Setlist war angenehm abweichend vom Standard. So verzichtete man auf häufig geforderte Tracks wie „Forever Failure“ oder „As I Die“, brachte dafür mit „Remembrance“, „Gothic“ oder „Enchantment“ nicht weniger geniale Klassiker auf die Bühne. Nach nur zehn Songs verließ man schon zum ersten Mal die Bühne, kehrte jedoch schnell für vier weitere Tracks zurück. Nach „Over The Madness“ war dann aber wirklich Schluss und nicht wenige blickten verwundert auf die Uhr als nach etwa 75 Minuten die Lichter angingen und jeden Zugabe-Ruf im Keim erstickten. Kurz danach kam auch schon die Security mit den Bändern an und trieb die Herde nach draußen.

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Ein solides Konzert-Erlebnis war es letztlich doch, aber das enorme Potential dieses Packages wurde bei weitem nicht genutzt. Dafür wurden KATATONIA zu sehr abgespeist, dafür waren LACUNA COIL zu sehr Opfer ihres Soundmannes sowie der eigenen Routine und für ein Jubiläum war das PARADISE LOST Set deutlich zu kurz und energielos.  Hier wurde von vorne bis hinten Sparflamme aufgefahren. Montage sind bei Künstlern offensichtlich ebenso wenig beliebt, wie beim regulär arbeitenden Volk.

David Timsit

ASP & NoyceTM (Köln, Live Music Hall – 10.10.2013)

ASP steht für Lyrik, die über das vorstellbare des Menschen hinausgeht, die zum nachdenken anregt, für die es genauso individuell als auch unantastbare Lösungen gibt. Es steht für tiefsinnigen Gothic Novel Rock der sich mit der Psyche des Menschen beschäftigt. ASP hauchte dem „Schwarzen Schmetterling“ Leben ein. Seid Jahren polarisiert die Band um Alexander Frank Spreng (ASP) die schwarze Szene mit einem schier unendlichen Output an Alben und Singles.

 
Am 10.10 waren die Gothic Rocker von ASP auf großer Maskenball Tour zu Gast in der Live Musik Hall Köln. Die Tour stand ganz unter dem Zeichen des Neuen Albums Maskenhaft (fremder- Zyklus Teil 2), was es bis auf Platz 2 der Deutschen Charts schaffte. Um 19 Uhr öffnete die Live Musik Hall Ihre Türen für ein Schwarzes Konzert welches schon im Vorfeld für Spannung und hohe Erwartungen sorgte. Im Eingangsbereich war der ASP Merchendaising Stand aufgebaut. Dort bekamen Fans neben T-Shirts , Jacken und CD’s alles was man sich nur wünschen kann. Die Frankfurter Jungs haben ganz groß aufgefahren. Alexander Spreng brachte auch seine Comics, Bücher und Gedichtbände mit, welche reißendem Absatz fanden.

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Um 20:05 starte das Konzert mit der aus Düsseldorf geladenen Band NoyceTM. Die 1996 gegründete Future Pop Band um Frontmann Florian Valentin Schäfer sorgte mit dunklen Elektrosounds für lockere Stimmung und ausgelassenes Tanzen. Die Jungs ernteten tosenden Applaus vom mittlerweile aufgetauten Publikum. Um 21:07 war es dann soweit. Umhangen mit Ketten unter stählerner Maske betrat ASP die Bühne. Begleitet von tosendem Applaus und fast wildem Schreien spielten die Jungs das Lied des heuten Mottos „Die Kreatur mit der stählernen Maske“. Die volle Konzerthalle würdigte dies mit ehrfürchtigem und respektvollem Staunen. Neben Liedern vom aktuellen Album wie „Reflektion“, „Per Aspera Ad Aspera“, „Die Klippe“, erwartete das Publikum eine schwarz-bunte Mischung aus nahezu 14 Jahren Bandgeschichte. Mit humoristischen Einlagen fand ASP zwischen den Songs immer eine passende Überleitung zur möglichen Interpretation der Stücke. Gegen 22:45 verließen die Frankfurter Jungs die Bühne. Für das tosende Publikum kein Grund, der Bühne den Rücken zu kehren.

