Crowbar – Symmetry In Black

CrowbarSymmetry

David Timsit

Label: Century Media
Spielzeit: 48:12

Was für ein Ballast muss Kirk Windstein von den Schultern gefallen sein um so ein Album aufzunehmen? Derart befreit hat man die bärtige Chefkugel des über die Jahre lediglich optisch erschlankten Sludge-Quartetts seit Mitte der 90er nicht mehr aufspielen gehört. Ob es das Ende seiner Verpflichtungen bei Down ist, die stärkere Integration der Familie ins Bandgeschäft oder einfach der richtige Lifestyle-Mix – man weiß es nicht. Aber das ist die Scheibe, auf die jeder CROWBAR-Fan seit 20 Jahren wartet. Gute Platten erkennt man meist schon am Intro-Riff. „Symmetry In Black“ macht hier keine Ausnahme. Kurzes Drum-Intro, ober-böse Gitarren-Lawinen und die Backen des Rezensenten gehen freudestrahlend auseinander. Was für ein Sound! Was für eine Stimme! Windstein kehrt hier, nahe dem Erbrechen, sein Innerstes nach außen, bis hin zur totalen Katharsis. Und auch für den Zuhörer ist diese Scheibe Seelenreinigung deluxe. Ob Uptempo-Eskapaden wie „Teach The Blind The To See“ oder Doom-Urgewalten der Sorte „Symmetry In White“ – hier liegt gelebtes Unheil als Scherbenhaufen brach um fruchtbares Neuland entstehen zu lassen. Macht kaputt was euch kaputt macht – Gothic-Metal.com empfiehlt hierzu „Symmetry In Black“ in einer Mindestdosis von dreimal pro Tag.

9/10

Symmetry in Black

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Vallenfyre – Splinters

Vallenfyre-Splinters

David Timsit

Label: Century Media
Spielzeit: 43:11

Eigentlich sollte man meinen, dass Greg Mackintoshs Bedürfnis Oldschool-Klängen zu frönen durch die stilistische Rückbesinnung von Paradise Lost zu genüge gestillt sein sollte. Doch die Wurzeln des Briten liegen nun mal weit tiefer im Death Metal als es mit der Hauptband möglich wäre umzusetzen. Und wer nun dachte, dass das VALLENVYRE Debüt ein einmaliger künstlerischer Ausdruck der Midlife-Crisis war, der wird mit „Splinters“ eines besseren belehrt. Bereits der Titeltrack macht mit seiner Mischung aus Entombed-Sound und ganz frühen Paradise Lost Anleihen klar wohin die Reise geht. Hier wird richtig schmutziger, fieser Metal zelebriert, der wie eine aufgefrischte Version der frühen 90er klingt und jedem Early-Göteborg-Fan die Freudentränen in die Augen treibt. Die doomigen Monster-Riffs werden mit Bleifuss auf dem HM-2 Pedal durch die Boxen gejagt, zwischendurch jault eine Wah-Wah Melodie und darüber drohnt Mackintoshs brutales Organ. Unterbrochen wird dieses walzende Inferno von jähen Zornausbrüchen in Form entfesselter, aber nicht unkontrollierter Blastparts. Wer bei Perlen wie dem treibenden „Odious Bliss“, dem griffigen „The Wolves Of Sin“ oder dem monströsen „Bereft“ nicht die Matte in Rotation bringt, dem sollte die Scheibe in 24-stündiger Dauerrotation zwangsverordnet werden. Das Ding hier atmet und lebt Metal. Wenn jetzt noch ein Stück weit die Catchiness und kompositorische Raffinesse enthalten wäre, die in Bandkopf Mackintosh erwiesenermaßen schlummert, wäre die Geschichte perfekt. So bleibt es ein etwas sperriger, bewusst naiv gehaltener Doom- / Death-Brocken für Enthusiasten.

8/10

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Danger Zone #004 – Retro Rock

Danger Zone 004

Die Ausgabe #004 des DANGER ZONE Podcasts ist ab sofort online!

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Macht die Räucherstäbchen an, köpft ’nen Wein und lasst es euch gut gehen!

