Psilocybe Larvae – The Labyrinth Of Penumbra

The Labyrinth Of Penumbra

David Timsit

Label: Buil2Kill Records
Spielzeit: 42:20

PSILOCYBE LARVAE sind eine russische Dark Metal Combo, die schon seit 1996 ihr Unwesen im größten Staat der Welt treibt. „The Labyrinth Of Penumbra“ ist das vierte Werk, das bislang das Licht der Welt erblickt hat. Bereits zum zweiten Mal hat das anspruchsvolle Quintett rund um Mastermind Larv nichts anbrennen lassen und das Album in den New Yorker Cutting Room Studios mastern lassen. Das Ergebnis kann sich hören lassen – der Sound ist stets transparent, breit und dabei organisch. Doch wichtiger ist natürlich die Musik an sich und diese ist in ihrer unkitschigen Melancholie und filigranen Machart in der Tat so eigenständig, dass sich nur schwer Referenzen ausmachen lassen. Es werden bisweilen ähnliche Emotionen transportiert wie bei älteren Katatonia Scheiben, harmonisch schlägt man jedoch vielseitigere Töne an. Da klingt zum einen die gute, alte Prog-Schule durch, aber auch der Black Metal dürfte einige Spuren im Schaffen der Band hinterlassen haben. Ebenso wenig scheut man sich das Songmaterial hier und da um einige Loops anzureichern. Dass man diese Komplexität nicht beim ersten Durchgang fassen kann, versteht sich von selbst. PSILOCYBE LARVAE bieten dem Hörer keinen catchy Aufhänger an, die Musik will erarbeitet werden. Die überwiegend nicht wirklich langen Tracks, wirken aufgrund ihrer Strukturen monströser, als sie sind. Gut, dass man da immer wieder Erholungspausen in Form akustischer Versatzstücke eingestreut hat und zur Mitte mit „Into The Labyrinth“ zumindest einen Song abliefert, der durch eine gewisse Griffigkeit, vergleichbar mit Opeth zu Blackwater Park Zeiten, direkt hängenbleibt. Gesanglich liefert Larv ebenfalls ein interessantes Wechselspiel zwischen cleanen und gegrowlten Vocals ab, ist hierbei aber wesentlich expressionistischer und pathetischer als Akerfeldt oder viele seiner Kollegen im alternativen Dark Metal Genre, was zuweilen ein gewisses Moonspell-Feeling erzeugt.

Die Band tourt überwiegend in östlichen Ländern wie ihrem Heimatland, Tschechien oder Polen. Wer die Gelegenheit hat sich die Band in derlei Gefilden live anzusehen, sollte diese unbedingt wahrnehmen. PSILOCYBE LARVAE sind eine dieser seltenen Bands, die wirklich neues und fortschrittliches abliefern und dabei nicht direkt so experimentell zu Werke gehen, dass man ihnen nicht mehr folgen könnte. Diese Truppe ist ein wunderbar bereichender Farbklecks in der Musiklandschaft, der vielleicht noch ein klein wenig Politur fehlt, um auf breiterer Ebene nachhaltig wahrgenommen zu werden.

8/10

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Primal Fear – Delivering The Black

PF Black

David Timsit

Label: Frontier Records
Spielzeit: 51:18

Im klassischen Heavy Metal ist grundsätzlich alles gesagt, ein neues Album ist selten mehr als Stilpolitur und technischer Show-Off. Dennoch sind PRIMAL FEAR immer ein audiophiler Hochgenuss. Und schon mit dem schnörkellosen Intro im Opener „King For A Day“ weiß man als Fan Bescheid wohin die Reise geht. In Sachen Härte, Spieltechnik und Produktionsqualität hat man Vorbilder wie Judas Priest oder Accept längst hinter sich gelassen, insofern sind solche Referenzen heutzutage kaum mehr notwendig. Bemerkenswert ist allerdings, dass es die Schwaben diesmal auch schaffen das Songwriting durchgängig auf internationales Top-Niveau zu hieven. Unter den zehn Songs befindet sich kaum ein wirklicher Stinker. Positiv ist der Verzicht auf zu viele Elemente im Arrangement der Songs hervorzuheben. Gitarre links, Gitarre rechts, Gesangsdopplungen nur dort wo sie Sinn machen – so muss das sein. Aus diesem Schema brechen lediglich zwei Songs heraus: Zum einen das neun Minuten lange „One Night In December“, welches mit orchestralem Einstieg und Savatage-artigen Passagen einen schönen Kontrast zu dem trockenen Heavy Metal des restlichen Materials herstellt und das genau an der richtigen Stelle des Albums. An vorletzter Stelle der Tracklist befindet sich zum anderen mit „Born With A Broken Heart“ noch eine etwas belanglos wirkende Halbballade, die aufgrund der sägenden Gitarren in den härteren Parts dennoch kaum Airplay-tauglich sein dürfte. Vielleicht reichts ja für div. Zweitverwertungen auf Samplern. Das abschließende „Inseminoid“ reißt es auch nicht mehr raus. Abgesehen davon ist PRIMAL FEAR mit „Delivering The Black“ ein echtes Highlight geglückt, das mit jedem ihrer früheren Outputs mithalten kann und einige der letzteren zudem deutlich übertrifft. Echte Headbanger greifen bedenkenlos zu.