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Das tosende Publikum schrie im Chor: „Wir wollen Brennen, Wir wollen Brennen“. Das konnte selbst der „Meister“ nicht überhören und kam unter großem Applaus auf die Bühne zurück. Was war gefordert? Natürlich“ Ich will Brennen“ vom Erfolgsalbum „Schwarzer Schmetterling III“. Das Konzert endete um 23:05. Ein großartiger, toller Erfolg für alle Mitwirkenden, sowie die treuen Fans. Der gelungene Konzertabend zeigte, dass sich die Fans auch nach 14 Jahren Bandgeschichte noch auf viele weitere Jahre tiefsinnige Schauerlyrik von ASP freuen dürfen.

Viktor Volk

Wacken 2013 – Metal-Kultur oder Kommerz?

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Das 1990 gestartete Kult-Festival hat soeben seine 23. Runde absolviert und mit unzähligen Bands und Attraktionen mehr als 70.000 Besucher aus aller Welt in die beschauliche Gemeinde gelockt. Während die einen das Festival als wahr gewordenen Metal-Traum erlebten, lief den anderen im Hinblick auf Preise, Rahmengestaltung und Organisation die Galle über.

Mit dem Motto „Von Fans für Fans“ kokettierte das Veranstalter-Team über viele Jahre hinweg, doch dass die ICS GmbH  – damals noch „Stoned Castle Rockpromotions“ –  von Anfang an mehr als ein gemütliches Dorffest  im Sinn hatten, lässt sich bereits dem frühen Werdegang des Events entnehmen. Schon die Drittausgabe hatte mit Saxon und Blind Guardian die ersten Hochkaräter zu bieten. Den entgültigen Durchbruch erreichte man ab 1996, als das Line-Up überwiegend aus etablierten Bands bestand und seither ein rasantes Wachstum verzeichnen konnte. Dies schlägt sich auch im Ticketpreis nieder. 2014 wird dieser  abermals um 20 € erhöht und liegen somit bei 160 €. Das entspricht dem Faktor x6,4 gegenüber dem Ticketpreis von 1996, welcher seinerzeit mit 25,05 € zu Buche schlug. Natürlich ist der Umfang der Veranstaltung keineswegs vergleichbar, mit dem was man früher geboten bekommen hat. Darüber hinaus sind die Preise aus DM-Zeiten weder inflationsbereinigt, noch spiegeln sie die Realität der heutigen Eventbranche wieder. Dennoch kann man hinsichtlich der Preisentwicklungen der letzten Jahre nahezu von einer Kostenexplosion sprechen. Selbst gegenüber 2006 hat sich der Ticketpreis mittlerweile verdoppelt. Auch Getränke und Essen entwickeln sich auf dem Festivalgelände zu einer immer kostspieligeren Angelegenheit. Mit einem Literpreis von 10 € (0,3 Becher à 3 €) bewegt man sich nun in Münchener Oktoberfest-Sphären, das Wasser kostet ebenso viel und das Hot Dog zu 5 € wird sich manch einer lieber gespart haben.