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Psilocybe Larvae – The Labyrinth Of Penumbra

The Labyrinth Of Penumbra

David Timsit

Label: Buil2Kill Records
Spielzeit: 42:20

PSILOCYBE LARVAE sind eine russische Dark Metal Combo, die schon seit 1996 ihr Unwesen im größten Staat der Welt treibt. „The Labyrinth Of Penumbra“ ist das vierte Werk, das bislang das Licht der Welt erblickt hat. Bereits zum zweiten Mal hat das anspruchsvolle Quintett rund um Mastermind Larv nichts anbrennen lassen und das Album in den New Yorker Cutting Room Studios mastern lassen. Das Ergebnis kann sich hören lassen – der Sound ist stets transparent, breit und dabei organisch. Doch wichtiger ist natürlich die Musik an sich und diese ist in ihrer unkitschigen Melancholie und filigranen Machart in der Tat so eigenständig, dass sich nur schwer Referenzen ausmachen lassen. Es werden bisweilen ähnliche Emotionen transportiert wie bei älteren Katatonia Scheiben, harmonisch schlägt man jedoch vielseitigere Töne an. Da klingt zum einen die gute, alte Prog-Schule durch, aber auch der Black Metal dürfte einige Spuren im Schaffen der Band hinterlassen haben. Ebenso wenig scheut man sich das Songmaterial hier und da um einige Loops anzureichern. Dass man diese Komplexität nicht beim ersten Durchgang fassen kann, versteht sich von selbst. PSILOCYBE LARVAE bieten dem Hörer keinen catchy Aufhänger an, die Musik will erarbeitet werden. Die überwiegend nicht wirklich langen Tracks, wirken aufgrund ihrer Strukturen monströser, als sie sind. Gut, dass man da immer wieder Erholungspausen in Form akustischer Versatzstücke eingestreut hat und zur Mitte mit „Into The Labyrinth“ zumindest einen Song abliefert, der durch eine gewisse Griffigkeit, vergleichbar mit Opeth zu Blackwater Park Zeiten, direkt hängenbleibt. Gesanglich liefert Larv ebenfalls ein interessantes Wechselspiel zwischen cleanen und gegrowlten Vocals ab, ist hierbei aber wesentlich expressionistischer und pathetischer als Akerfeldt oder viele seiner Kollegen im alternativen Dark Metal Genre, was zuweilen ein gewisses Moonspell-Feeling erzeugt.

Die Band tourt überwiegend in östlichen Ländern wie ihrem Heimatland, Tschechien oder Polen. Wer die Gelegenheit hat sich die Band in derlei Gefilden live anzusehen, sollte diese unbedingt wahrnehmen. PSILOCYBE LARVAE sind eine dieser seltenen Bands, die wirklich neues und fortschrittliches abliefern und dabei nicht direkt so experimentell zu Werke gehen, dass man ihnen nicht mehr folgen könnte. Diese Truppe ist ein wunderbar bereichender Farbklecks in der Musiklandschaft, der vielleicht noch ein klein wenig Politur fehlt, um auf breiterer Ebene nachhaltig wahrgenommen zu werden.

8/10

Grand Magus – Triumph & Power

Grand+Magus

David Timsit

Label: Nuclear Blast
Spielzeit: 42:10

Wenn es etwas gibt das GRAND MAGUS wirklich gut können, dann ist es das Feeling und die Seele einer alten, abgehangenen Vinyl-Scheibe in jeglichem Format einzufangen. Die einstige Doom-Combo hat spätestens seit “Hammer Of The North” ihre Nische entdeckt und ist mit ihrem erdigen Heavy Rock eine der wenigen Bands, die heute noch authentisches 80s Feeling der Marke Ronnie James Dio und frühe Judas Priest versprühen. Neu sind allerdings die latenten Manowar-Anleihen, die sich vor allem in den Texten, aber auch im teils pathetischen Gesang wiederfinden. Frontman J.B. macht hier mehr als einmal den bärtigen Märchenonkel, der Geschichten von schwertschwingenden Kriegern und hammerwerfenden Nordmännern auspackt, was bisweilen im Kontrast zur unaufgesetzten instrumentalen Darbietung steht – quasi Conan der Barbar bekifft auf einer Harley Davidson.

