Crematory – Antiserum

crematoryantiserumcd

David Timsit

Label: SPV/Steamhammer
Spielzeit: 43:22

Nach wie vor tun sich viele Bands des Genres schwer mit der Zielgruppenerschließung. Während viele altgediente Dark Rocker ihr Heil im Ablegen von Gothic-Merkmalen sehen und sich auf Nebengenres wie Doom, Stoner, Post-Rock oder Progressive verstreuen, gehen CREMATORY entschlossen nach vorne und positionieren sich klar als die Quoten-Metal-Band der Goth-Discos.  Angesichts des Kirmes-Appeals, den viele ihrer Alben in der Vergangenheit hatten, ein konsequenter Schritt. So verwundert es nicht, dass ein Großteil des Materials im tanzbaren Gleichmarsch vor sich hinpumpt und der Synthesizer gleichberechtigt neben den Gitarren zirpt und sägt. Die hohe Kompositionskunst sind Tracks wie „Shadowmaker“ oder „Kommt näher“ nicht und auch lyrisch eher eine Qual, wenn man sich nicht in einem passenden Ambiente befindet. Ein solches wäre bspw. ein voller, schwitzender Club. Da mag diese Ansammlung an klischeebehafteten Schlagworten und Bassgepumpe durchaus Adrenalin-fördernd sein und seine volle Wirkung entfalten. Für zuhause kann man sich eher Tracks wie „Irony Of Fate“ oder „Back From The Dead“ anhören. Das ganz große Kino sind diese Songs zwar auch nicht, aber solider Gothic Metal mit nettem Elektro-Touch allemal. Den Titeltrack „Antiserum“ hat man sich ungewöhnlicherweise für die letzte Position der Tracklist aufgehoben. Rein musikalisch passt das aber recht gut, da man es hier mit einem etwas gedrosselten Tempo und ausladenderen Arrangements zu tun hat. Das Keyboard-Riff in der Strophe treibt den Song gut nach vorne und der Refrain hat ansatzweise episches Appeal.

Bei Crematory muss man damit klarkommen können, dass die Musik gerne mal eine bedeutungsschwangere Stimmung aufbaut, dahinter aber meist ein eher oberflächlicher, Club-tauglicher Vibe steckt. Daran ist nichts verkehrt, es ist eben nur ein wenig wie die schwarze Szene selbst – mehr Stlye als Substanz. Beim feiern prima, aber für die beseelten Stunden darfs dann doch eher eine Runde Katatonia sein.

7/10

Antiserum bei Amazon bestellen

Advertisements

Manowar – Kings Of Metal MMXIV

Manowar - Kings Of Metal

David Timsit

Label: Magic Circle
Spielzeit: 53:09

Holla, die Waldfee! Von MANOWAR hätte ich alles erwartet, aber nach den letzten Outputs alles andere als ein gelungene Neueinspielung eines schwer zu toppenden Klassikers. Genau genommen hatte ich die Metal Warriors seit gut einem Jahrzehnt aus den Augen verloren und nahm nur am Rande wahr, dass man ein belangloses Album mit einem fürchterlichen Sound veröffentlichte und es sich zunehmend mit Presse und Fans verscherzte. Aber ein echter Krieger steht wieder auf, wenn er am Boden liegt und kämpft weiter, auch wenn es nur darum geht das Schwert ein letztes Mal für den Ruhm der alten Tage zu schwingen. Keinesfalls stumpf und abgenutzt, sondern mindestens ebenso scharf wie die Klinge eines Schwertes, ist zu meinem Erstaunen Eric Adams Stimme. Der Mann nimmt die hohen Töne fast so treffsicher wie in den alten Tagen und hat in Sachen Ausdruck sogar noch mächtig zugelegt. Sei es die Musical-lastigere Betonung bei balladesken Klängen oder manch blues-rockiger Schlenker, den man so im Original nicht kannte. Ich würde gar so weit gehen und behaupten „Kings Of Metal MMXIV“ zieht seine Existenzberechtigung aus der jahrzehntelangen Erfahrung und Reife Adams. Denn rein instrumental bleibt man der Vorlage weitestgehend treu, auch wenn man zur Entlastung des Sängers nun zwei Ganztöne runtergestimmt hat und dem Zeitgeist mit einer trockeneren und dichteren Produktion Rechnung trägt. Eine weitere Änderung ist die Umsortierung der Playlist, die nun mit dem epischen „Hail And Kill“ beginnt und dramaturgisch eine gute Figur abgibt.

