Sabaton – Heroes

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David Timsit

Label: Nuclear Blast
Spielzeit: 36:57

Wenn es eine Band derzeit versteht die Gemüter medienwirksam zu erhitzen und zu polarisieren, dann SABATON. Der plakative Haudrauf-Stil der Schweden ist beileibe nicht jedermanns Sache, die kriegsverherrlichend wirkende Attitüde ebenso wenig und mit zu viel Pop-Appeal verscherzt man es sich auch noch mit vielen Metalheads. Dennoch scheint der Erfolg der Truppe recht zu geben. Die Zutaten stimmen grundsätzlich ja auch. Alle zehn Tracks sind fett produzierte Hymnen, catchy inszeniert und beanspruchen die Aufmerksamkeit durch ihre kompakten Arrangements keine Sekunde länger als nötig. Songs wie „Smoking Snakes“ oder „Resist And Bite“ sind Referenz-taugliches Material und die vielen Choreinsätze kaschieren die Schwächen im Leadgesang kunstvoll. Was der Chose fehlt ist Charakter und Authentizität. Jede Melodie scheint entliehen, zu keiner Sekunde hat man das Gefühl die Menschen hinter der Band wahrzunehmen. Das ist bei storygetriebener Musik auch nicht zwingend notwendig, aber wenn der Künstler einem in Schunkelatmosphäre eine Story über Auschwitz auftischt, wirkt das nicht nur aufgesetzt und unreif, sondern auch höchst unangenehm. SABATON ist davon abgesehen sicherlich eine ambitionierte Band, die ihr Handwerk versteht und sich mit den richtigen Leuten umgibt. Selbst als passionierter Musikhörer findet man hier einiges das einem gefallen kann. Dennoch bleibt durch das unterschwellige Gemisch aus Anbiederung und schlechtem Stil ein schaler Nachgeschmack.

6,5/10

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Vallenfyre – Splinters

Vallenfyre-Splinters

David Timsit

Label: Century Media
Spielzeit: 43:11

Eigentlich sollte man meinen, dass Greg Mackintoshs Bedürfnis Oldschool-Klängen zu frönen durch die stilistische Rückbesinnung von Paradise Lost zu genüge gestillt sein sollte. Doch die Wurzeln des Briten liegen nun mal weit tiefer im Death Metal als es mit der Hauptband möglich wäre umzusetzen. Und wer nun dachte, dass das VALLENVYRE Debüt ein einmaliger künstlerischer Ausdruck der Midlife-Crisis war, der wird mit „Splinters“ eines besseren belehrt. Bereits der Titeltrack macht mit seiner Mischung aus Entombed-Sound und ganz frühen Paradise Lost Anleihen klar wohin die Reise geht. Hier wird richtig schmutziger, fieser Metal zelebriert, der wie eine aufgefrischte Version der frühen 90er klingt und jedem Early-Göteborg-Fan die Freudentränen in die Augen treibt. Die doomigen Monster-Riffs werden mit Bleifuss auf dem HM-2 Pedal durch die Boxen gejagt, zwischendurch jault eine Wah-Wah Melodie und darüber drohnt Mackintoshs brutales Organ. Unterbrochen wird dieses walzende Inferno von jähen Zornausbrüchen in Form entfesselter, aber nicht unkontrollierter Blastparts. Wer bei Perlen wie dem treibenden „Odious Bliss“, dem griffigen „The Wolves Of Sin“ oder dem monströsen „Bereft“ nicht die Matte in Rotation bringt, dem sollte die Scheibe in 24-stündiger Dauerrotation zwangsverordnet werden. Das Ding hier atmet und lebt Metal. Wenn jetzt noch ein Stück weit die Catchiness und kompositorische Raffinesse enthalten wäre, die in Bandkopf Mackintosh erwiesenermaßen schlummert, wäre die Geschichte perfekt. So bleibt es ein etwas sperriger, bewusst naiv gehaltener Doom- / Death-Brocken für Enthusiasten.