Doch was bekommt man nun für sein Geld geboten? Neben einem vollgepackten Line-Up mit Hochkarätern wie Rammstein, Alice Cooper, Deep Purple, Danzig uvm. vor allem jede Menge Attraktionen und Service-Angebote, deren Wert von Besucher zu Besucher sehr  unterschiedlich wahrgenommen wird:  Die Chill Out Lounge, das Electric House zur Aufladung mobiler Geräte, das Movie-Feld (inkl. Filmnacht), Freibad, Fußball, Metal-Karaoke, Metal-Markt, Seelsorger-Team, Supermarkt, Wrestling-Shows und mehr sorgen dafür, dass der Besucher auch neben Konzerten und Camping-Platz jede Menge Möglichkeiten erhält sich die knappe Woche über auf dem Gelände zu beschäftigen und unterhalten zu lassen. Angesichts der lauten Kritik im Netz entsteht der subjektive Eindruck all diese Angebote wären von den Gästen mehrheitlich nicht erwünscht, doch handelt es sich hierbei nicht meist um eingefleischte Fans, die das Festival wachsen gesehen haben und sich ihrer persönlichen Vorstellung des Events beraubt sehen? Doch Veranstalter Holger Hübner hat hier auch die ausländischen Besucher im Blick. Dem Metal Hammer erörtert er im Interview vom 21. Januar 2012, dass speziell dieser Teil der Zielgruppe das Wacken Festival als einen Teil der Urlaubsplanung betrachtet. Dementsprechend ist es natürlich nachvollziehbar, dass der Anspruch an Unterhaltung höher erscheint, als beim hiesigen Metal-Fan, der das Festival, mit geringerem finanziellen und logistischen Aufwand, an einem Wochenende der Musik wegen mitnimmt.

Darüber hinaus scheint es aus Veranstalter-Sicht sinnvoll zu sein einen Plan B in der Tasche zu haben. Denn sieht man einmal genauer hin, dann fällt auf, dass sich die heutigen erfolgreichen Bands meist der Generation 40+ angehören. Einige der Veteranen bewegen sich gar schon weit in ihren 60ern. Der Nachwuchs scheint allenfalls in verwandten Genres wie Post Rock & Metalcore zu nennenswertem Erfolg zu kommen. Sich nicht von zugkräftigen Bands abhängig zu machen und den Event als Star aufzubauen ist hinsichtlich eines langfristigen Plans wohl die einzig logische Herangehensweise.

Doch was denkt ihr? Ist Wacken immer noch ein wichtiger Teil der Metal-Kultur oder nur noch Kommerz? Teilt es uns im Kommentarbereich oder auf Facebook mit!

David Timsit

Rammstein, Wacken Festival, 01.08.2013

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Wer hätte das gedacht? Auf dem größten Heavy Metal Festival der Welt treten die Jungs von Rammstein auf. Das „Sold Out“ war da schon so gut wie vorprogrammiert.

Am ersten Abend des am 01.08 beginnenden Festivals, war es soweit. Die bis dato noch ungenutzte True Metal Stage, wurde um 22:15, nach dem Konzert der Hard Rocker von Deep Purple, eröffnet. Das mit rund 75000 Besuchern aus aller Welt ausverkaufte Wacken Open Air, wartete schon Stunden vorher auf den heiß ersehnten Auftritt.

Rammstein präsentierten sich pünktlich und wie nicht anders zu erwarten hoch-professionell mit einer spektakulären Pyro-Show.  Klassiker wie „Sehnsucht“, „Du hast“,“ Rammstein“, „Mein Teil “ oder „Keine Lust“ brachten die Metalheads mit einer schwer in Worte zu fassenden Animations-Show zum Staunen. Eine Explosion jagte die nächste, von über das Feld zischenden Raketen bis hin zu sprühenden Funkenregen und Flammwerfer Einlagen gab es das volle Programm. Till Lindemann, der sich denn Zuschauern  wie immer wortkarg zeigte,  lieferte eine spektakulären Show ab. Flake am Keyboard wurde auch, wie in den Shows zuvor, nicht verschont und bekam teilweise die volle Härte zu spüren. Er durfte das ganze Konzert auf einem Laufband spielend verbringen.

Rammstein hatten als besonderes „Highlight“ Volksmusiker Heino zum Lied Sonne als Gastsänger geladen, was vom Publikum teils mit Verwunderung und Verwirrtheit betrachtet wurde. Selbst dem erfahren Heino, der eine Strophe singen durfte, verschlug es beim Einsatz der Flammenwerfer die Sprache.