MANOWAR bleiben nach wie vor den Beweis schuldig, dass sie in der Lage sind heute noch relevantes auf die Beine zu stellen, aber dass sie grundsätzlich in der Lage dazu wären, belegt „Kings Of Metal MMXIV“ mehr als deutlich. Wer durch die neue Grand Magus eh gerade in der passenden Stimmung ist, oder den Klassiker schon lange nicht mehr auf dem Plattenteller hatte, wird mit diesem Werk sicherlich seine Freude haben. Wahrscheinlich sogar ein gewisser ehemaliger Dortmunder Chefredakteur. Hail Manowar!

9,5/10

Kings of Metal MMXIV (Silver Edition) bei Amazon bestellen

Psilocybe Larvae – The Labyrinth Of Penumbra

The Labyrinth Of Penumbra

David Timsit

Label: Buil2Kill Records
Spielzeit: 42:20

PSILOCYBE LARVAE sind eine russische Dark Metal Combo, die schon seit 1996 ihr Unwesen im größten Staat der Welt treibt. „The Labyrinth Of Penumbra“ ist das vierte Werk, das bislang das Licht der Welt erblickt hat. Bereits zum zweiten Mal hat das anspruchsvolle Quintett rund um Mastermind Larv nichts anbrennen lassen und das Album in den New Yorker Cutting Room Studios mastern lassen. Das Ergebnis kann sich hören lassen – der Sound ist stets transparent, breit und dabei organisch. Doch wichtiger ist natürlich die Musik an sich und diese ist in ihrer unkitschigen Melancholie und filigranen Machart in der Tat so eigenständig, dass sich nur schwer Referenzen ausmachen lassen. Es werden bisweilen ähnliche Emotionen transportiert wie bei älteren Katatonia Scheiben, harmonisch schlägt man jedoch vielseitigere Töne an. Da klingt zum einen die gute, alte Prog-Schule durch, aber auch der Black Metal dürfte einige Spuren im Schaffen der Band hinterlassen haben. Ebenso wenig scheut man sich das Songmaterial hier und da um einige Loops anzureichern. Dass man diese Komplexität nicht beim ersten Durchgang fassen kann, versteht sich von selbst. PSILOCYBE LARVAE bieten dem Hörer keinen catchy Aufhänger an, die Musik will erarbeitet werden. Die überwiegend nicht wirklich langen Tracks, wirken aufgrund ihrer Strukturen monströser, als sie sind. Gut, dass man da immer wieder Erholungspausen in Form akustischer Versatzstücke eingestreut hat und zur Mitte mit „Into The Labyrinth“ zumindest einen Song abliefert, der durch eine gewisse Griffigkeit, vergleichbar mit Opeth zu Blackwater Park Zeiten, direkt hängenbleibt. Gesanglich liefert Larv ebenfalls ein interessantes Wechselspiel zwischen cleanen und gegrowlten Vocals ab, ist hierbei aber wesentlich expressionistischer und pathetischer als Akerfeldt oder viele seiner Kollegen im alternativen Dark Metal Genre, was zuweilen ein gewisses Moonspell-Feeling erzeugt.

Die Band tourt überwiegend in östlichen Ländern wie ihrem Heimatland, Tschechien oder Polen. Wer die Gelegenheit hat sich die Band in derlei Gefilden live anzusehen, sollte diese unbedingt wahrnehmen. PSILOCYBE LARVAE sind eine dieser seltenen Bands, die wirklich neues und fortschrittliches abliefern und dabei nicht direkt so experimentell zu Werke gehen, dass man ihnen nicht mehr folgen könnte. Diese Truppe ist ein wunderbar bereichender Farbklecks in der Musiklandschaft, der vielleicht noch ein klein wenig Politur fehlt, um auf breiterer Ebene nachhaltig wahrgenommen zu werden.