8/10

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Epica – The Quantum Enigma

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David Timsit

Label: Nuclear Blast
Spielzeit: 69:25

Meine Fresse, ist das pompös. EPICA haben gut daran getan sich endlich von Produzent Sascha Paeth zu lösen und mit Leuten zusammenzuarbeiten, die was von Breitwand-Gitarrensound verstehen. Nicht, dass der Routinier Paeth nicht wüsste was er tut, aber sein meist trockener, rockiger Sound passt nicht zu einer Band, die das ganz große Kino verkörpern möchte. Das Team Jacob Hansen / Joost van den Broek hat der Band hier die nötige Frischzellenkur verpasst, um die Härte und den Bombast der letzten DVD-Veröffentlichung „Retrospect“ auch auf Tonträger gebannt zu bekommen. Das ist zwar hervorragend gelungen, doch die alte Schwäche der Band keine griffigen Songs schreiben zu können, ist nach wie vor ein Problem, das sich nicht kaschieren lässt. Im Gegenteil – im choralen Einerlei ersäuft so manch gute Idee, die mit weniger Schnörkeln zu einem brauchbaren Song führen hätte können. Audiophilen Klanggewalt-Fetischisten wird das nicht viel ausmachen, zumal die gesteigerte Brutalität bei Songs wie „Victims Of Contingency“ den bombastischen Eindruck weiter verstärkt. Auch Freunde geschickt geschichteter Arrangements und cineastischer Stimmungen werden hier auf ihre Kosten kommen, aber wirklich catchy ist hier wenig. Will man je vollständig zur Genre-Konkurrenz von Nightwish oder Within Temptation aufschließen, sollte man bei EPICA künftig den Akustikgitarren-Test zu Rate ziehen. Ein guter Song funktioniert auch am Lagerfeuer und derer gibt es auf „The Quantum Enigma“ wenige.

6,5/10

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Psilocybe Larvae – The Labyrinth Of Penumbra

The Labyrinth Of Penumbra

David Timsit

Label: Buil2Kill Records
Spielzeit: 42:20

PSILOCYBE LARVAE sind eine russische Dark Metal Combo, die schon seit 1996 ihr Unwesen im größten Staat der Welt treibt. „The Labyrinth Of Penumbra“ ist das vierte Werk, das bislang das Licht der Welt erblickt hat. Bereits zum zweiten Mal hat das anspruchsvolle Quintett rund um Mastermind Larv nichts anbrennen lassen und das Album in den New Yorker Cutting Room Studios mastern lassen. Das Ergebnis kann sich hören lassen – der Sound ist stets transparent, breit und dabei organisch. Doch wichtiger ist natürlich die Musik an sich und diese ist in ihrer unkitschigen Melancholie und filigranen Machart in der Tat so eigenständig, dass sich nur schwer Referenzen ausmachen lassen. Es werden bisweilen ähnliche Emotionen transportiert wie bei älteren Katatonia Scheiben, harmonisch schlägt man jedoch vielseitigere Töne an. Da klingt zum einen die gute, alte Prog-Schule durch, aber auch der Black Metal dürfte einige Spuren im Schaffen der Band hinterlassen haben. Ebenso wenig scheut man sich das Songmaterial hier und da um einige Loops anzureichern. Dass man diese Komplexität nicht beim ersten Durchgang fassen kann, versteht sich von selbst. PSILOCYBE LARVAE bieten dem Hörer keinen catchy Aufhänger an, die Musik will erarbeitet werden. Die überwiegend nicht wirklich langen Tracks, wirken aufgrund ihrer Strukturen monströser, als sie sind. Gut, dass man da immer wieder Erholungspausen in Form akustischer Versatzstücke eingestreut hat und zur Mitte mit „Into The Labyrinth“ zumindest einen Song abliefert, der durch eine gewisse Griffigkeit, vergleichbar mit Opeth zu Blackwater Park Zeiten, direkt hängenbleibt. Gesanglich liefert Larv ebenfalls ein interessantes Wechselspiel zwischen cleanen und gegrowlten Vocals ab, ist hierbei aber wesentlich expressionistischer und pathetischer als Akerfeldt oder viele seiner Kollegen im alternativen Dark Metal Genre, was zuweilen ein gewisses Moonspell-Feeling erzeugt.

Die Band tourt überwiegend in östlichen Ländern wie ihrem Heimatland, Tschechien oder Polen. Wer die Gelegenheit hat sich die Band in derlei Gefilden live anzusehen, sollte diese unbedingt wahrnehmen. PSILOCYBE LARVAE sind eine dieser seltenen Bands, die wirklich neues und fortschrittliches abliefern und dabei nicht direkt so experimentell zu Werke gehen, dass man ihnen nicht mehr folgen könnte. Diese Truppe ist ein wunderbar bereichender Farbklecks in der Musiklandschaft, der vielleicht noch ein klein wenig Politur fehlt, um auf breiterer Ebene nachhaltig wahrgenommen zu werden.

8/10