Till Lindemann verneigte sich nach gelungener Zugabe mit den Worten: „Es war mir eine Ehre hier spielen zu dürfen!“. Ein perfekter Auftritt von einer hoch-professionell arbeitenden Band leitete somit den Startschuss für ein phantastisches Festival ein.

 Viktor Volk

Lord Of The Lost & Unzucht (Köln, Underground – 02.02.2013)

Samstagabend: Vor dem Underground in der Vogelsanger Straße versammelten sich die Fans von Lord of the Lost und Unzucht zur Darkness Kiss Tour 2013. Im restlos ausverkauften Underground herrschte eine warme, fast schon familiäre Stimmung unter den Fans.

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Mit kaum merklichen 15 Minuten Verspätung betraten Unzucht um 20:15 die Bühne. Ein tosender Applaus zog durch den Club. Wer ist Unzucht fragt ihr euch? Unzucht ist eine 2009 gegründete deutsche Musikgruppe aus Hannover um den Frontmann Daniel Schulz. Bekannt wurden die vier Jungs durch Auftritte beim Rockharz Festival, dem M’era luna und als Vorband von Mono inc., Jennifer Rostock und Stahlmann. Die Dark Rock Band präsentierte sich in Hochform und zog innerhalb weniger Minuten das Publikum mit harten Gothic Rock Riffs und Elektroelementen in den Bann. Daniel Schulz, Daniel de Clercq, Alex Blaschke und Tobi Fuhrmann brachten das Underground mit Ansagen wie:“Köln, macht mal Krach!“ zum kochen. Lieder der Marke „Tanz“ und „Engel der Vernichtung“ wurden vom Publikum frenetisch mitgesungen. Seinen Höhepunkt erreichte „Unzucht“, als sich Frontmann Daniel Schulz auf die Hände der jubelnden Menge warf und sich durch den Saal tragen lies. Unzucht bewiesen ein weiteres mal, dass Sie sowohl musikalisch, als auch Show-technisch mit voller Kraft auf den Gothic-Olymp zusteuern.

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Der Headliner Lord of the Lost ist eine 2007 gegründete Dark Rock Band, die Musik verschiedener Genres vereint. Gothic Rock, Gothic Metal, und Elektro- Rock. Wobei die Texte überwiegend auf Englisch vorgetragen werden. Die Band wurde von Anfang an gut angenommen. Frontmann Chris Harms bedankte sich zwischendurch bei seinen Fans für tolle Stimmung, den Empfang, die Unterstützung und rief: „Die Hütte ist ausverkauft!“ Er sprach von früheren Besuchen in Köln und von der Gegenwart. Harte Drum-Schläge, laute Metal rifs und die verzerrte Stimmte animierten das Publikum zum tanzen und jubeln. Chris Harms und Bo six spielten Oberkörper frei. Lord of the Lost begeisterte die jubelnde Menge mit Liedern wie „Sex On Legs“ und „Die Tomorrow“ mit denen die Band das Publikum zum mitsingen animierte. Frontmann Harms hob besonders die Leistung von Gared Dirge hervor, der mit seinen Drums, E Piano und Gitarre auf Hochtouren performte. Die gute Stimmung zog alle in seinen Bann und Chris Harms merkte schmunzelnd an: „Ich liebe Gothic Veranstaltungen.“ Die Zugabe startete mit dem Schrei: „Wollt ihr ein bisschen Unzucht?!“ Anschließend spielten beide Bands zusammen die Gothic Rock Version von Lady Gagas „Bad Romance“, was einen gelungenen Abschluss des Abends darstellte.

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Das Konzert endete um 23:15. Nach dem Auftritt zeigten sich die Musiker publikumsnah. Sie schrieben Autogramme und plauderten mit den Fans. Die Preise am Merchandise Stand erwiesen sich zudem als fair. Fazit des Abends: Lord of the Lost und Unzucht können es ohne sich zu verstecken mit den ganz großen der Gothic Szene aufnehmen. Ein Abend der uns nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird.

Viktor Volk