8/10

Assassins Creed IV: Black Flag (PS4)

AC4

Anders als die prominente Genre-Konkurrenz GTA von Rockstar Games, verfolgt Ubisoft mit ASSASSINS CREED eine kontinuierliche Release-Philosophie. Spätestens seit dem zweiten Teil der Reihe steht das Grundgerüst auf soliden Sockeln, so dass man sich überwiegend auf Setting, Content und Spin-Offs für Handhelds konzentrieren kann. Da Teil  3 bereits die Seekämpfe als Spielelement einführte, überrascht es nicht, dass man für den nun vorliegenden Ableger diese stärker in den Fokus rückte und ein Piraten-Setting drumherum ersann.

Wie üblich entwickelt sich die Story über zwei Erzählstränge, von denen eine in der Gegenwart spielt. Da diese Erzählebene allerdings nicht immer auf die Gegenliebe aller Spieler stieß, fallen diese in Art und Umfang etwas anders als gewohnt aus. Zum einen erlaubt man sich einen inhaltlichen Bruch, indem man von der Annahme, dass Templer und Assassine auch heute noch im Konflikt zueinander stehen, abrückt und dies durch eine selbstironische Story ersetzt, die mehr eine Karikatur als eine Fortsetzung der bisherigen Geschehnisse darstellt. Zum anderen kann man diese Passagen nun relativ schnell absolvieren, wenn man an Details nicht interessiert ist. Somit liegt der Fokus dieses Ablegers auf der recht interessanten Geschichte rund um Freibeuter Edward Kenway. Eine Erklärung warum dieser von Beginn an die Fähigkeit hat wie ein Assassine durchs Geäst zu wirbeln, hat man sich leider gespart, dafür packt der Rest des Handlungsstrangs von Beginn an, so dass man dieser Logiklücke gerne verzeiht.

AC41

Edward ist niemand geringeres als der Großvater des Heldens aus dem letzten Teil – Desmond. Der junge Pirat wünscht sich nichts mehr als Reichtum und Wohlstand für sich und seine Familie. Die Möglichkeit dies über herkömmliche Wege zu erreichen sieht er nicht, so dass er beschließt noch einmal loszuziehen um  mit genug Gold zurückzukehren fortan ein sorgloses Leben führen zu können. Doch wie es sich zeigen wird, ist er durchaus hin- und hergerissen zwischen dem sesshaften Leben und den Abenteuern auf der See. Die Ambivalenz ist es im allgemeinen, die Edward von bisherigen Hauptcharakteren der Serie unterscheidet.

Stagnierendes Gameplay

Während die Story genug Substanz und Wendungen bereithält um den Spieler an den Bildschirm zu fesseln, kann man dies von der Spielmechanik leider nicht behaupten. Serien-Veteranen kennen sich sofort aus und werden bald feststellen müssen, dass die Abläufe nur allzu vertraut sind. Auch die KI erlaubt sich nach wie vor viele Schwächen und dem Missionsdesign merkt man die kurze Entwicklungszeit durch repetitives abarbeiten immer gleicher Aufgaben an. Speziell die Verfolgungsmissionen stellen sich schnell als nervtötendes, Spielzeit streckendes Element heraus. Spannender, da unverbrauchter, sind hier schon die Gefechte zur See. Da diese durchaus einen großen Teil des Spiels einnehmen, sollte man sich mit ihnen besser anfreunden. Wer schnörkellose 3rd-Person-Action erwartet, wird von dem Spiel womöglich enttäuscht.  C64-Veteranen, die schon immer mal Pirates in moderner HD-Optik zocken wollten, dürfte das Spiel hingegen nicht so schnell loslassen. Die träge, authentische Steuerung, die fulminante Bildgewalt und die herrliche Soundkulisse lassen euch die Seeschlachten mit allen Sinnen erleben. Da fehlt nur noch der Geruch des Meersalzes in der Luft. Wenn man das gegnerische Schiff entert, ist man nahtlos wieder im gewohnten Kampfmodus, schwingt die Klinge gegen die gegnerische Besatzung und versucht dabei den Mast zu erklimmen und die Kundschafter auszuschalten. Anschließend gilt das Schiff als erfolgreich geentert und die Beute ist euer. Besonders interessant wird die Sache, wenn man in große Seelschlachten zwischen Engländer und Spanier gerät und dann als lachender Dritter die Reste einsammelt.