8,5/10

Danger Zone #001 – die Gothic-Metal.com Jahrescharts 2013

Danger Zone 001

Die Erstausgabe deines neuen Metal Podcast! DJ David und Jeno von Crud präsentieren die Gothic-Metal.com Jahrescharts – happy new year und viel Spaß damit!

Direktlink: #001 – die Gothic-Metal.com Jahrescharts 2013

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Carcass – Surgical Steel

Carcass-Steel

David Timsit

Label: Nuclear Blast
Spielzeit: 47:01

Wer nach 17 Jahren ohne Veröffentlichung mit so einem chirurgischen Albumtitel im Death Metal Sektor der heutigen Zeit auffährt, sollte besser ordentlich detailverliebte Riffs mit messerscharfer Produktion aus dem Hut zaubern, um dem Bild gerecht zu werden, welches dadurch beim Hörer erzeugt wird.

Um es vorweg zu nehmen: CARCASS liefern nicht nur ab, sie setzen auch noch einen drauf. Die Band knüpft mit „Surgical Steel“ hauptsächlich an ihrem erfolgreichsten Album an: „Heartworks“.  Das Album zeichnete sich damals durch den perfekten Querschnitt aus Brutalität, Spieltechnik und Gefälligkeit aus. Das Riffing war seiner Zeit weit voraus, das hervorragende Gespür für Melodie und Groove ungewöhnlich für eine Death Metal Band. Damals gab es entweder auf die Zwölf oder den typischen Gothic- / Doom Metal der Marke Paradise Lost oder My Dying Bride. Der Melodic Death Metal, der später von Bands wie At The Gates oder In Flames geprägt wurde hatte eher britische und skandinavische Wurzeln, während Carcass deutliche US-Thrash Einflüsse in ihrer Form des melodischen Death Metals verarbeiteten.

Diese Mischung treiben die vier Chirurgen nun mit ihrer geballten Erfahrung auf die Spitze. Mit zwei Original-Mitgliedern (Jeff Walker, Bill Steer) und zwei Frischlingen (Ben Ash, Daniel Wilding) stürzen sich die Veteranen nochmal in den stark besiedelten Musik-Dschungel  dieser Zeit um den jungen Hüpfern zu zeigen wo der schwermetallische Hammer hängt. Während das Intro „1985“ Erinnerungen an alte Metallica-Intros erweckt, zeigt das folgende, recht kurze „Thrashers Abattoir“ unmissverständlich auf, dass Carcass es mühelos geschafft haben ihren Stil an den nötigen Stellen zu modernisieren. Doch der richtige Spaß beginnt erst mit den folgenden Titeln. „A Congealed Clot Of Blood“ packt die absolute Keule hinsichtlich präzisem Riffing, tightem Drumming, swingenden Leadgitarren und monströsen Midtempo-Grooves aus. Was dann folgt sticht alte Kollegen wie Hypocrisy oder Bolt Thrower ebenso mühelos aus, als auch aktuelle Death-Monster wie Kataklysm oder Illdisposed. Mit Tracks wie „The Granulating Dark Satanic Mills“ stellen Carcass nicht nur das Schaffen stilistisch verwandter Bands in den Schatten, sondern auch die eigene Diskographie.

Wenn „Surgical Steel“ diese Band nicht wieder von Null auf Hundert in Top-Positionen in den Line-Ups der Herbst-Touren und kommenden Sommer-Festivals spült, dann läuft hier was verkehrt.  Die Produktion ist fantastisch, die richtige Balance aus anspruchsvoller Spieltechnik und bauchlastigem Groove der reinste Hörgenuss – eines der absoluten Highlights dieses Jahres. Unbedingt reinhören!

9/10