“Triumph & Power” ist zeitlose Feelgood-Mucke für Heavy Metal Outlaws und Retro-Fans, die ein wenig Fantasy-Kitsch abkönnen. Durch die richtigen Akzente, wie das flotte “Dominator” und das epische “The Hammer Will Bite” mit seinen asiatisch anmutenden cleanen Gitarren im Intro, wird die Scheibe nie langweilig, obwohl sie überwiegend im gediegenen Mitteltempo vor sich hingallopiert. Kutten- & Vollbartträger marschieren in den Plattenladen und greifen bedenkenlos zu. Vorzugsweise stilecht auf Vinyl.

9/10

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„Cross Purposes“ von Black Sabbath wird 20 Jahre alt



Wer heute an die Vergangenheit der britischen Rock-Legende zurückdenkt hat unweigerlich verblichene Bilder von vier Schlaghosen-Kids aus England vor dem geistigen Auge. Als Kind der 90er kannte man diese klassischen BLACK SABBATH jedoch hauptsächlich aus Papas Plattenkiste. 1994 war Grunge das dominante Thema der Rock Musik und Ozzy Osbourne brütete gerade darüber wie er seine Solokarriere neu beleben könne, woraus ein Jahr später das zwanghafte modern wirkende „Ozzmosis“ entstand. In Birmingham hingegen setzte man nach wie vor auf die bewährte Formel der End-80er. Die Truppe rund um Tony Iommi bestand mittlerweile aus dem zurückgekehrten Ur-Mitglied Geezer Butler am Bass, sowie Tony Martin, der auf „Cross Purposes“, nach einem kurzen Intermezzo von Ronnie James Dio („Dehumanizer“), sein viertes von fünf Sabbath-Alben einsingen sollte. Diese Scheibe feiert nunmehr seinen 20. Geburtstag und ist für die heutige Generation somit auch schon ein Oldie. 1994 klang die Mischung aus Retro-Riffs, atmosphärischen Soundsphären und kernigem Gesang zwar auch nicht so frisch wie der heiße Scheiß aus Seattle, aber dennoch durchaus zeitgemäß. Man schaffte hier den Spagat alte Fans mit Reminiszenzen an klassische Trademarks zu erfreuen und gleichzeitig ein breites Publikum mit gefälligem Hard Rock der Marke Savatage (in der Zakk Stevens Variante) zu bedienen. Das reichte immerhin für Platz 32 der deutschen Media Control Charts.

Black Sabbath 1994

Im Hinblick auf das Songwriting ist „Cross Purposes“ sicherlich das stärkste 90er Werk der Briten geworden. Hymnen wie der Titeltrack, Experimente der Marke „Virtual Death“ (mit deutlichem Alice In Chains Einschlag), die Uptempo-Nummer „Immaculate Deception“ oder die schöne Ballade „Dying For Love“ sind durch die Bank hochkarätige Tracks, die unterm Strich eine stimmige und abwechslungsreiche Mischung ergeben. Für „Evil Eye“ konnte man gar inoffiziell Eddie Van Halen für das Songwriting gewinnen, welcher aus geschäftlichen Gründen jedoch nie in den Credits auftauchte.

Auch wenn die Ur-Besetzung mit „13“ gerade erfolgreicher denn je ist, lohnt sich ein Blick in die mittlere Schaffensphase der Band. „Cross Purposes“ mag heutzutage ein wenig angestaubt und cheesy klingen, gehört aber in jede gut sortierte Plattensammlung.

 David Timsit

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Danger Zone – der Gothic-Metal.com Podcast!

Danger Zone

Schon länger in Planung, jetzt endlich am Start – mit Danger Zone starten wir im Januar 2014 unseren Podcast.

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Gerne könnt ihr uns euch Ideen für Themen, Specials, Songauswahl etc. zukommen lassen. Wir freuen uns auf eure Anregungen!