AC42

Next-Gen Politur

Auf technischer Ebene zeigt sich die PS4-Version feingetuned. Die Texturen sind schärfer als bei der Vorgänger-Hardware, Partikel-Effekte ausladender, die Vegetation dichter, das Wasser authentischer, aber es ist vor allem die deutlich verbesserte Weitsicht, welche das Spielerlebnis im positiven Sinne beeinflusst. Inhaltlich unterscheiden sich die verschiedenen Versionen jedoch nicht.

Fazit:

Den Feinschliff eines eingangs erwähnten GTAs kann man bei einem jährlichen erscheinenden Open World Titel nicht erwarten, jedoch haben Ubisoft die zur Verfügung stehenden Ressourcen mit Bedacht eingesetzt, um die Serie sinnvoll weiterzuentwickeln. Kenner der Reihe werden sich streckenweise unterfordert und gelangweilt fühlen, wer jedoch zum PS4-Start frisch in die Materie einsteigt, bekommt einen vielseitigen Titel geboten, der auch optisch zu überzeugen weiß. Speziell die Seeschlachten machen großen Spaß und entschädigen für die Längen, die zu Land gerne entstehen. Einen weiteren Ableger ähnlicher Machart sollte man den Fans allerdings nicht mehr antun. Das Kern-Gameplay kann  man spätestens jetzt als ausgereizt bezeichnen und ein Neustart tut dringend Not.

7,5/10

David Timsit

Assassin’s Creed 4: Black Flag – Bonus Edition bei Amazon bestellen

Newsted – Heavy Metal Music

Newsted

David Timsit

Label: Spinefarm
Spielzeit: 56:54

Play. Es ertönt ein Jaymz-Riff der Marke C:\Daten\Riffs\Sandmen. Eine Stampf-Bassdrum und Hi-Hat im Offbeat. Dann Snare und weitere Gitarren-Layer. Newsted singt und phrasiert wie sein Antagonist, jodelt glücklicherweise aber nicht.

03:26: Platz machen für den Wah-Wah-Hammet. One-Take – passt schon. Wir haben ja nicht 1990.

„Soldierhead“. Newsted macht an Bass und Stimme nun den Lemmy und spielt den „Whiplash“-Groove auf 75% des Original-Tempos.

Cut. Ein paar Wochen später: Neuer Sound, neues Glück. Der Tonman wird’s schon richten (Anm. d. Autors: Nope).  Der neue Song braucht ’nen Jasontallica Namen. „…And Justice for Jason“? C’mon …  machen wir lieber: „…As The Crow Flies“. Ist schön subtil.

So, jetzt aber genug mit der Jaymz-Sache. Zeit für Rock ‚N‘ Roll. Schön gejammt – lass nehmen. „Ampossible“ – im Kasten.

„Long Time Dead“. Bock auf Punk Rock. Nicht verkehrt. Dazu wieder eine Brise Whiplash-Lemmy und alles schön aus der Hüfte rausgeschossen. Gute Laune garantiert.

„Above All“. Gitarrist vergisst den Neck-Humbucker wieder auf Bridge zu switchen. Schöner Mist. Aber Ex-Kyuss / Vista Chino Mastermind John Garcia wacht neben mir auf und fängt an mit dem Fuß zu wippen. „Hat was…“ sagt er.

Bass. Bass. Wir brauchen Bass. Der „King Of The Underdogs“ ist die Hymne aller Bassisten und die späte Rache für „… And Justice For All“. Friss das, Jaymz! Das ist eine Newsted Scheibe und wenn Newsted den Bass hören will, dann hört Newsted den Bass!

Und Newsted kann sowieso auch böse. „Nocturnus“ brummt übellaunig in Richtung Black Sabbath um ihnen ein ehrfürchtiges „wir sind unwürdig“ abzuringen, verstolpert sich dabei aber in seiner ungeschliffenen Polterei.

Auf der Tracknummer 9 kann man sich dann auch mal was dissonantes erlauben. „Twisted Tail Of The Comet“. „St. Anger“ in gut.

Endspurt. Noch einmal die Bay Area Fahne schwingen.“Kindevillusion“ wäre astreiner Thrash Metal, hätte Gitarrist Jessie Farnsworth eine Ahnung davon wie man mehr als bräzigen Soundbrei aus seinem Instrument herausholt.

Feierabend. „Futureality“ blues-rockt-stoner-doomt sich nochmal zäh durch die pumpenden Membranen. Dann ist Schluss. Gott sei Dank.

4/10